Bayern und „Zugereiste“: Rekrutierungen durch die „Fremdherrschaft“ und die Veteranen des Freiheitskampfes von 1821 zur Regierungszeit von König Otto in Griechenland (1833 – 1862)

Von Elissavet Tsakanika | Zuletzt bearbeitet 17.12.2020

Der Begriff „Bayernherrschaft“ (Vavarokratia) entstand aus der verbreiteten historiographischen Darstellung der bayerischen Regierungszeit mit Begrifflichkeiten der Besatzung und des nationalen Widerstands. Diese bis heute vorherrschende Interpretation in der öffentlichen Geschichtsschreibung teilen sowohl nationalgesinnte wie marxistische Historiker. Den zentralen Kritikpunkt beider Schulen bildet die Militärpolitik der Bayern, insbesondere in Bezug auf die Behandlung der Veteranen von 1821. Im folgenden Essay wird versucht, die wesentlichen Punkte aufzuzeigen, die von diesem Metanarrativ verschwiegen wurden. Wann und warum wurde die Militärpolitik der Bayern als Plan zur Enthellenisierung des griechischen Staates durch eine fremde Macht aufgefasst? Gab es Einwände? Wurden die gegen das Regime gerichteten Handlungen der Veteranen während der sogenannten „Vavarokratia“, von Anfang an durch die öffentliche Meinung als Akte des „nationalen Widerstands“ angesehen? Wie haben die Anführer der Aufstände selbst ihr Tun aufgefasst? Bezog sich der negativ aufgeladene Begriff „Fremdherrschaft“ nur auf die Bayern? Inwiefern wurde der übrige fremdenfeindliche zeitgenössische Diskurs von späteren Historikern unterschätzt, die die „Vavarokratia“ zum Hauptproblem erklärten? Wie notwendig war für den aufkommenden romantischen Nationalismus die Konstruktion des Gegensatzpaares „vaterlandsschützende Veteranen – Vavarokratia“?

Inhalt

Die Bayern und die Auflösung der irregulären Verbände

Der wesentliche Anklagepunkt, der den Bayern bis heute vorgehalten wird, betrifft die Auflösung der irregulären Kampfverbände des Griechischen Freiheitskampfes. Diese Maßnahme ist in den Augen der nationalgesinnten Geschichtsschreiber zu verurteilen, für die der Freiheitskämpfer von 1821 das höchste Symbol des Nationalstolzes ausmacht; für die marxistischen Historiker, für die der Freiheitskämpfer zum Symbol der sozialen Auseinandersetzungen und zum Vorläufer des modernen Partisanen wird, ist sie gleichfalls kritikwürdig. Die von den Kritikern vorgebrachten Gründe sind vielfältig: Unkenntnis der lokalen Bedingungen, autoritäre und arrogante Haltung der Bayern bis hin zu Verschwörungstheorien und Vergleichen mit späteren schwarzen Seiten der griechischen Geschichte.1 Schauen wir uns beispielsweise einen üblichen Vergleich der Regierungszeit Ottos mit den Jahren 1944-1974 an, als das Land den Krieg und den langen Widerstandskampf des griechischen Volkes gegen die deutsche Besatzung hinter sich ließ, um sich in einer US-geführten Fremdherrschaft neuen Typs im Kalten Krieg wiederzufinden, die in Zusammenarbeit mit dem lokalen Establishment all diejenigen verfolgte, die gekämpft hatten:

Am 21. Juni 1946 kam der britische Generalfeldmarschall Montgomery nach Athen. Ziel seiner Reise war, sich vom griechischen Stabschef General Spiliotopoulos über die Widerstandsnester der verfolgten griechischen Republikaner und Kämpfer des nationalen Widerstands zu informieren, die nach den Dezemberereignissen vom Staat aus ihren Dörfern verjagt und gezwungen worden waren, wie Tiere in Schluchten und auf Bergeshöhen zu vegetieren. Die Reaktion des Briten war: „kill them, kill them“. Genau den gleichen Rat erteilte das griechische Establishment den bayerischen Generälen Heideck und Hahn in Bezug auf die Kämpfer von 1821…2

Nach diesem Ausflug in historischer Akrobatik zurück zu den Verhältnissen der Regentschaftszeit. Die Auflösung der Irregulären war vor allem den inhärenten Eigenschaften dieser lokalen Soldaten geschuldet, die die Bildung einer disziplinierten modernen nationalen Armee nicht leicht machten. In der jahrhundertealten Tradition ungeordneter Kampfverbände stehend, erkannten diese traditionellen Waffenträger nur ihren „Kapetanios“ als Anführer an und kannten nicht die unpersönliche Art, mit der eine bürokratisch aufgebaute Armee organisiert ist. Die „Kapetanios“ waren „sozial gleichrangige Partner“, deren Rang nicht leicht in die Hierarchie der nationalen Armee übertragen werden konnte.3 Nach dem Freiheitskrieg nutzten sie ihre lokale Macht, um über ihre Integration in die staatlichen Mechanismen zu verhandeln, ohne dass diese Integration jedoch mit ihrer bedingungslosen Treue zur Zentralmacht einherging. Ihre Unterordnung verstand sich als entgeltliche Dienstleistung und nicht als militärische Pflicht gegenüber dem Vaterland oder dem König. Die Auflehnung blieb für sie eine Art und Weise, mit der Staatsmacht umzugehen. Ihre Teilnahme am Freiheitskrieg und an den damit einhergehenden Bürgerkriegen hatte sie darüber hinaus zu einer geschlossenen Einheit geformt, die über ihre Stärke und ihren Beitrag zum politischen Wandel wusste, und hatte sie in die politischen Flügelkämpfe hineingezogen. General Makryjannis hat es so formuliert: „(jetzt) sind wir zum Vogel geworden (und) werden wohl kaum in die Eierschale zurückkehren“.4

In seinem Buch über das griechische Volk bezeichnet der Regentschaftsrat Georg Ludwig von Maurer (1976, 402-410) die Auflösung der Irregulären als geboten und erinnert an den Bürgerkrieg und die sogenannte „Zeit der Anarchie“, die auf die Ermordung des ersten Regenten Kapodistrias folgte. Die Bayern, die den minderjährigen König begleiteten, hatten allen Grund besorgt zu sein, als sie erfuhren, dass sogar die auf der Peloponnes stationierten französischen Truppen von Kolokotronis‘ Waffenträgern angegriffen worden waren. Die Auflösung der irregulären bewaffneten Gruppen erschien folglich als die einzig gebotene Maßnahme, während die Entsendung ausländischen Militärs von den internationalen Übereinkünften gefordert und selbst von den Griechen, die ihren Landsleuten nicht trauten, als wünschenswert angesehen wurde.

Mit so grenzenloser Freude sahen die Griechen die französische Armee übers Meer kommen, […] mit ebenso großer innerer Dankbarkeit begleiteten sie sie bei ihrem Abzug wegen all der Wohltaten, die sie durch deren Präsenz erfahren hatten. (Chronos, 13.08.1833)

Die Angst vor Anarchie und Zwietracht, die Vision der Europäisierung, die gebotene Dankbarkeit gegenüber den europäischen Mächten für deren militärische und diplomatische Intervention in der Griechischen Frage, alles sprach für die Bayern während der ersten Monate ihrer Regierung. Die Zeitungen der Englischen und der Französischen Partei verteidigten sogar die Notwendigkeit der von den Bayern durchgeführten Militärreform und missbilligten die aufgetretenen Erhebungen als Werke von „Unruhestiftern“, „räuberischen Kapetanios“, „Feinden des Fortschritts“. Betrachten wir beispielweise die Kommentare der Zeitung Athina in Bezug auf den Beschluss der Regierung, die Geschlechtertürme der Mani abzureißen, einer Gegend, die während der osmanischen Zeit einen besonderen Autonomiestatus genoss. Diese Türme wurden häufig zum Schauplatz bewaffneter Unruhen und Akten der Blutrache zwischen den kriegerischen Bewohnern der Halbinsel Mani, die eine Tradition des Staats im Staat fortführten – unvereinbar mit dem Selbstverständnis eines modernen Staates. Die Athina stimmte der Denkweise der Regierung zu und schrieb, dass die Wehrtürme der Mani „Brutstätten für Totschlag“ seien und die Regierung nicht „gerechter und philanthropischer“ handeln könne, als „zu versuchen diese rachsüchtigen Menschen davon abzuhalten, sich bei jeder Gelegenheit gegenseitig umzubringen“.5 Zu jener Zeit war die Zeitung sogar hinsichtlich der Auflösung der irregulären Verbände selbst positiv eingestellt.

Die Reorganisation der regulären und irregulären Armee hat offensichtlich nicht viele zufrieden gestellt, aber die Mittel der Nation haben sicher nicht erlaubt, die Sache anders zu regeln; wir müssen uns nach der Decke strecken, wenn wir nicht wollen, dass unsere Füße frieren. […] Und wäre es nicht für uns eine große Schmach, dass die Türken und die Araber ihre Armee reformieren und wir irregulär und der Kriegswissenschaft nicht teilhaftig sind? […] Es ist auch an der Zeit, dass unsere tapferen Burschen die Süße des ruhigen Lebens genießen. (Athina, 01.04.1833)

Zahlreich waren auch die Stimmen, die die zu Beginn der bayerischen Regentschaft aufgetretenen Unruhen verurteilten. Jene, die den Anführern der Aufstände Eigensucht vorwarfen, waren mit der Mentalität der traditionellen Gesellschaft vertraut genug, um zu begreifen, dass die Aufstände weitgehend Manifestationen dessen waren, was man traditionelle Revolution nennt, obwohl sie im Namen der Nation stattfanden, wie es die moderne nationale Ideologie gebot.6 Das heißt Erhebungen der archaischen Art, die darauf abzielten, die Verhandlungsposition der Aufständischen zu stärken, ohne die staatliche Macht der Bayern infrage zu stellen. Das Mitglied des Regentschaftsrates von Maurer (1976, 738) beschreibt beeindruckt, wie leicht es für die Bayern war, frühere Aufständische zu amnestieren und zu rekrutieren, damit sie andere Aufständische verfolgten. Und General Makryjannis kommentiert in seinen Memoiren (1977, 362) bitter diesen Mangel an Solidarität zwischen den Freiheitskämpfern und tadelt die Amnestierten, die sich stolz die bayerischen Orden um den Hals hängten. So eigennützig verschiedene Handlungen der arbeitslosen Freiheitskämpfer auch erscheinen mochten, war ihre Unzufriedenheit andererseits auch allgemein verständlich. Wie die Zeitung I Epochi (09.12.1834) erläutert, waren generell alle einheimischen Griechen vierzehn Jahre lang „Soldaten gewesen“. Es war hart für sie zuzusehen, wie andere, die aus einem friedlichen und „industrialisierten“ Land kamen, das den Soldatenberuf „als den allerletzten Beruf“ ansah, üppig für ihre Soldatendienste entlohnt wurden. Als Freiheitskämpfer werden folglich nicht nur die Militärs angesehen. Freiheitskämpfer waren im weiteren Sinne „generell sämtliche autochthonen Griechen“, die eine Belohnung für ihre Opfer erwarteten. Das „Recht der Freiheitskämpfer“ wurde bald zu einer umfassenden und dringenden Forderung zum Abzug der Bayern und führte schließlich zur Verfassungsrevolution vom 3. September 1843.

Auf den Leichnamen tausender Helden unseres Kampfes haben wir einen Thron errichtet, und auf diesen Thron, der beneidenswert, da von Nachkommen großer Vorfahren wundersam geschaffen, haben wir deinen Bayerns Sohn gesetzt, obwohl du weder nachbarschaftliche, noch historische noch religiöse Rechte auf unseren Thron hattest und das das griechische Volk dich nur vom Hörensagen her kannte. […] Ihn und uns hast du betrogen und hast deine Vormundschaft zum Gelderpressen genutzt. […] Haben deine Vertreter in Griechenland etwa keine Vergehen begangen? […] Haben sie nicht unsere siegreichen Armeen aufgelöst, die […] den Mangel selbst an Brot sahen, die rote Fahne, die Guillotine? Sind sie es nicht, die 15 Millionen vergeudet haben, damit deine Landratte Heideck die Seefahrt erlernt […]?7

Diese Worte richtete die Zeitung Elpis kurz nach der Revolution vom 3. September an das „griechenhassende Bayern“. In noch aggressiverem Ton ermunterte die Zeitung Ethniki das griechische Volk, „zu fordern, dass die Meere durchpflügt und die steilen Berge überwunden werden, um sich am allesfressenden Bayern zu rächen, das es in Lumpen gehen ließ“.8 Es handelt sich dabei nicht um isolierte Beispiele. Nahezu dasselbe würde man selbst in Zeitungen lesen, die zu Beginn die militärischen Reformen unterstützt hatten. Weiter unten werden wir auf die Gründe für diese eindrucksvolle Kehrtwendung zurückkommen. Halten wir vorläufig fest, dass die Gesellschaft in Griechenland die Bayern weder selbstverständlich und von Anfang an als fremde Besatzung betrachtete, noch dass sie sich in toto an die Seite der Aufständischen stellte. Aber nach dem 3. September 1843 wurden alle Aufstände, die sich während dieser ersten Dekade ereignet hatten, nachträglich als Momentaufnahmen „nationalen Widerstands“ gegen eine ungerechte fremde Besatzung dargestellt. Die nachkommenden Historiker haben sicher aus diesem Umstand viel Material geschöpft, um ihre These über die „Vavarokratia“ zu bekräftigen.

Die Bayern und der Kolokotronis-Prozess

Im Gegensatz zu dem, was nach Ottos Vertreibung vorherrschte, bezog sich der aufgeladene Begriff „Bayern“ während seiner Regierungszeit nicht auf den König. Nach den Bürgerkriegskonflikten der vergangenen Dekade und angesichts der Gefahr für die territoriale Integrität Griechenlands, erschien der fremde König als einzig gangbare Lösung, selbst für die kleine Gruppe der Republikaner.9 Und selbst die bayerischen Mitglieder des Regentschaftsrates, die in Ottos Namen regierten, wurden zunächst als Regulierer akzeptiert, denen die verschiedenen Faktionen ihre Ausarbeitungen und Anliegen darlegten und gleichzeitig ein negatives Profil ihrer Gegner zeichneten. Erhellend in dieser Hinsicht ist der Fall des Theodoros Kolokotronis, den wir nachfolgend untersuchen. Der Kolokotronis-Prozess ist jenes Kapitel der ottonischen Geschichte, das vor allem diejenigen heranziehen, die versuchen die tyrannische Natur der sogenannten „Vavarokratia“ zu belegen.10 In ihrem Narrativ erscheint Kolokotronis als das Sprachrohr der Wünsche der unterdrückten Griechen, der sich gegen das die Nation zersetzende Regime verschwört. Anschließend bestraft die Fremdherrschaft in seiner Person den „Geist von 1821“, während die griechische Gesellschaft und allen voran die Freiheitskämpfer dem verfolgten Helden beistehen. Wenn wir jedoch den Prozess in seinem zeitlichen Zusammenhang sehen, finden wir viele Beweisstücke, die für eine andere, sehr viel komplexere Geschichte sprechen.

Zunächst gingen der Verschwörung, an der Kolokotronis angeblich teilnahm, seine vergeblichen Versuche voraus, sich selbst mit den Bayern zu verbinden, bevor dies seine Gegner in der Verfassungsfrage schafften. Denn die Freiheitskämpfer mögen Verschwörungen und Aufstände angezettelt haben, gleichzeitig jedoch wetteiferten sie um das Wohlwollen der Bayern. In seinen Memoiren zählt Kolokotronis (ebd., 255-257) auf, was er alles unternahm, um sich das Wohlwollen der Regentschaft zu sichern. Er löste seine Leibgarde auf und bot zum Zeichen seiner Unterwerfung unter das neue Regime seine Burg an. Er bat um eine Audienz beim König und speiste mit bayerischen Würdenträgern, denen er seine Dienste für das Vaterland darlegte. Er wiederholte seine Unterwerfungserklärung, als er Ottos Bruder, Maximilian, seinen Säbel offerierte.11 Gleichwohl war es den Siegern des jüngsten Bürgerkriegs gelungen, Kolokotronis und seine russlandfreundlichen Kapodistrias-Anhänger bei den Bayern zu diffamieren, bevor letztere überhaupt in Griechenland angekommen waren.12 Auch Kolokotronis (257-258) selbst stellt die Feindseligkeit der Regentschaft ihm gegenüber als Werk seiner politischen Gegner dar, die alles unternahmen, um ihm „den Einfluss vorzuenthalten“, den er sich wünschte und anstrebte. So interpretiert er auch seine Verfolgung: als eine Intrige seiner griechischen Feinde, um ihn als Bedrohung für den Thron darzustellen.

In der zersplitterten Gesellschaft jener Zeit war niemand darüber erstaunt, dass die Zeitungen der Englischen und der Französischen Partei sich nicht auf die Seite von Kolokotronis und den anderen Verhafteten stellten, noch interpretierten sie deren Verschwörung als einen Akt „nationalen Widerstands“, sondern bezeichneten sie vielmehr als „Unruhestifter“, „Anarchisten“, „Subjekte“ und als „Zerstörer der Nation“.13 Kolokotronis‘ Zeitgenossen sahen in seiner Person nicht bloß einen von Ausländern verfolgten Freiheitskämpfer, sondern einen Russlandfreund, Kapodistrias-Anhänger, Verfassungsgegner, Peloponnesier, ehemaligen Bandenchef (also Mitglied einer Gruppe Bewaffneter, die vor dem Freiheitskampf als Söldner den Notablen der Peloponnes dienten und dank ihrer Teilnahme am Freiheitskampf aufgewertet wurden), Neureichen, persönlichen Feind bedeutender politischer und militärischer Persönlichkeiten. Daher war die öffentliche Meinung zur Zeit des Prozesses nicht selbstverständlich auf Seiten des Freiheitskämpfers Kolokotronis und gegen die Bayern, wie es auch nicht selbstverständlich war, dass der Freiheitskämpfer die Bayern als fremde Besatzungsmacht ansah, gegen die jeder Patriot Widerstand leisten musste. Auch nach seiner Amnestierung erhob Kolokotronis keinen Anspruch auf den Titel des Kämpfers gegen die „Fremdherrschaft“. Er wurde mit Beförderungen und Titeln geehrt und starb an einem Schlaganfall nach einem Tanz im königlichen Palast. Sein Sohn Jenneos, mittlerweile Ottos Adjutant, erhob sich gegen die Revolution vom 3. September, der Verfassungswende, die das Ende der „Vavarokratia“ einläutete. In der Welt vor dem Freiheitskampf waren derartige Kompromisse mit der Staatsgewalt nicht ungewöhnlich. In der traditionellen Gesellschaft war ein Aufstand nie ein Weg ohne Wiederkehr. Der gute Klephte wurde zum Armatolen, die Aufständischen verhandelten über den Schutz der Gemeinde (d.h. sie einigten sich mit den Osmanen, dass sie wieder den Status des Raya, des steuerzahlenden Untertanen, annehmen würden, um weitere Gewaltakte zu vermeiden), während jede weltliche Macht ein Werk der Vorsehung war. Folglich war der Gehorsam letztlich die Unterwerfung unter den Plan der Vorsehung.14

Die Teilnahme am nationalen Freiheitskampf änderte die Mentalität der Menschen und machte sie mit dem vertraut, was Weber die „Gesinnungsethik“ nannte, eine sehr viel weniger elastische und nachgiebige Ethik als die alte „Verantwortungsethik“.15 Jetzt waren die Menschen geneigt, ihre Existenz für die eine oder andere weltliche Utopie aufs Spiel zu setzen. Fremde Besatzung, Kollaboration mit dem Feind, nationaler Verrat, nationaler Widerstand, all diese Begriffe der „ideologischen Politik“16 formten nun unwiderruflich die Einschätzungen in Bezug auf Personen und Verhaltensweisen. Die Freiheitskämpfer Karaiskakis und Androutsos wurden des nationalen Verrats bezichtigt, weil sie das Gespräch mit dem osmanischen Lager fortsetzten.17

Die Bayern jedoch waren keine Osmanen, und der Widerstand gegen sie war nicht von vornherein ein Zeichen von nationaler Gesinnung. Im Übrigen ist es keineswegs sicher, dass Jenneos Kolokotronis‘ Hingabe an seinen König und die Legalität vor der Revolution des 3. Septembers nicht auch von einer Art „Gesinnungsethik“ durchzogen war, genauso wie bei seinen Anklägern, den Gegnern der „Vavarokratia“. Es handelte sich um eine Gesellschaft in Bewegung, und die Freiheitskämpfer, die mittlerweile aus der „Eierschale“ gekrochen waren, waren von diesen ideologischen Entwicklungen keineswegs ausgenommen. Kurz nach dem 3. September 1843 erschienen Theodoros Kolokotronis‘ Memoiren. Im Vorwort (286) präsentiert Jeorjios Tertsetis, der Richter, der zum Nationalhelden wurde, weil er sich weigerte, das Urteil gegen den General zu unterschreiben, Kolokotronis als Opfer der lokalen Faktionen und die Bayern als erfüllt von reinen Absichten gegenüber Griechenland.

Was, schreibt Tertsetis, war die Mission der Regentschaft? Eine Regierung zu etablieren, die Monarchie zu begründen. Im Herzen der Mitglieder des Regentschaftsrates ließ das weise Deutschland sanft die Saite anklingen, um das alte weise Hellas aufzurichten, wieder auferstehen zu lassen. Wenn Sie sich nicht gegen die Deutung wenden, die ich der Regentschaft gebe, haben wir den Schlüssel zum Prozess gegen den unglücklichen General und seine Verurteilung als Verräter in der Hand. Mit der Galle der Fraktionen für die Augen der Regentschaft skizziert, sah man den Mann verzerrt […] sah man ihn falsch, maß man ihm Macht zu, die er nicht hatte.

Obwohl dieser Text veröffentlicht wurde, als sich alle mit antibayerischen Äußerungen überboten, um ihre Vaterlandsliebe unter Beweis zu stellen, bewahrt er etwas Wichtiges vom Klima jener nicht allzu fernen Zeit, als es noch kein Einverständnis rund um das Jahr 1821 gab und die heftigen Konflikte unter den Freiheitskämpfern die Bildung zweier deutlich unterscheidbarer Lager nicht zuließen: die „Patrioten“ und die „Fremdherrschaft“. In den Worten von Tertsetis sind die „Patrioten“ aufgespalten in sich gegenseitig vernichtende Faktionen, während die „Fremdherrschaft“ in Wirklichkeit ein gutes Ziel hat: die Auferstehung der antiken griechischen Glorie. Die folgende Generation, aufgewachsen mit den Prinzipien des 3. Septembers, hat das antibayerische Narrativ vollends konsolidiert, in dem kein Platz mehr war für das „weise Deutschland“ mit den guten Vorsätzen. Die Zeit vor 1843 war mittlerweile zweifellos zu einer Epoche der Besatzung geworden, in der die Menschen aufgeteilt wurden in Widerstandskämpfer und Kollaborateure. Folglich war es für Panajiotis Synodinos völlig normal, die folgenden schneidenden Verse über den Konterrevolutionär Jenneos zu schreiben:

Und du, im Triumph
Jennaios getauft ,
ein mutiger Ephialtes
von Bayern gekauft!18

Seither sind viele anachronistische Erzählungen rund um den Kolokotronis-Prozess entstanden, nicht nur durch die offizielle Geschichtsschreibung, sondern auch im Journalismus, in der Politik und der Kunst. Εin bezeichnendes Beispiel ist das Theaterstück von Iakovos Kampanellis Unser großer Zirkus, in dem die Statue von Theodoros Kolokotronis während der Militärdiktatur zu Leben erwacht und eine Rede auf den 3. September hält.19 Auch in dem jüngeren Buch Vom minderjährigen Otto zur Kanzlerin Merkel, in dem die „Vavarokratia“ untersucht wird, um die Probleme Griechenlands zu Zeit der Memoranden [Anm. d. Ü.: Memoranden = Abkommen zwischen den Gläubigern und Griechenland über Sparauflagen nach Ausbruch der griechischen Finanzkrise 2010] zu beleuchten, schließt der kurze Bezug auf den Kolokotronis-Prozess mit dem bekannten Refrain, dass Kolokotronis „nicht lang genug gelebt hat, um die Revolution vom 3. September ‘43 zu erleben“ – eine Bemerkung, die darauf anspielt, dass der 3. September selbstverständlich zu seinen Absichten gehört habe.20

Fremdherrschaft und Schützer des Vaterlands

Es gab kein einzelnes entscheidendes Ereignis, das den Übergang von der Gnadenfrist zum starken antibayerischen Ressentiment markiert, das zur Zeit der September-Revolution alle erfasste. Die Auflösung der Irregulären und der Klöster, die verhasste Guillotine, die Besetzung wichtiger Stellen durch Fremde, alles geschah in einem sehr kurzen Zeitraum und bestätigte, dass die Regentschaft die vertraute Welt der Freiheitskämpfer einriss und eine unwirtliche Welt schuf, in der die Einheimischen und die Teilnahme am Freiheitskampf nicht zählten. Der Staat wurde nicht zur „Kriegsbeute“ oder zumindest waren es nicht die Freiheitskämpfer, denen sie zufiel. Nach den ersten Bemühungen, sich den Bayern anzuschließen, haben sich letztendlich alle Faktionen ausnahmslos gegen die „Fremdherrschaft“ gewandt, die gewiss nicht ausschließlich von den Bayern repräsentiert wurde. Sie wurde auch von den Griechen von außerhalb des Staatsgebiets repräsentiert, die die Bayern bei der Besetzung von Stellen bevorzugten, entweder weil sie gebildeter waren, oder weil sie wegen fehlender lokaler Abstützung folgsamer waren. Makryjannis (1977 [1907], 380) vermittelt ein sehr düsteres Bild von der Ungerechtigkeit und Ungleichheit zwischen Fremden und Autochthonen:

Konstantinopels Unrat und europäische Karossen, Bälle, Luxus, jede Menge Tollheiten. Die sind unsere Herren und wir deren Heloten. […] Beim geringsten Vergehen des Freiheitskämpfers, […] Kopf ab durch die Guillotine.

Selbst die osmanische Vergangenheit erschien vertrauter als diese abgehobenen Bürokraten. Wie sich die Zeitung Aion (06.09.1839) mit einer Prise Nostalgie erinnert, war damals der Austausch mit der Staatsmacht einfacher, die „Tür zur Anhörung“ stand immer offen. Jetzt hingegen:

Der Bayer […], kaum nach Griechenland gekommen, als habe er es erobert, ergreift die nächstbeste Sense und erntet gnadenlos von den Menschen der obersten bis zu denen der letzten Klasse, stößt die zurück, die Griechenland während der schlimmsten Umständen gerettet haben, weist den verwundeten und verhungernden Freiheitskämpfer nach reichlich Unbill in einem zehnjährigen Krieg ab und zerstört ihn mit dem abscheulichen Ausdruck ‚Pitsch puff‘, hat ihn aus allen ministerialen Stufen hinausgeworfen auf eine Art, dass er sich glücklich dünkt, wenn er einen Ministerrock aus der Ferne zu sehen bekommt.21

Im Gegensatz zum Freiheitskämpfer war der Bayer fremd und unkriegerisch. Das wurde durch das Knowhow oder die Bildung, die er haben mochte, nicht aufgewogen. Dass die Freiheitskämpfer ungebildet waren, war im Übrigen ein „ehrenhafter Schicksalsschlag“,22 da die Beschäftigung mit dem Krieg der Grund war, der sie gehindert hatte, selbst weise und raffiniert zu werden wie die „bayerischen Bürokratenschlaumeier“ oder die nicht einheimischen Griechen, die sich dem Kriegsdienst entzogen hatten. Um einen Vergleich von Makryjannis zu benutzen, waren die Freiheitskämpfer die „Fastenden“, die Bayern und die Auslandsgriechen die „nicht Fastenden“, die kein Anrecht auf die „heilige Kommunion“ nach dem Krieg hatten, nämlich die öffentlichen Stellen.

Die Vorherrschaft dieser Sichtweise bedeutete den Rückzug derer, die die Politik der Bayern als positiven Versuch ansahen, westliche Vorbilder anzuwenden und Institutionen und Mentalitäten der osmanischen Vergangenheit auszumerzen. Der traumatische Umgang mit den Bayern führte dazu, dass die Bedeutung der Modernisierung infrage gestellt und die lokale Tradition wieder geschätzt wurde. So etablierte sich das Stereotyp des überbewerteten Bayern, der trotz seiner verfeinerten Sitten und seiner westlichen Angewohnheiten eine „Drohne“ sei, ein „unbekümmert sich Kümmernder“,23 ein „Erdäpfel fressender Biersäufer“,24 der glaube, dass Gott „beim Jüngsten Gericht auf Deutsch über die Nationen urteilen wird“.25

In seiner Komödie Der Glücksritter hebt M. Chourmouzis diese Stereotype bei seinem Hauptcharakter hervor, einem ignoranten Deutschen mit zahlreichen Ämtern, der mit Hilfe eines Kürbisses lernt, mit dem Säbel umzugehen, und versucht, seinen Bruder zum Admiral zu ernennen auf dem großen See, den man Meer nennt, da er als Müller wisse, woher der Wind blase.26 Die Lebensweise des Glücksritters ist voller Affektiertheit. Bei den Essen, die er gibt, bietet er die angeblichen Spezialitäten seiner Heimat an wie „Stockfisch mit Milch und Honig“, ungekochte Zucchini und gekochte Gurken.27 Diese komischen Details des Stücks verstärken den kulturellen Graben, der den bayerischen Glücksritter von den arbeitslosen verfolgten Freiheitskämpfern trennt, aber auch das Gefühl des Unrechts, das das Stück ausstrahlt. Der Glücksritter brüstet sich, dass er den arbeitslosen, in der Hauptstadt bettelnden Freiheitskämpfern Almosen spendet.

Noch gestern habe ich einem von diesen fünf Lepta gegeben, da er mir sagte, dass er fünf Wunden an seinem Körper trage; hätte er mir gesagt, dass er zehn Wunden hätte, hätte ich ihm auch zehn Lepta gegeben. Und dennoch schreien sie, dass ich unverdient ihren Schweiß und ihr Blut äße, als ob jemand von Schweiß und Blut leben könne.28

Im Kampf gegen die Fremdherrschaft erschienen die Freiheitskämpfer als gleichgesinnte, solidarische „Schützer des Vaterlandes“. Nach dem 3. September wurden die Kämpfe gegen die „Vavarokratia“ in den Lebenslauf eines jeden Freiheitskämpfers aufgenommen, neben den Kämpfen gegen die Osmanen. Wer aus welchem Grund auch immer in Konflikt mit den Bayern gekommen war, wurde zum Helden erklärt, und die Streitigkeiten zwischen den Freiheitskämpfern – die in verschiedenen Zusammenhängen virulent blieben – wurden herabgestuft. Sie alle waren unerschrockene Männer des 25. März und des 3. Septembers. (Atithassos, 10.04.1844).

Bayernfeindlichkeit und Nationalismus

Durch ihren Zusammenstoß mit den irregulären Kämpfern spielten die Bayern ungewollt die Rolle des semantisch „Anderen“, der es der Nation ermöglichte, ihre Identität negativ zu bestimmen.29 Der Diskurs zur Unterstützung der Freiheitskämpfer befriedigte zugleich den Drang der Nation, ihre Einzigartigkeit den Fremden gegenüber zu unterstreichen. “Äffische Nachahmung von Sitten und Institutionen greifen in diesem Land nicht Platz, und sollte mit Gewalt versucht werden, dies durchzusetzen, wäre dies fruchtlos und von kurzer Dauer”, schrieb die Zeitung Elpis etwa einen Monat nach der Vertreibung der Bayern (ß9.10.1843).

Der antibayerische Diskurs unterstützte den arroganten antiwestlichen Nationalismus, der sich in den folgenden Jahren entwickeln sollte. „Es kamen ruhmlose Goten, Völker einer verschneiten Erde, um den Raureif aus ihrem vandalischen Soldatenrock zu schütteln …“ , schrieb der fanariotische Gelehrte Alexandros Soutsos,30 der trotz seiner zahlreichen Meinungsverschiedenheiten mit den ungebildeten Autochthonen nicht ertragen konnte, dass der König von Griechenland „von den einsilbigen Graf, Spitz, Hetz, Hitz umgeben war“.31

Auch das Königspaar von Griechenland blieb nicht unberührt von der romantischen ideologischen Wende, die seine Untertanen nach ihrer einzigartigen nationalen Wahrheit suchen ließ. Da die deutschen Prinzen griechische Könige geworden waren, sahen sie ihr Königreich nicht als bayerisches Protektorat, sondern als Vorform eines orientalischen Reiches. Die herablassende Haltung der Großmächte ihnen gegenüber, die antigriechischen Veröffentlichungen westeuropäischer Zeitungen und auch die bevormundende Haltung, die die Mitglieder des Regentschaftsrates und die übrigen Amtsträger ihrer neuen Heimat gegenüber an den Tag legten, trugen dazu bei, dass sie in großem Maße das Unbehagen ihrer Untertanen gegenüber dem Westen teilten. In Briefen an ihren Vater schreibt Königin Amalie:

Was hier passiert, ist unglaublich. Für alles beziehen sie sich auf Bayern und jedes zweite Gespräch dieser Herren ist: „in Bayern macht man das so und so“. Aber sie haben keine Ahnung, und gewiss hatten sie auch in Bayern keine bedeutende Stelle, denn sie waren Oberleutnante und Hauptleute, als sie hier ankamen.32 [Anm. d. Ü.: Hier muss selbstverständlich das Originalzitat eingesetzt werden, das ich nicht zur Hand habe.]

Im Rahmen der Nationalstaatsbildung wurde der Diskurs zu Gunsten der Freiheitskämpfer zum Diskurs zur Verteidigung des nationalen Freiheitskampfes und des Staates, der durch ihn entstanden war, gegen die böswilligen Kommentare jener, die vom Räuberwesen, von mangelnder ethnischer und kultureller Homogenität der griechischen Nation redeten, von lückenhaft assimilierten Ideen, von der Kluft zwischen den Gelehrten und dem Volk.33 Die Freiheitskämpfer verkörperten das Griechentum ebenso als Bürger in Waffen, die den nationalen Freiheitskampf durchgeführt hatten, wie auch gemäß dem deutschen romantischen Begriff als Sprachrohr des unverfälschten Volkstums, der Seele des griechischen Volks. Im Übrigen hatten die Griechen auf eben diese Freiheitskämpfer ihre Hoffnungen zur Umsetzung der Megali Idea gesetzt, der Befreiung ihrer Landsleute, die weiterhin Untertanen des Sultans waren.

Die Fustanella! Warum sollen wir uns davor grausen? War nicht die weiße Fustanella die Windel, in der sich unsere junge Nation zuallererst zeigte? Ist nicht die weiße Fustanella noch heute der weiße Kokon, aus dem die heute noch kriechende Raupe des Griechentums in Kürze geflügelt hervorschlüpfen wird? Sind wir nicht mit den dreißig tausend Fustanella-Trägern der Schatten, der die Interventionen der Fremden abschreckt? (Synenosis, 31.03.1845)

Selbst die Intellektuellen, mehrheitlich europäisierte Auslandsgriechen, die von den Freiheitskämpfern als Organe der „Vavarokratia“ beschuldigt wurden, begannen sehr bald, die Freiheitskämpfer als natürliche Vertreter der Nation und als Gegengewicht zu den Bayern darzustellen. “Jeder Bayer, soweit er schreibt, befürchtet, dass bloß nicht bewaffnete Griechen aus dem Boden sprießen”, schrieb Alexandros Soutsos.34 In diesem Rahmen vollzog sich auch die bemerkenswerte Wende der Zeitung Athina, die bereits 1835 ihre Vorstellungen über die Modernisierung der Armee und die Rückführung der Freiheitskämpfer ins Zivilleben vergessen hatte und die auf Abwege geratenen Freiheitskämpfer der letzten zwei Jahre unterstützte. 1837 gelangte sie zu dem Punkt, die Aufstände der Mani, die sie einige Jahre zuvor unmissverständlich verurteilt hatte, als natürliche und erwartbare „Demonstrationen bewaffneter Opposition“ zu bezeichnen, „die immer und überall in Ländern unter Fremdherrschaft heranreift“. Nach dem 3. September verspürten die Blätter der Englischen und der Französischen Partei, die der Verhaftung von Kolokotronis und der anderen Freiheitskämpfer applaudiert hatten, die Notwendigkeit, dem Publikum zu versichern, dass „[wir], die wir von Anfang an die Absichten der Fremdherrschaft gesehen hatten, damals nicht einen Moment zögerten, die Verteidiger der Unabhängigkeit des Vaterlandes zu unterstützen“.35

Das Argument der guten Absichten, das Kolokotronis‘ Richter Tertsetis benutzt hatte, um die Bayern zu verteidigen, war im Rahmen des ständig an Boden gewinnenden romantischen Nationalismus nicht mehr akzeptiert. In der Folge sind die Wahrheiten nicht mehr ökumenisch, sie werden national.36 Die Fremden sind Fremde, und von daher ungerecht. Im Kinofilm des Jahres 1974 Der Prozess der Richter fasst Anastasios Polyzoidis, der zweite „heldenhafte Richter“ im Kolokotronis-Prozess, das Wesen dieser romantischen Anti-Bayernhaltung in zwei Sätzen zusammen.

Da du Ausländer bist, kannst du nicht gerecht sein. Um Recht zu werden, braucht das Recht Staatsbürgerschaft, Nationalität. Und fährt fort: Früher oder später speit Griechenland alle diese Fremdkörper, die sich ihm aufdrängen, wieder aus, selbst wenn sie die besten Absichten haben.37

Es ist weder von Belang, dass Polyzoidis ein politischer Gegner von Kolokotronis war, noch dass er ihn einige Jahre zuvor in den Spalten seiner Zeitung als „teuer Eingekauften“ der Kapodistrias-Regierung bezeichnet hatte und die Grausamkeiten aufzählte, die er und seine Anhänger zu Lasten der Verfassungsfreunde begangen hatten.38 Diese alten Streitigkeiten, dieser alte Hass bestand zwischen Griechen, und wie der Polyzoidis im Film kategorisch erklärte „ist jeder Streit zwischen Griechen ein Streit zwischen Helden“. Diese Auffassung, die sich weigert, den Bayern irgendeinen mildernden Umstand zuzuerkennen aus der Überlegung heraus, dass sie ein „Fremdkörper“ in der griechischen Gesellschaft waren, wurde sowohl von der nationalgesinnten wie auch von der marxistischen Geschichtsschreibung reproduziert. Schauen wir uns mal einen bezeichnenden Ausschnitt an, der zur ersten Kategorie gehört:

Jene Epoche war keine Zeit der nationalen Regierung, sondern wir betrachten sie als Zeit der äußerst raffinierten Fremdherrschaft, da geschickter, schlimmer als die türkische. Diese unglückselige Zeit diente zu nichts anderem als lediglich zur Erschöpfung unserer moralischen und materiellen Kräfte. […] Griechenland war nicht mehr Griechenland, sondern Bayern im Orient…39 (Chalkiopoulos, o.D., 27)

In der Einführung zur griechischen Ausgabe des Buches  Das griechische Volk, (1976 [1835], 18) des Regentschaftsmitglieds Maurer zieht der linke Historiker Tassos Vournas die Anklage im Prozess gegen Kolokotronis heran als ein „Monument der Willkür eines tyrannischen Staates unter fremder Herrschaft, als Verfolger griechischer Patrioten. Er lässt sich nicht darauf ein, die Vorwürfe zu Lasten von Kolokotronis und der anderen verfolgten Freiheitskämpfer zu kommentieren, da er als gegeben ansieht, dass „die griechischen Patrioten“ mehr Legalität aus ihrer Teilnahme am Freiheitskampf zogen, als die Regentschaft aus ihren Gesetzen und ihren neu errichteten Institutionen ziehen konnte. Seine Position im Hinblick auf Maurer ist, dass dessen Beteiligung am Prozess gegen Kolokotronis auf ewig jede weitere Leistung überschattete, die dieses Mitglied des Regentschaftsrates für die griechische Nation erbracht hatte. Gemäß Vournas stellt diese Beteiligung nicht lediglich eine falsche Handhabung eines Politikers dar, sondern läuft auf einen unwiderlegbaren Beweis für die Ungerechtigkeit des Regimes des bayerischen Absolutismus hinaus, des tyrannischen Staates unter Fremdherrschaft, der sich gegen die „Kämpfer für die Freiheit“ richtete.

Bayern und Zugereiste

Solange die sogenannte „Vavarokratia“ andauerte, verteilte sich die Antipathie der Autochthonen, die sich den Titel des Freiheitskämpfers zu eigen gemacht hatten, auf die Bayern und die Auslandsgriechen. Vor der staatsrechtlichen Wende von 1843 waren die „Vavarokratia und die Zugereisten“ für alle Übel verantwortlich.40 Nach dem Hinauswurf der Bayern wandte sich die Wut der Autochthonen erwartungsgemäß gegen den verbliebenen Feind. Wie Andreas Zaimis 1840 vorsah: „Verständlich ist die Vertreibung der Bayern, aber einmal erledigt, werden anschließend auch die Fanarioten rausgeschmissen und mit ihnen auch wir, die übrigen Auslandsgriechen.41 Zaimis sollte Recht behalten. Nach dem Abzug der Bayern folgte tatsächlich die Vertreibung der Auslandsgriechen, nicht aus dem Land, aber aus der staatlichen Maschinerie. Der aufsehenerregende „Zweite Beschluss über die Auslandsgriechen“ sah die Entfernung sämtlicher Auslandsgriechen aus der öffentlichen Verwaltung vor, die sich nicht am Freiheitskampf von 1821 beteiligt hatten. Die ersten, die als angebliche Kumpane der Bayern geschmäht wurden, waren die Fanarioten, die als gefährlichste Elite die Autochthonen bevormundeten und die öffentlichen Posten innehatten. „Bayern und Fanarioten, des Vaterlands Verräter“, lautete ein beliebter Zweizeiler.42 Da die Fanarioten für die Autochthonen eine Art „Fremdherrschaft“ repräsentierten, von der sie sich nicht hatten befreien können, war die Kritik an ihnen schärfer als jene an den abgezogenen Bayern: „Die Bayern waren nichts als eine Bürde für Griechenland, unnütze Kostgänger. Die wahre Fremdherrschaft war eine andere, mit der bayerischen Räuberhöhle“ [verbunden], die dieser empfahl „die Guillotine gegen die Freiheitskämpfer“ aufzustellen.43 „Die Fanarioten sind viel schlimmer als die Bayern. Bei den Bayern fand man Elemente von Moral, aber den Fanarioten ist nichts heilig, nichts selig…“ Daher haben [die Griechen] „ihnen gegenüber so viel Abneigung, wie sie niemals gegen die Bayern hatten.“44 Das schrieben die antifanariotischen Zeitungen in den ersten Jahren nach dem Verfassungswandel. Die Bayern wurden sehr bald als Gegner herabgestuft. Sie waren „unersättlich“, aber „arm“ und „arglos“ (I Ethniki, 20.02.1844).

Im Prolog zu seiner Komödie Der Beamte, die 1836 erschien, räumte M. Chourmouzis ein, in seinem früheren Stück Der Glücksritter allzu einseitig gegen die Bayern hergezogen zu sein. Um das auszugleichen, beschloss er, sich auch mit dem anderen Pol der Fremdherrschaft zu beschäftigen, mit „denen, die ständig von Gott weiß woher erscheinen mit einem Empfehlungsschreiben oder einem verrosteten Recht, wonach der Cousin dritten Grades der Cousine ihrer Frau in der Walachei ermordet worden sei, um auch irgendeinen Knochen zu erwischen, den sie vor so vielen zu Unrecht leidenden Griechen abschlecken können“. (Chourmouzis, 1836, 5)

Die Auslandsgriechen ihrerseits akzeptierten nicht, dass das Stigma der Kollaboration mit der Fremdherrschaft ausschließlich sie belastete. Die den Auslandsgriechen zugeneigte Zeitung Elpis (02.02.1844) erinnerte die sich ihres Widerstands gegen die Bayern rühmenden Autochthonen daran, dass sie selbst von den Bayern angestellt worden waren, um Aufstände anderer Landsleute zu unterdrücken. Sie griff auch auf den Prozess gegen Kolokotronis zurück, um die finstere Rolle der Autochthonen aufzuzeigen, die der „Vavarokratia“ bei der Verfolgung des ruhmreichen Generals beigestanden hatten.

Nach dem Sieg der Autochthonen, der mit dem „Zweiten Beschluss über die Auslandsgriechen“ triumphal bekräftigt wurde, waren es schließlich die Auslandsgriechen, die Grund hatten, die Autochthonen mit den Bayern zu gleichzustellen. Sie warfen ihnen nämlich vor, öffentliche Ämter ausschließlich mit der Qualifikation des Freiheitskämpfers oder des Eingeborenen zu bekleiden in derselben Logik, nach der vor ihnen die Bayern Ämter mit der einzigen Qualifikation besetzt hatten, Bayern zu sein. Festungen belagert zu haben, bedeute nicht, dass man aus eigenem Recht Richter, Städtebauer oder Taxierer von Handelswaren werden müsse, vertrat die Elpis (29.01.1844) und bemerkte ferner (23.04.1844), dass auch viele autochthone Nichtkämpfer, „Jünglinge, die zur Zeit des Kampfes noch säugten“, die Hauptstadt nach dem 3. September überfluteten und verlangten, sich ihr Privileg als Eingeborene versilbern zu lassen.

Diese Kritik schien die heroische Bedeutung der Verfassungsrevolution als einen Akt des nationalen Widerstands gegen eine Fremdherrschaft zu mindern und sie als Plan zur Eroberung öffentlicher Stellen darzustellen. Es war jedoch nicht die Absicht der Auslandsgriechen, den Bayern Argumente zu liefern indem sie die Bedeutung des 3. Septembers herabsetzten. Die Elpis (19.12.1843) selbst benutzte in der Auseinandersetzung zwischen Autochthonen und Auslandsgriechen zwei parallele Diskurse, einen an die Vertreter der Autochthonen und einen an die abziehenden Bayern und den bayerischen Hof. In diesem zweiten Rahmen werden die Griechen als Brüder dargestellt, die das Schlimmste erduldet hätten von Seiten „Bayerns mit seinem Griechenhass“, das wie eine böse Stiefmutter ihre Beziehung zu ihrem väterlichen König vergiftet habe. Bis der 3. September kam, als sich der „treusorgende Vater nach langjähriger und schmerzreicher Trennung in die Arme seiner verwaisten Kinder wirft.“ In diesem Narrativ fehlen die eigennützigen Autochthonen, die auf den Abzug der Bayern warten, um ihre Brüder aus dem Ausland zu vertreiben und die Ministerien zu übernehmen. Jenseits des Rahmens der Auseinandersetzung zwischen Autochthonen und Auslandsgriechen hat der 3. September lediglich die nationale Größe bestätigt:

[…] Wir haben unsere Feinde zu Boden geschmettert, und ich nenne unsere Feinde nur jene Angehörige anderer Nationen, die einen Staat im Staat bilden wollten. […] Unsere Feinde kehren in ihre Heimat zurück. […] Lassen wir sie vor ihre Nation treten, vor ihren König, um ihm zu sagen wir wurden ausgeschickt, um die ruhmreiche griechische Nation zu regieren. Wir haben den Kredit vergeudet, […] wir haben ihre Armee aufgelöst […] wir haben die ruhmreichen Männer ihres heiligen Kampfes verunglimpft […] wir haben uns bemüht, sie zu demütigen […]. Unsere Nation hat sie ungehindert ziehen lassen […], wir bewundern ihre Tugend. (Elpis, Beilage 09.09.1843)

Epilog – Schlussfolgerungen

Ziel dieses Essays war es aufzuzeigen, wie der Diskurs über die Freiheitskämpfer die Anschauungen über die „Vavarokratia“ geformt hat, die die öffentliche Geschichtesschreibung beherrschten. Die grundsätzlichen Fragen sind: durch welche ideologischen Prozesse hat sich das Narrativ von „Besatzung – Widerstand“ in der Gesellschaft zu König Ottos Zeiten selbst gebildet, wie weit reichte dessen Akzeptanz und welche Aspekte der Realität mussten verschwiegen werden, damit es sich durchsetzte? Beginnen wir mit der letztgenannten Bedingung, nämlich mit den grundsätzlichen Aspekten, die jene verkennen, die den Gegensatzpaaren „Besatzung-Widerstand“, „Bayern-Freiheitskämpfer“ anhängen. Zunächst ist da die innerlich zerrissene Gesellschaft zur Zeit König Ottos und die Weite des Begriffs „Fremdherrschaft“, der auch die Auslandsgriechen umfasste. Das zweite sind die antagonistischen Beziehungen, die die Freiheitskämpfer daran hinderten, eine gemeinsame antibayerische Front aufzustellen. Das dritte ist das Überleben traditioneller Mentalitäten und Praktiken unter den Freiheitskämpfern, die nicht selbstverständlich als Äußerungen „nationalen Widerstands“ interpretiert werden müssen.
Fassen wir jetzt die grundsätzlichen Ergebnisse in Bezug auf die Prozesse zusammen, die zur Festigung dieser bipolaren Schemata geführt haben; auf welche Weise stimmten die Freiheitskämpfer in Bezug auf den scheinbar gemeinsamen Feind, die „Vavarokratia“, überein, aber auch auf welche Weise erkannte die öffentliche Meinung, einschließlich der Intellektuellen, die Freiheitskämpfer als das genuine Sprachrohr des nationalen Widerstands an? Hinsichtlich der Gründe für die scheinbare Eintracht der Freiheitskämpfer gegenüber der „Vavarokratia“ haben wir festgestellt, dass die Freiheitskämpfer den Staat als „Kriegsbeute“ betrachteten und als Belohnung für ihre Dienste während des Freiheitskampfes öffentliche Ämter erwarteten. Daher wurden die von den Bayern geschätzten formalen Qualifikationen, die Europäisierung und das Bildungsbürgertum von den reaktionären Freiheitskämpfern, die der Rückbesinnung auf die Tradition lautstark das Wort redeten, zu Unwerten erklärt. Was die Ausrichtung der nationalen Intelligenz auf diese Rhetorik angeht, sind wir der Ansicht, dass jeder Prozess der Nationalstaatsbildung von Arroganz und einem Gefühl der Überlegenheit gekennzeichnet ist, und der Konflikt der Freiheitskämpfer mit den Bayern hat genau diese Rolle erfüllt, insbesondere weil sich nach Gründung des unabhängigen griechischen Staates das Griechentum leichter als Gegensatz zu den Sitten, die aus dem Westen kamen, definieren ließ. Der Idealtyp des „vaterlandsschützenden Freiheitskämpfers“ blieb für die Intellektuellen auf vielfältige Weise nützlich, sowohl wenn sie die Nation gegen ihre Kritiker in Schutz nahmen als auch wenn sie die Vision von der Ausweitung der nationalen Grenzen entwickelten. Das antibayerische Narrativ ging mit dem romantischen Nationalismus der Griechen einher, das heißt mit jener Logik, die sich in dem Satz konzentriert: „weil du Ausländer bist, kannst du nicht gerecht sein“. Die Dominanz dieser Logik hat jede Widerrede ausgelöscht, jedes bis dahin zur Verteidigung der Bayern vorgebrachte Argument. Gleichzeitig fand der Einsatz öffentlicher Ämter als Belohnung für Dienste breiten Widerhall in einem Land, wo im weiteren Sinne alle als Freiheitskämpfer angesehen wurden.

Zusammenfassung

Der vorherrschende Diskurs über die Freiheitskämpfer von 1821 hat die Darstellungen der Bayern in der öffentlichen Geschichte Griechenlands entscheidend beeinflusst. Dieser Diskurs hat sich in großen Teilen bereits während Ottos Regierungszeit herausgebildet. Die anfangs zu Gunsten der bayerischen Regierung vorgebrachten Argumente stützten sich auf die Forderung nach Modernisierung und die Ablehnung der überkommenen Praktiken der osmanischen Vergangenheit. Die traditionellen Waffenträger verkörperten diese Vergangenheit, gleichzeitig jedoch verkörperten sie auch den Freiheitskampf von 1821, den Gründungsakt des griechischen Staates. Daher verletzten die Auflösung der irregulären Streitkräfte des Freiheitskampfes und die allgemeine Militärpolitik der Bayern in gewissem Sinne das Griechentum selbst, das diese „Schützer der Nation“ repräsentierten, vor allem in einer Gesellschaft, die von der „Megali Idea“ durchdrungen war. Gleichzeitig verursachte der Ausschluss der Freiheitskämpfer von den öffentlichen Ämtern ein Gefühl des „nicht entgoltenen“ Kampfes, das ursächlich war für viele Aufstände. Parallel zu den Modernisierungsverfechtern, die anfangs die Militärreformen unterstützten, trugen die Streitigkeiten zwischen den Freiheitskämpfern ihrerseits dazu bei, dass sich nicht von Anfang an eine gemeinsame Front gegen die Bayern bildeten. Jeder Freiheitskämpfer oder jede Faktion versuchte, sich mit der Staatsgewalt zu verbünden, und auf diese Bemühungen folgten Aufstände und erneute Verhandlungen über die Bedingungen der Unterwerfung. Sehr bald jedoch, und ohne dass die Drängeleien untereinander jemals aufhörten, scharten sich die Freiheitskämpfer und die Autochthonen, die sich diesen Titel aneigneten, gegenüber dem zusammen, was als Fremdherrschaft aufgefasst wurde: ein Zustand, der sie hinderte, die öffentlichen Stellen einzunehmen, die sie als für ihre Dienste geschuldete Belohnung ansahen. Der Bayer bildete die Kategorie des unerwünschten Fremden, nicht notwendigerweise die verabscheuungswürdigste. Das „Ressentiment gegen die Bayern“ war einer der ausländerfeindlichen Diskurse, der mit dem Autochthonenkult und der Bewegung gegen die Fanarioten koexistierte. Als Gegenentwurf aller drei Fälle erschien der Freiheitskämpfer, der seine Wut rechtfertigte, indem er sich auf die Empörung des griechischen Volkes gegenüber einer fremden Tyrannei und deren zugereisten griechischen Helfern berief. Im Gegensatz jedoch zum Autochthonenkult und der Bewegung gegen die Fanarioten passte das Ressentiment gegen die Bayern in den nationalen Diskurs. Nach den Osmanen waren die Bayern der nächste semantische „Andere“, der es der Nation erlaubte, ihre Identität negativ zu definieren. Im Konflikt mit den Bayern haben die Freiheitskämpfer ihre nationale Überlegenheit bekräftigt. Obwohl also die Revolution vom 3. September geschah, damit „die Bayern und anschließend wir die Auslandsgriechen“ vertrieben wurden, hat sich letztlich die Version des ruhmreichen nationalen Widerstands gegen die „Vavarokratia“ durchgesetzt.

Übersetzung aus dem Griechischen: Ulf-Dieter Klemm

Einzelnachweise

  1. Tsakanika, 2011, 54-55.
  2. Katsoulis, 1975, 141-143.
  3. Theotokas/Kotaridis, 2006, 182-183.
  4. Theotokas, 2012, 284.
  5. Athina, 30.5.1834.
  6. Zur traditionellen Revolution siehe: Kotaridis, 1993, 133.
  7. Elpis, 19.12.1843.
  8. Ethniki, 13.03.1844.
  9. Delveroudi, 1977, 96.
  10. Tsakanika, 2019, 99-116.
  11. Fotiadis, 1987, 117.
  12. Dragoumis, 1925, 239 und Neeser, 2003,12.
  13. Tsakanika, 2019, 85-92
  14. Theotokas/Kotaridis, 2006, 29.
  15. Lekkas, 2012, 18.
  16. Ebd.
  17. Kotaridis, 1993, 239.
  18. [Anm. d. Ü.: Jennaios = Mutig. Ephialtes = Name des Verräters, der die Spartiaten bei den Thermopylen an die Perser verraten hat] Panagiotis Synodinos, Schatten und Funken (in griechischer Sprache). Abgedruckt in: Theodoros Kolokotronis-Falez, Politische Texte (in griechischer Sprache), (bearbeitet von Vassilis Kon. Lazaris), Athen, Sychroni Epochi, 2005, 239.
  19. Kambanellis, 2010, 86-95.
  20. Romaios, 2012, 22-23.
  21. Ethniki, 06.02.1844.
  22. Anexartitos, 29.01.1844.
  23. Aion, 20.09.1839.
  24. Proinos Kyrix, 19.10.1843.
  25. Alexandros Soutsos, Die Ankündigung (in griechischer Sprache), 1858. Zitiert bei Delveroudi, 1977, 80.
  26. Chourmouzis, 1978, (1835), 96.
  27. Ebd., 86-87.
  28. Ebd., 24.
  29. Lekkas, 1996, 150-151.
  30. Alexandros Soutsos, Der widerspenstige Dichter (in griechischer Sprache), Die Verse werden zitiert bei Delveroudi, 1977, 64.
  31. Alexandros Soutsos, Die Wende vom 3. September (in griechischer Sprache), 2. Aufl., S. 64. Zitiert bei Fotiadis, 1988, 508.
  32. Busse (Hrsg.), 2011, Bd. 1, 78.
  33. Tsakanika, 2019, 272-283.
  34. Alexandros Soutsos, Der widerspenstige Dichter. Die Verse sind wiedergegeben bei Delveroudi, 1977, 64.
  35. O Filos tou Laou, 16.06.1846.
  36. Berlin, 2015 (1990), 341, 353.
  37. Der Prozess der Richter (in griechischer Sprache), 1974, Finos Film, Regie: P. Glykofrydis. Für den Ausschnitt der Verteidigungsrede des Polyzoidis, siehe https://www.youtube.com/watch?v=QaXXOgN9Bf0.
  38. Apollon, 01.07.1831, 05.08.1831, 15.08.1831, 19.08.1831.
  39. Zitiert in: Geschichte der Griechen (in griechischer Sprache), Bd. I: Neueres Griechentum, 1833-1881, Athen, Domi, o.D., 27.
  40. I Ethniki, 09.02.1844.
  41. Petropoulos, 1977, 611.
  42. Angelos, 21.11.1843.
  43. I Ethniki, 06.02.1844.
  44. O Argos, 20.10.1844, I Ethniki, 16.02.1844, Thriamvos tou Syntagmatos, 13.05.1845.

Verwendete Literatur

Ο ελληνικός λαός. Δημόσιο, ιδιωτικό και εκκλησιαστικό δίκαιο από την έναρξη του αγώνα για την ανεξαρτησία ως την 31 Ιουλίου 1834
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Απομνημονεύματα. Τα πρώτα έτη της ιδρύσεως του ελληνικού βασιλείου
Χριστόφορος Νέεζερ (Autor*in)
2003
Απομνημονεύματα
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Απομνημονεύματα
Ιωάννης Μακρυγιάννης (Autor*in)
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Παντελής Λέκκας (Autor*in)
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Αφαίρεση και εμπειρία. Μια φορμαλιστική θεώρηση του ιδεολογικού φαινομένου
Παντελής Λέκκας (Autor*in)
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Κολοκοτρώνης-Η δίκη του Κολοκοτρώνη και του Πλαπούτα
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Ο δημόσιος διάλογος κατά την οθωνική περίοδο: ο λόγος των Αγωνιστών και ο λόγος περί Αγωνιστών στον ελληνικό Τύπο
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Ο υπάλληλος. Κωμωδία Γ, συντεθείσα εις πέντε πράξεις
Μιχαήλ Χουρμούζης (Autor*in)
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Παραδοσιακή επανάσταση και Εικοσιένα
Νίκος Κοταρίδης (Autor*in)
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Χωρίς τίτλο
Άγνωστη/ος (Autor*in)
09.09.1843 (Παράρτημα), 19.12.1843, 29.01.1844, 02.02.1844, 23.04.1844
Χωρίς τίτλο
Άγνωστη/ος (Autor*in)
06.09.1839, 20.09.1839
Χωρίς τίτλο
Άγνωστη/ος (Autor*in)
13.05.1845
Χωρίς τίτλο
Άγνωστη/ος (Autor*in)
06.02.1844, 09.02.1844, 16.02.1844, 20.02.1844, 13.03.1844
Χωρίς τίτλο
Άγνωστη/ος (Autor*in)
29.01.1844
Χωρίς τίτλο
Άγνωστη/ος (Autor*in)
16.06.1846
Χωρίς τίτλο
Άγνωστη/ος (Autor*in)
21.11.1843
Χωρίς τίτλο
Άγνωστη/ος (Autor*in)
30.05.1834
Χωρίς τίτλο
Άγνωστη/ος (Autor*in)
13.08.1833
Χωρίς τίτλο
Άγνωστη/ος (Autor*in)
01.07.1831, 05.08.1831, 15.08.1831, 19.08.1831
Χωρίς τίτλο
Άγνωστη/ος (Autor*in)
09.12.1834
Χωρίς τίτλο
Άγνωστη/ος (Autor*in)
20.10.1844
Ανέκδοτες επιστολές της βασίλισσας Αμαλίας στον πατέρα της, 1836-1853
Βασίλισσα Αμαλία (Autor*in), Βάνα Μπούσε (Herausgeber*in, Übersetzer*in), Μίχαελ Μπούσε (Herausgeber*in, Übersetzer*in)
2011
Από τον ανήλικο Όθωνα στην καγκελάριο Μέρκελ. 180 χρόνια παρουσίας των Γερμανών στην Ελλάδα
Γιώργος Ρωμαίος (Autor*in)
2012

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Zitierweise

Elissavet Tsakanika, »Bayern und „Zugereiste“: Rekrutierungen durch die „Fremdherrschaft“ und die Veteranen des Freiheitskampfes von 1821 zur Regierungszeit von König Otto in Griechenland (1833 – 1862)«, in: Alexandros-Andreas Kyrtsis und Miltos Pechlivanos (Hg.), Compendium der deutsch-griechischen Verflechtungen, 16.12.2020, URI: https://comdeg.eu/compendium/essay/101002/.

Metadaten

Essaytyp Metanarrativ
Lizenz CC BY-NC-ND 4.0
Sprache Deutsch, übersetzt aus dem Griechischen von Ulf-Dieter Klemm

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