Die Briefe der Königin Amalie von Griechenland an ihren Vater in Oldenburg: monarchisches Ideal und griechische Realität

Von Elissavet Tsakanika | Zuletzt bearbeitet 09.05.2022

Königin Amalie kam 1836 im Alter von 18 Jahren nach Griechenland. Von da an korrespondierte sie regelmäßig mit ihrem Vater, August I. Großherzog von Oldenburg, bis zu dessen Tod 1853. Aus der großen Anzahl dieser Briefe zu verschiedenen Themen, in denen sie oft Persönliches mit Politischem verflocht, haben wir in diesem Essay selektiv Material zusammengestellt, das Antworten auf folgende Fragen gibt: Wie hat die Königin ihre monarchische Rolle wahrgenommen in einer Zeit, die von revolutionären Ideen und Bewegungen erschüttert wurde, und in einem Land, das absolut kein Verständnis für die Legitimation feudaler Traditionen Westeuropas hatte? Was waren ihre Vorstellungen? Wie wollte sie das europäische royale Protokoll mit dem griechischen vereinen, das der sozialen Realität des Landes angepasst war? Wie nahm sie nach der Revolution des 3. September 1843 die Pflichten als konstitutionelle Monarchin und ihr Verhältnis zu staatlichen Akteuren und liberalen Institutionen wie Parteien und Presse wahr? Wie haben, parallel dazu, ihre Untertanen die Monarchie in einer Gesellschaft wahrgenommen, in der Gottesgnadentum mit modernen Vorstellungen von Nation und politischen Rechten koexistierte? Und schließlich, wie hat die aufgeklärte Monarchie, die ihr Gatte, König Otto von Griechenland, verkörperte, die selbstreferentiellen Darstellungen der Nation gerechtfertigt, die zwischen der antiken griechischen Demokratie, die den Westen inspirierte, und der byzantinischen imperialen Größe, die die griechische „Große Idee“ befeuerte, schwebten?

Inhalt

Gottesgnadentum und patriarchalische Wahrnehmung der Monarchie

Im Weltbild von Amalie ruhte die Weltordnung auf den Schultern der Gekrönten. Die monarchische Rolle war für sie eine von Gott zugewiesene Mission, aus der sich unvermeidliche Verantwortlichkeiten ergaben: Die Vorsehung übernimmt die Bestrafung der Gottlosen/Bösen, solange der Monarch tugendhaft ist. Die Königin war davon überzeugt, dass eine göttliche Hand den türkischen Botschafter von seinem Pferd geworfen und all ihren Feinden Unglück gebracht hatte: Revolutionären, geldhörigen Zeitungsschreibern, selbst dem arroganten Britannien, für das es nur eine Frage der Zeit sei, bis es von der Liste der Nationen getilgt werde.1 Trotz ihrer christlichen Demut war sie zutiefst durchdrungen vom Glauben an die moralische Überlegenheit des Monarchen in der irdischen Schöpfung. Könige seien Gottes Vertreter auf Erden. Mit diesem Argument konnten die Mönche des Klosters Heiliger Seraphim überredet werden, Amalie den Zutritt zu ihrem Kloster zu erlauben, in das bis dahin keine gewöhnliche Sterbliche je den Fuß gesetzt hatte (Α, 794-795). Die Isopolitie [gleiche Bürgerrechte für alle] beunruhigte sie, selbst wenn sie sich auf den Gottesstaat bezog. Als der königliche Hofgeistliche sein Gebet mit dem Satz begann: „Vergib dem König, deinem Diener, unserem geliebten Herrscher, seine Schuld, wie auch er vergibt seinen Schuldigern“, schrieb Amalie ihrem Vater beunruhigt: „Dafür haben wir ja das Vaterunser, aber mit dem Könige anzufangen ein Gebet, als habe er Mord u. Todschlag begangen scheint mir sonderbar.“(A, 375). Das Königspaar und das griechische Volk teilten eine historisch verwurzelte Darstellung des Schutzherrschers (Rotzokos, 1995, 85-86), der seine Untertanen vor den selbstsüchtigen Eliten, aber auch vor der eigenen Unreife schützte. Amalie verglich sich und Otto mit einem Vogelpaar: „Wir sind wie die Vögel, wenn einer ausfliegt hütet der andere das Nest.“ (B, 651). Ihre Untertanen waren Kinder, die ihr umso mehr am Herzen lagen, als sie so ungezogen waren. Sogar ihre Minister seien wie „Kinder, aber wirkl. gute, leitsame.“ (Β, 679. Vgl. auch: Α, 411 und 453).

Wahlen und Politik waren gefährliche Spiele, die ein weiser Vater seinen Kindern von Anfang an nicht erlauben sollte. Nachdem man Otto gezwungen hatte, eine Verfassung einzuführen, musste er mehrmals beritten zu Hilfe eilen, um Blutvergießen zwischen hitzigen Anhängern beider Anschauungen zu verhindern. Wenn die aufgeheizte Menge darauf bestand, ihn jubelnd zum Palast zu begleiten, erklärte er den Leuten geduldig, dass der Zweck der Übung darin bestehe, dass sie nach Haus zurückkehren und nicht, dass sie alle zusammen zu seinen gingen. Amalie beschreibt eine solche Situation, bei der der König, um den lautstarken Huldigungen zu entgehen, behauptete, er wolle mit seinem Pferd ausreiten, und sich dann gezwungen sah, sinnlose Kreise durch die Stadt zu ziehen (A, 623-625). Monarchisten nehmen politische Macht als Abbild des Patriarchats wahr. Sie betrachten die Monarchie als Familie und die Familie als Monarchie. Beide fördern den Respekt gegenüber der Hierarchie und dem Pflichtgefühl – beides wesentliche Bestandteile der sozialen Ordnung (McMahon, 2002, 133-138). Die monarchische Rolle war, ebenso wie die der Eltern, eine heilige und unausweichliche Pflicht. Deshalb missbilligte Amalie die Entscheidung ihres Schwiegervaters Ludwig I. von Bayern abzudanken:

Aüßerdem finde ich hat er auch dem monarchische Prinzip auf΄s Neue einen schlechten Dienst gethan, denn in dieser Zeit weniger als je soll man der Welt zeigen, daß man den Kgsmantel ablegt wie einen Beamtenrock u. die Krone wie einen Hut. Fest muß der Gedanke gehalten werden, daß die Würde untheilbar von der Person ist. (Β, 402)2

Selbst Max Weber hätte keine bessere Definition der traditionellen Macht abgeben können, bei der das Amt die Person ist, die es ausübt, und dessen Legitimität auf dem „ewigen Gestern basiert, geheiligt durch eine in den Tiefen der Zeit verlorene Gültigkeit.“ (Weber, 2004, 14). Der Monarch ist sein Land, weshalb Otto wirklich überrascht war, als ein Minister während einer der üblichen diplomatischen Krisen versuchte, dieses Land und den Monarchen voneinander zu trennen. „Es geht nicht um Sie, Majestät“, sagte der Minister, „sondern um Griechenland.“ Und der König fragte erstaunt. „Also sind Griechenland und ich zweierlei?“ (Tsakopoulos, 152)

Die Bedeutung des Protokolls und die institutionalisierende Rolle der Monarchie

Die Unterordnung unter das Protokoll ohne Rücksicht auf persönliche Gefühle ist für sie auch Teil des Opfers, das jeder Gekrönte der Menschheit schuldet. Die Einhaltung des Protokolls bestätigt in den Augen des Volkes die Autorität des „ewigen Gestern“, und die Gesellschaft bestätigt die ewigen Regeln, die sie zusammenhalten. Wenn der Monarch gegen das langweilige Protokoll verstieße, um seiner Fantasie oder seiner Bequemlichkeit Raum zu geben, untergrabe er die Grundlagen seiner Macht und verwickle die gesamte Gesellschaft in ein Abenteuer. Wie der Theoretiker der Monarchie, Joseph de Maistre, feststellte, wäre das Volk umso sorgloser, je langweiliger das Leben bei Hofe sei (Maistre, 1999, 28). Das Protokoll hielte das Prestige der monarchischen Institution aufrecht und betone die Distanz, die den Monarchen von den gewöhnlichen Sterblichen trenne. Als Amalie ihren Schwager Arm in Arm mit seinen Freunden spazieren gehen sah, fand sie deshalb diesen Anblick unangemessen.

Wer ist eigentl. daran Schuld, daß der Nimbus zerstört ist, der früher die Fürsten umgab, sie selbst, denn sie wollten alle Annehmlichkeiten des Privatmannes auch genießen, sich nicht geniren. Sie verstanden nicht groß zu seyn, Vorbilder der Völker, sie wollten sich amüsiren, als sey man überhaupt in der Welt da um sich zu amüsiren. (B, 182)

Sie trauerte strikt um Mitglieder ihr unbekannter ausländischer Königshäuser, egal wie sehr das auch ihre Pläne durchkreuzte, Fasching zu feiern, oder sie zwang, auf luftige Sommerkleidung zu verzichten (Β, 372, 441). Die Konventionen wogen noch mehr als die Beziehung zu ihrem Bruder: Amalie nahm nicht an seiner Hochzeit in Oldenburg teil, um ihre junge Schwägerin nicht zu nötigen, bereits bei der ersten Begegnung ihr, der Königin, einem gekrönten Haupt, die ihr zustehende Ehre erweisen zu müssen. Es wäre der Königin von Griechenland unwürdig, die Braut vom Mittelpunkt des Interesses zu verdrängen. Andererseits stand die Option, auf die Ehrerweisungen zu verzichten, nicht zur Disposition (B, 735-737).
Durch die andächtige Einhaltung des Protokolls bei offiziellen Anlässen betonte die Krone ihre vereinigende Rolle und institutionalisierte die unterschiedlichen Bereiche des sozialen und politischen Lebens. Amalie kannte diese vereinigende und tugendbildende Funktion des Hofes sehr gut, um den sich, mittels all der unterschiedlichen Personen, aus denen er bestand, eine ganz neue Gesellschaft bildete (Tsokopoulos, 1905, 51). Ein königlicher Ball war eine getreue Darstellung der politischen und sozialen Realität des griechischen Königreichs: Diplomaten, Konsuln, Marineoffiziere der in Piräus ankernden Schiffsflotten der ausländischen Schutzkräfte, Offiziere passierender Handelsschiffe, Abgeordnete, Senatoren, höhere Staatsbeamte, aber auch Privatpersonen: Reisende, die sich zufällig in Athen befanden, Mitglieder wohlhabender Familien der Hauptstadt und ehemalige hochrangige Würdenträger. Nach dem 3. September 1843 und der Umsetzung der 2. Resolution zu Nichteinheimischen3 hob die Einladung von nichteinheimischen Freiheitskämpfern im Ruhestand die Ungerechtigkeit symbolisch wieder auf, die sie „aufgrund des kleinmütigen Dekrets“ erlitten hatten (A, 698-699). All diese Gäste wurden von Ehefrauen und Töchtern begleitet. Die Gesamtzahl belief sich auf 600-700 Personen. Abgesehen von den Bällen waren auch andere offizielle Anlässe wie die „Landungstage“, also die Jahrestage des ersten Betretens griechischen Bodens durch Otto und Amalie von Bord eines Schiffes, und die Feierlichkeiten zum 25. März, dem Nationalfeiertag, ein Tableau Vivant, das gleichzeitig die einigende Rolle der griechischen Monarchie, ihre Akzeptanz durch die europäischen Garanten und die Position jedes staatlichen Akteurs innerhalb des Königreichs widerspiegelte.

Nach der Verfassungsrevolution vom 3. September 1843 wurde das höfische Protokoll modifiziert, um der aufgewerteten Rolle des einheimischen politischen Personals Rechnung zu tragen, nachdem die bayerischen Beamten und Soldaten den Staatsdienst verlassen hatten. Gleichzeitig spiegelte es das fragile Kräfteverhältnis zwischen den staatlichen Institutionen wider: dem Senat, dem Parlament, der Regierung, dem Hofrat. Um die neu gebildeten Gesetzgebungsorgane zu ehren, musste die Königin nun mit deren Präsidenten tanzen, bevor sie mit dem Präsidenten der königlichen Regierung tanzen durfte. Zunächst waren die Lokalpolitiker mit ihrer Aufwertung zufrieden. Bald jedoch kam es zu neuer Unzufriedenheit über die Reihenfolge der Tanzenden, da der Vortritt des Senatspräsidenten ein vom König ernanntes Gremium bevorteilte – zu Ungunsten des vom Volk gewählten Parlaments. Der ungeschickte Protest des reizbaren Parlamentspräsidenten hatte komödiantische Züge. Auch bei den ausländischen Botschaftern wurden die Ellbogen ausgefahren und es gab Beschwerden über die Prioritätsordnung bei der Polonaise. Fälle von Nichteinhaltung des Protokolls verschärften die bereits angespannten Beziehungen zwischen den diplomatischen Vertretungen (A, 708, 722, 725). Das Hinterfragen des Hofprotokolls kam der Infragestellung der institutionalisierenden Rolle des Königs gleich. Dies tat der englische Botschafter, indem er unter verschiedenen Vorwänden nicht an den Jubiläumsveranstaltungen teilnahm oder nicht die richtigen Ehrbezeugungen erwies oder indem er bei den Palasttänzen provokativ den Ritterorden „Bathorden anstatt unsern“, des griechischen Hofordens trug (A, 873). Verbittert schreibt Amalie, „die Engländer haben an meinem Landungstage unter den Vorwande daß sie ihre Kanonen malen“ (B, 382) keine Salutschüsse abgegeben. Selbst bei den kirchlichen Zeremonien des Palastes war das Protokoll von großer Bedeutung, da es die Beziehungen zwischen dem Hof, den griechisch-orthodoxen Gläubigen, den Gläubigen anderer Konfessionen und den jeweiligen Kirchen, aber auch den Königshöfen, von denen der König und die Königin stammten, regelte. Amalie beschreibt Konfrontationen zwischen dem katholischen und dem protestantischen Geistlichen, die sich den Altar der königlichen Kapelle teilten, aber auch die Uneinigkeit zwischen dem Geistlichen von Amalie und dem anglikanischen Priester der Stadt, wer von den beiden nun den gemeinsamen Friedhof einweihen solle.

Schreibe mir doch mein engels Papa wie es bey uns in der Kirchen gehalten wird wo Protestanten u. Katholiken gemeinschaftlich Gottesdienst halten. Sind ein od. 2 Altäre, d. h. für jede Confeßion einer in solchen Kirchen, ich glaube immer Katholiken u. Protestanten haben einen gemeinschaftl. Altar. – Man macht auf einmal Anstände, nach dem man es Jahre lang gewußt, daß dem so seyn wird. Schlau sind die Geistlichen u. harren ruhig den Standpunkt ab, wo sie doppelt verletzen u. es auffallend machen können. Hier ist es doppelt böse wenn dergl. Differenzen hervorgerufen werden. (Α, 422)

Personenkult und Stärkung des Staatsform

Laut de Maistre ist die Monarchie die einzige Staatsform, bei der der Personenkult die Staatsform stärkt. In einer Demokratie ist die Liebe der abstrakten Entität „Volk“ aufgeteilt und geschwächt. Das Volk ist nicht im Bilde, woher seine Macht rührt; um sie wahrzunehmen, arbeitet das Volk selbst daran, sie auf bestimmte Individuen zu konzentrieren, so dass die Macht eine wundersame Intensität erlangt (Maistre, 1999, 87-89). Amalie war der Ansicht, dass das Leben des griechischen Volkes unter jahrhundertelanger asiatischer Herrschaft dieses empfänglich gemacht habe für die Manifestationen monarchischer Größe (B, 182). Wann immer das Königspaar das Bedürfnis verspürte, die Beziehung zum eigenen Volk zu stärken, bereiste es das Land; die Tour fungierte gleichzeitig als Stimmungsbarometer und Garant seiner Popularität. Die Landbevölkerung begrüßte das Königspaar begeistert, bedachte es mit Blumen und Duftwasser, breitete auf ihrem Weg Bettwäsche aus und bildete Menschenaufläufe, die mit Musik, Kerzen- und Bootslichtern für Stimmung sorgten. Im Gegensatz zu den traditionellen Monarchien, in denen diese Rituale zeitlose Würde hatten, die dem griechisch-orthodoxen Kirchenjahr entsprach, waren die Veranstaltungen in Griechenland etwas Neues und Spontanes, „eine Tradition, die sich zwar im Werden befand, aber dennoch etwas vom mythischen Echo byzantinischer Erhabenheit innehatte.“ (Stamatopoulos 2015, 309). Manchmal sprengten diese Veranstaltungen bestimmte Grenzen:

nämlich eine Frau, oder vielmals eine Menge küßten mir die Hand u. zogen mich dabey fast vom Pferde, ich bückte mich etwas in dem Augenblick gießt sie mir eine ganze Flasche ins Gesicht u. zwar ins Auge, ich hatte laut auf-schreyn mögen vor Schmerz, mit der einen Hand hielt ich mir die Augen zu die andere ließ ich den Frauen. (A, 116)

Amalies Biograf Tsokopoulos berichtet, dass die Landbevölkerung dem Königspaar mit leidenschaftlicher Beharrlichkeit Eier und Hühner anbot (Tsakopoulos, 1905, 37). Trotz ihres übermäßigen Eifers waren die Griechen von einem eher egalitären Geist durchdrungen. Die aus den dezentralen Gemeinschaften der osmanischen Zeit und dem jüngsten Unabhängigkeitskrieg hervorgegangen militärischen und politischen Eliten waren in Bezug auf soziale Ordnung und Prestige nicht stark genormt.4 Würdenträger ignorierten die Etikette und führten sich wie Könige auf, oft begleitet von grober Unhöflichkeit. Laut Edmond About klopfte die Frau eines Bürgermeisters der Königin auf den Bauch und fragte, ob sie dort einen Nachfolger bei sich trage (About, 1927, 140). Die Verwendung der Duzform, die Kommentare zu persönlichen Angelegenheiten, die Ansprachen, die eher einer Gemüsehändlerin denn einem gekrönten Haupt würdig waren, entsetzten die Königin und amüsierten sie gelegentlich auch.

Der eifrige Gensdarme fragte mich, Frau Kgn. sahen sie je so schöne Citronen Wälder u. dann wieder, Frau Kgn wir sind sehr wenig Gensdarmen hier nur zwey. Ich wäre vor innerm Lachen fast vom Pferde gefallen. (B, 248)

Während dieser Touren lebte das Königspaar in Zelten oder wurde in Klöstern und Privathäusern der Ortsherren beherbergt, die oft feucht und voller Insekten waren. Wurden diese Gastgeber später in den Königspalast eingeladen, waren sie überrascht, Otto und Amalie in ihrem „natürlichen Umfeld“ zu sehen.

Ebenso neul. wartete mir der Abt eines Klosters auf, der uns voriges Jahr auf die Spitze des Oetas geführt, … u. nun kam dieser einfache Mann der uns nur im Zelte, u. im Regen, Schnee, zu Pferde, u. an den Feuern uns trocknend gesehn hatte in meinen hell erleuchteten Thronsaal, er ward ganz verlegen sah immer um sich herum u. konnte keine Worte finden. (B, 29)

Für die alten und neuen Eliten des Landes war das Ritual des königlichen Empfangs eine Gelegenheit, den eigenen sozialen Status zu bekräftigen. Kam das Königspaar zu Besuch, führten die Ortsherren die Prozession an, die das Paar begleitete. Amalie beschreibt das so: „Jeder von den Vornehmern hatte nun noch einen Pfeifenträger u. einen der sein oft sehr schön mit Silber ausgelegtes Gewehr trug u. nebenher lief.“ (A, 119). Ihnen folgten die sogenannten Phalangiten, also eine Ehrenformation von Veteranen des Befreiungskampfes von 1821, und Staatsdiener. Normalerweise trugen die Frauen Verse vor, die die Schönheit der Königin priesen, während die Männer Otto umringten, um sich bei ihm über die Willkür der Ortsherren zu beschweren; damit setzen sie die Jahrhunderte alte Tradition fort, wonach die Könige unschuldig und seine Würdenträger korrupt waren (Kotaridis, 1993, 117).

Die griechische Krone als natürliche Fortsetzung der Revolution und Mittelpunkt der neuen Gesellschaft

Die Regierungszeit Ottos war eine Hommage an das klassische Griechenland, wie es vom Sohn eines berühmten Philhellenen nicht anders zu erwarten war.5 Gleichzeitig sollte jedoch keine neue Dynastie den nationalen Nutzen der ehemaligen Freiheitskämpfer ignorieren. Eliten gab es in Griechenland auch in den vorrevolutionären Jahren, aus dem Freiheitskampf waren sie mit verstärktem Ansehen hervorgegangen. Der König hatte angesehene Freiheitskämpfer als seine Adjutanten bestimmt. Er zeigte eine besondere Vorliebe für die nichteinheimischen Freiheitskämpfer, in einem Versuch, den die Fremden ablehnenden Geist zu besänftigen, der in Griechenland während der ersten postrevolutionären Jahrzehnte herrschte (Tsokopoulos, 1905, 70). Dies änderte jedoch nichts an der Tatsache, dass der neue König von Teilnehmern des Freiheitskampfes umgeben war. Die Königin verachtete die kultivierten, kosmopolitischen Phanariotinnen und bevorzugte stattdessen Töchter und Schwestern der Freiheitskämpfer als Ehrendamen (ebd., 55-57). Sie betrachtete diese unerfahrenen Mädchen, die, wie Tsokopoulos bemerkte, ohne Umwege aus ihrem behüteten Elternhaus direkt in den Königspalast kamen (ebd., 46), als Garantinnen der reinen Sitten des Hofes, die sich dann bei den Athenern und schließlich bei der ganzen griechischen Gesellschaft verbreiten würden. Die Königin versuchte bewusst, die Gefahren der Europäisierung mit ihrer extremen Säkularisierung, ihrem Materialismus und ihren schlecht durchdachten unnachgiebigen Ideologien zu vermeiden. Ihre Ehrendamen würden zivilisierte, aber bescheidene „orientalische Europäerinnen“ werden, die in idealer Weise diese Verflechtung deutsch-griechischer Kultur verkörpern würden, die Ottos Regentschaft entsprang. Auf diese Weise betrachtete das neue Königspaar sein Wirken als eine natürliche Fortsetzung der griechischen Revolution; gleichzeitig erlangte es damit eine gewisse Kontrolle über die gefährlichen Familienclans, die immerzu Ansprüche stellten und jederzeit bereit waren, bei Tumulten mitzumischen. Die Mentalität der Freiheitskämpfer, Aufruhr als Druckmittel gegenüber dem jeweiligen Machthaber zu nutzen, wie sie es in der Zeit der Armatolikia (Kotaridis, 1993, 133) [Anm. d. Üb.: ein Armatiloki war zur Zeit der Osmanischen Herrschaft ein Gebiet mit dessen Schutz bzw. Verwaltung die Armatolen betraut waren] gegenüber den Osmanen taten, brachte Amalie auf, für die das Militär vor allem für Ehre und Loyalität gegenüber dem Monarchen stand.

Hier will alles General werden, zur Zeit der Revolution, wenn die Regierung kein Geld hatte, theilte sie Patente aus […] ich wollte die Herrn zu Barren treiben; Otto ist viel zu gut. Die Herrn haben gar keinen Begriff was sie der Würde des Königs schuldig sind. (Α, 326)

Trotz ihrer Klagen waren Amalie die Klasse der Palikaren, Freischärler des Befreiungskampfes, aber auch die örtlichen Würdenträger und die Geistlichen, deutlich lieber als die Phanarioten, die westlich orientierten Intellektuellen und die Kaufleute (A, 610, 705). Verständlich ist somit die Reaktion des Königs, als er gebeten wurde, einen wohlhabenden Kaufmann aus Athen im Palast zu empfangen, der nicht an der Revolution teilgenommen hatte.

– Hat er einen Orden?, fragte Otto.
– Nein, Majestät, antwortete der Hofmarschall.
– Hat er sich während des Befreiungskampfes verdient gemacht? […] Dann wundert es mich, dass er darauf besteht, eingeladen zu werden, sagte der König, und strich ihn von der Liste. (Tsokopoulos, 1905, 76)

Besonders der Machthunger der Phanarioten verursachte bei Amalie dieselbe Abscheu wie die bei jedem griechischen Durchschnittsbürger.6 Deshalb hat ihr deren Ausschluss aus dem öffentlichen Dienst infolge der 2. Resolution nicht missfallen.

Dieses, Gott verzeih es mir, Gesindel loß zu werden ist für den Staat kein großer Verlust. – Ich weiß wohl wie viel sich auch dagegen sagen läßt, sieht man aber den Haß des Volkes gegen sie, u. dabey ihr elendes Treiben so verstummt man, u. ich aufrichtig gesagt bin im Grunde meines Herzens mit den Stockgriechen, spreche mich aber natürl. nicht aus.  (A, 499. Vgl. auch: Α, 373 und 501)

In einer von der Kontroverse zwischen Einheimischen und Nichteinheimischen geprägten Zeit empfand die Königin die Gleichung „Einheimischer gleich Freiheitskämpfer“ nicht als paradox. Obwohl sie erkannte, dass diese Unterscheidung den außerhalb des griechischen Staatsgebiets lebenden Griechen missfiel und auch die Große Idee7 untergrub, akzeptierte sie im Grunde die Teilnahme an der Revolution als Kriterium zur Differenzierung ihrer Untertanen: „Aber auch gerecht muß man gegen die armen Leute seyn, die Vermögen, Verwandte u. Gesundheit im Kampfe verloren u. nicht jedem hergelaufenen Jungen ihn u. ihren Kindern vorziehen.“ (A, 501). Darüber hinaus kamen die Festlandgriechen, die Amalie „Stockgriechen“ nannte, ihrem Ideal des Untertans, näher. Sie waren einfach und rau, unberührt von westlichen Modernismen, tapfer und fromm. Sie wünschte sich eine Kombination aus ihren Traditionen und den feudalen des Westens. Ausdruck dieser romantischen Erwartungen war ihr Entschluss, unter dem Namen „Gräfin von Messolonghi“ ins Ausland zu reisen (Α, 140). Die Integration der Revolution in den Stammbaum des griechischen Königreichs spiegelt sich klar in der Dekoration des Palastes und bei der Kleiderwahl des Königspaares wider. Bei offiziellen Anlässen erschien es in griechischer Tracht und legte das auch Ehrendamen und Adjutanten nahe, selbst wenn diese zuvor europäische Kleidung trugen (Tsokopoulos 1905, 37, 68). Bei Gedenkzeremonien zu Ehren der Revolution von 1821 betrachtete die Königin ihren Mann mit großem Stolz in der Tracht der heldenhaften Palikaren. Amalie schrieb ihrem Vater, dass Otto nach Messolonghi zur Bestattung der Gebeine von Markos Botsaris, dem bedeutenden Freiheitskämpfer, gereist sei. „Er trägt das griechische Costüm u. zwar nur die kurze Jacke die ihm sehr gut steht.“ (Α, 145).

Neben der Darstellung der olympischen Götter, die Ottos Arbeitsraum schmückten, fanden sich dort auch zwölf wichtige Stationen der griechischen Revolution und zwölf Porträts angesehener Freiheitskämpfer – die zwölf Götter der Antike neben denen der Neuzeit (Α, 312). In ihren Briefen erwähnt Amalie oft diese rauen, aber mutigen und traditionsbewussten Bewaffneten als Beispiele orientalischer Exotik – sie bildeten eine natürliche Einheit mit der südländischen Landschaft, die sie so sehr liebte. Geselligkeit mit ihnen ließ bei ihr nie Langeweile aufkommen. Die Beschreibung eines Abendessens unter freiem Himmel zu Ehren des Königspaares in Kalamata gibt uns eine Ahnung davon:

Eine Rakete, […] fiel auf Plaputas u. zündete seine Fustanella [Anm. d. Üb.: traditioneller Männerrock] an. Vor dem Diner hatte man uns mit vielem Schießen empfangen daß mein Perd so wild ward, daß ich noch nicht begreife, daß ich sitzen blieb. (Β, 87)

Diese bewaffneten Männer waren dem mittelalterlichen Heldengeist, den Amalie bewunderte, sehr nah und ihre Anwesenheit wirkte auf sie wie ein Versprechen für die zukünftige Erweiterung der griechischen Grenzen. Ihren Mangel an Bildung und Kultur betrachtete sie als ein geringeres Problem als das Halbwissen und die Respektlosigkeit der westlich orientierten und modernistischen Intellektuellen. Sogar bei den Räubern, die sie unterwegs auf dem Land traf, erkannte sie Gottesfurcht und ritterlichen Charakter (Β, 60). Es betrübte sie, dass diese Helden allmählich entschwanden, auch wenn sie sich einst gegen die Krone verschworen hatten. Bezugnehmend beispielsweise auf den Tod des Freiheitskämpfers Nikitaras schrieb sie: „Grade kracht es. Dem Nikitaras, dem Türkenfresser wird das letzte Lebewohl, dem alten Freyheitskämpfer, von seinen Kameraden gebracht, wie schade, so schwindet einer nach dem andern vom Schauplatz.“ (Β, 542).

Ein fragiler Thron

Die Griechen ihrerseits begrüßten den König in ihrem Kreis als einen neutralen Beobachter. Die Verleihung von Orden, ein Routineprozess bei jeder königlichen Reise im Land, stellte das fragile Gleichgewicht einer vom Bürgerkrieg traumatisierten Gesellschaft wieder her. Wo der griechische Orden sich abzunutzen drohte, kam ein Orden des bayerischen Hofes oder des Hofes von Oldenburg ins Spiel. Auf Vorschlag von Amalie ehrte der Großherzog von Oldenburg verschiedene griechische Staatsbürger. Sie versicherte ihrem Vater oft die grundlegende Bedeutung der Auszeichnung des Herzogtums für den sozialen Frieden in ihrem eigenen Königreich: „Jeder der glaubt als Getreuer passiren zu können sagt vorwurfsvoll u. warum bekomme ich denn den oldbg. Orden nicht.“ (Β, 24. Vgl. auch: Β, 686). Trotzdem war das Vertrauen dieser politischen und militärischen Akteure in den Eid, den sie dem König geleistet hatten, keine Selbstverständlichkeit. Sie waren es gewohnt, ihren Dienst an ihm nicht als Pflicht, sondern als verhandelbaren Gefallen zu betrachten. Von 1833 bis zum Sturz des Königspaars im Jahre 1862 kam es zu zweiunddreißig Aufständen (Tsokopoulos, 1905, 118). Amalie beschreibt viele durchwachte Nächte des Königspaars in Erwartung einer angeblichen Revolution, einer erzwungenen griechisch-orthodoxen Taufe des Königs oder sogar einer Vertreibung.

Um 1 Uhr sollte etwas ausbrechen. 5 Schüsse hieß es seyn das Signal. […] wir wachten umsonst bis 2. Uhr ein freyl. langweiliger Spaß hätte uns die herrliche Mondnacht nicht entschädigt. (Α, 823)
Wäre nur erst der morgende Tag, Ottos Namenstag vorüber, wir werden in die Kirche gehen, man hat gesagt man würde an diesem Tage wegen der Taufe etwas rufen. (Α, 441)
Neul. Abends glaubte ich wirkl. es sey etwas loß. Es fielen eine Menge Schüße 50-60. Am Ende war es ein Diner daß die Deputirten am Ufer des Meeres gaben aus Freude […] indem der geistl. Gesetzentwurf nach Wunsch durchging was ihre die Stadt in nicht geringe Unruhe versetzte. Colettis à la tête der glaubte Otto sey unten im Bade, […] so daß er gl. Soldaten Hinunterschickte […]. Abgehende Schiffe erzählen Athen sey in einem Aufstande begriffen u. entsetzt eilte die Mavrocordato aus Poros herbey der man gesagt ihr Mann sey beym Aufruhr ermordet.8

Der Nationalfeiertag am 25. März [Anm. d. Üb.: 25.03.1821 Beginn der griechischen Revolution] war immer ein riskanter Tag, zum einen wegen seiner Symbolik, aber auch wegen der unvermeidlichen Versammlung von Menschenmassen und Bewaffneter bei den Gedenkzeremonien. Deshalb fand Amalie den Plan des Premierministers und ehemaligen Freiheitskämpfers, Ioannis Kolettis, klug, das Jubiläum von 1846 in Fáliro, an der Küste südlich von Athen, zu feiern, abseits der Hauptstadt und des Palastes, wo die Teilnehmer vom langen Hinweg schlapp und unmotiviert sein würden (Β, 57). Die Unsicherheit, die sie manchmal empfand, tröstete sie darüber hinweg, dass sie keinen Thronfolger bekommen hatte, der höchstwahrscheinlich Opfer eines proorthodoxen Staatsstreichs geworden wäre (A, 571).

Imperiale Träume und Orthodoxie

Das Königspaar bekam das Sprachproblem schnell in den Griff. Bereits im November 1837 war Amalie stolz auf ihren Fortschritt im Griechischen (A, 103). Die abweichende Konfession blieb jedoch die größte seelische Barriere zwischen dem Königspaar und seinem Volk. Wolf Seidl bemerkt:

das heiligste Band, das einen König mit seinem Volk verknüpft, konnte nicht geflochten werden Die einzige monarchische Tradition Griechenlands, in der Otto stand, war aber das byzantinische Imperium: eine ausgesprochene Theokratie. Ihrem späten Nachfahren wurde nun jene Weihe verwehrt, die den König vom Präsidenten unterscheidet, die die Aureole des Übernatürlichen verleiht und so über den Augenblickshader hinaushebt. Ein solcher König war nicht von Gott eingesetzt, sondern von den „wohltätigen Mächten“. Was natürlich nichts anderes heißt, als daß man die Londoner Konferenz gegebenenfalls um einen anderen bitten konnte.9

Otto wurde nie offiziell inthronisiert, weil seine Untertanen die Wiederbelebung des byzantinischen Rituals erleben wollten, während er selbst sich eine vom Papst gesegnete Krönung wünschte. Um nicht zu provozieren, hat er nie die Messe in der katholischen Kirche Athens besucht. Bis die Palastkapelle errichtet war, fand der Gottesdienst immer diskret in einem Raum statt. Amalie musste darauf bestehen, die Kapelle offiziell einzuweihen, weil Otto zögerte (A, 604,624 und Β, 134, 354). In der Hauptstadt sowie auf den Reisen durchs Land besuchte das Königspaar regelmäßig den griechisch-orthodoxen Gottesdienst, wo ihnen das stundenlange Stehen und der Missklang der Psalmisten zusetzten (Α, 217, 224, 226, 267). Die Königin selbst war protestantisch und achtete darauf, nicht anzuecken. Sie war ständig wachsam gegenüber dem Verhalten ihres persönlichen Geistlichen, weil dieser Mann in den Augen ihrer Untertanen ihre Konfession, ihre Heimat, ihr Herrscherhaus und letztendlich sie selbst repräsentierte (B, 471, 555).

Habe ich Dir schon geschrieben welche merkwürdige Visitenkarten er hat? Schade daß ich es nicht griechisch schreiben kann, da klingt es noch drolliger. Also. Dr. Lüth königl. Hofprediger, Beichtvater der Herrscherin, Vater u. Hirte der evangelischen Christen in Athen!! Müßen die Leute sich da nicht lustig über ihn machen. Ich mögte es ihm so gern begreifl. machen, daß er es läßt, aber ich schäme mich für ihn. (Α, 329)

Gleichzeitig verbot sie Lüth – aus Respekt gegenüber der griechischen Empfindsamkeit in Fragen des Proselytismus – die Veröffentlichung seiner Dissertation, in der er die Forderung der griechisch-orthodoxen Kirche rügte, Kinder aus interreligiösen Ehen zwingend griechisch-orthodox zu taufen, und den Begriff „orthodox“, rechtgläubig, im Rahmen des Glaubens in Frage stellte (Α, 294). Es war ein schwerer Schlag für die tugendhafte Königin, als ihr Priester Symptome von Alkoholismus aufwies. In einer Reihe von Briefen bat sie ihren Vater, ihn zu ersetzen, damit die königliche Würde keinen Schaden nehme.

– Lüth hatte wieder das Dilirium Tremens. Rette mich von diesem Scandal, u. die Gemeinde, unsere Kirche, was sollen die Griechen denken… (Β, 471).
– Grade hier müßte ich einen Geistl. haben der doch Achtung einflößte es ist doch auch politisch wichtig daß die Griechen mich nicht als eine Heidin, als ohne Religion denken, u. was soll man von einer Religion sagen wo deren Diener sich so beträgt natürl. der rohe Mensch schließt vom Geistl. auf die Religion. (Β, 555).

Amalie erkannte, dass Thron und Altar koexistieren mussten, um Eintracht zwischen Volk und Herrscher zu erreichen, aber auch um die Einmischung außenpolitischer Akteure zu vermeiden. Deshalb zögerte sie nicht, ihre Kinder nach griechisch-orthodoxem Ritus zu taufen. Schließlich war sie von der Großen Idee beseelt und überzeugt, dass „nur einem gr. Könige stehen Constantinopels Thore offen.“ (A, 506). Sie gehörten zu denen, die überzeugt waren, dass der Fall Konstantinopels an die Osmanen eine Schmach für das westliche Christentum sei. „400 Jahre! u. Europa schämt sich nicht!“ (Β, 668), „u. tägl. winkt mir die h. Sophienkirche, erzählt mir von ihrer Entwürdigung.“ (B, 185). Sie war der Überzeugung, dass die Befreiung Griechenlands, die „gegen den Willen der Menschen“ stattgefunden habe, ein Zeichen sei, dass der gütige Gott mit diesem kleinen Land noch Großes vorhabe. Sie konkurrierte mit ihrem Volk im Glauben an das Unmögliche und selbst die Prophezeiungen von Agathangelos wühlten sie auf.10 „Sollen wir nach Konstantinopel ziehn, unser König? Nun los, wir haben keine Angst!“, riefen Ottos impulsive Untertanen ihm nach jeder nationalen Demütigung zu. Diese Manifestationen eines verwundeten nationalen Selbstbewusstseins berührten sie zutiefst. Sie schrieb : „[…] daß wir die Brandfackel in der Hand haben die den Orient von einen Ende zum andern anzünden kann.“ (B, 212).

Der Schriftsteller Zacharias Papantoniou drückte das in den 1930er Jahren beredt so aus: „[Otto] war der Mann, der die Flucht aus der Realität proklamierte. [Er war] der Anführer der Romantik, der wahre Anführer, er und die Königin […]; in Athen waren sie nur Passanten, [aufgebrochen in Deutschland] auf dem Weg nach Byzanz.“ (Papantoniou, 1997, 22). Vergebens riet ihr Vater Amalie, in ihrem Irredentismus pragmatisch zu bleiben. Sie selbst wolle nicht die Königin eines Satellitenstaates des „materialistischen Westens“ sein, sondern eine „Kaiserin des Ostens“, in einem Reich, das sich aus sich selbst heraus bilde (A, 610), Anführerin eines Volkes, das in Erinnerung an ein ruhmreiches Reich lebe, das vom Westen im Stich gelassen worden war (Α, 610, 856, 185, 267). Deshalb könne sie dem Regentschaftsrat nicht verzeihen, der die orientalische Natur des griechischen Volkes ignoriere und „diese unglück. europäische Aufpfropfen auf dieses Land [versuche], wo das Byzantinische Reich u. das Mittelalter vereinigt mit orientalischen Begriffen so tiefe Wurzeln geschlagen.“ (Α, 610). Äußerst romantisch, wie sie war, hatte sie kein Verständnis für die herablassende Haltung der Aufklärung gegenüber dem Mittelalter (Koumpourlis, 2012, 49-58). Für sie war das Mittelalter das poetische Zeitalter des gottgegebenen Rechts für Könige, das der Kreuzzüge und des Glaubens an große Errungenschaften (Α, 856). Das Mittelalter – mit seinem Mangel an Städten, diesen Zentren politischer Intrigen –, das einfache, ländliche Leben und die christliche Frömmigkeit waren oft Gegenstand ihrer Träumereien. So ist auch ihre Ungeduld zu erklären herauszufinden, „welches das beste Buch über die byzantinische Geschichte ist, über Griechenland im Mittelalter.“ (Α, 305).

Monarchischer Stolz gegenüber dem Europa der Händler

Diese Ausbrüche von Selbstherrlichkeit standen in krassem Gegensatz zu der prekären Position des Landes innerhalb Europas. Amalie bekam während ihrer Reise nach Mitteleuropa einen Eindruck von der Geringschätzung gegenüber ihrem Königreich, als der vor ihr reisende Duke of Devonshire die griechische Mission ständig ohne Lasttiere und ohne Unterkunft in den Gasthäusern stehen ließ, trotz der starken Proteste von Amalies Adjutanten. Während derselben Reise in der demokratischen Schweiz wurde ihr bei der Anmietung von Pferden keine Priorität eingeräumt, auch nicht gegenüber einer einfachen englischen Familie (A, 144). Ihr königlicher Stolz wurde auch auf die Probe gestellt, als europäische Bankiers sich weigerten, dem königlichen Paar ohne Vermittlung eines verlässlichen Bürgen einen Kredit zu gewähren, um den Königspalast zu vollenden. Die zeitgenössischen Banken untersuchten objektiv die Solvenz ihrer Kunden, ohne zu berücksichtigen, dass das Wort eines Königs heilig ist. Amalie fragt sich „welcher Fürst würde nicht sich schämen in einem Hause zu wohnen, von dem er nicht die Schuld abgetragen.“ (A, 260). Die Wertschätzung des königlichen Titels hatte in ganz Europa nachgelassen, und – wie Amalie ihrem Vater zum Darlehen berichtete, für das er schließlich selbst bürgte –, musste sich ein König, um Zugang zu Geld zu erhalten, auf lästige Marktgepflogenheiten und stellvertretende Institutionen einlassen. Die Zahlung der vom bayerischen Staat gewährten Zuwendung an ihren Mann würde bald von der bayerischen Nationalversammlung abhängig sein (A, 260-261, 272).

Die größte Quelle der Demütigung für das Königspaar Griechenlands war jedoch das tyrannische Verhalten der Botschafter der Großmächte, die sich zu interventionistischen Parteiführern entwickelt hatten. Insbesondere der britische Botschafter stiftete Aufstände und Plünderungen an den Staatsgrenzen an, bezahlte Gegner der königlichen Regierung und war für jede Menge beleidigender Zeitungsartikel gegen den König und das Land verantwortlich.11 Zu den demütigendsten Momenten für die griechische Monarchie gehörte die Parker- oder Don-Pacifico-Affäre, eine Seeblockade nach einem Ultimatum der Briten an die griechische Regierung unter dem Vorwand, Forderungen britischer Bürger in eigentlich unbedeutender Höhe nachgehen zu müssen (Gallant, 2017, 129). Im Allgemeinen standen diplomatische Episoden aus den belanglosesten Gründen auf der Tagesordnung, beispielsweise als ein Höfling dem britischen Botschafter aus Unachtsamkeit eine Dame falsch benannte, mit der er tanzen sollte. Der entsprechende Ordner umfasste schließlich 1.100 solcher Fälle (Α, 101). Für Amalie waren das Kapriolen der Bourgeoisie, die nunmehr die Welt regiere. Sie fragte sich: „Läßt die Politik denn kein Recht? Keine Religion, kein menschliches Gefühl aufkommen?“ (A, 799). Nicht für die Welt der mittelalterlichen Ehre, aus der die Monarchie von Gottes Gnaden hervorgegangen war. Die griechische Krone war natürlich nicht einer jahrhundertelangen Tradition, sondern revolutionärem Recht entsprungen und durch widerstrebende Vereinbarungen der europäischen Diplomatie ratifiziert. So sehr diese revolutionären Ursprünge Amalie auch ängstigten, berief sie sich immer dann auf sie, wenn sie mit dem Recht der Mächtigen und der „Politik der Händler“ aneinandergeriet (ebd.). Sie drohte, ihrem Volk in die Berge zu folgen und ihr Schicksal demselben unbeugsamen Geist und derselben göttlichen Intervention anzuvertrauen, die für die Schaffung ihres Königreichs verantwortlich war.

Wenn ihm [Otto] nur auf einmal die Geduld risse und er sagte: Gut ich stelle mich an die Spitze eines Volks im Innern habt ihr mir Alles vernichtet es bleibt mir nur mehr eine Chance, siegen od. untergehen. (Β, 311)
Aber lieber untergehen als den [britischen] Piraten Vasallen seyn. […] Europa soll sehn daß deutsches Fürstenblut in unsern Adern fließt daß wir keine indischen Fürsten sind, Europa soll sehn, daß wir ein stolzes u. edles Volk beherrschen u. wir lieber Brod essen unabhängig als unter engl. Kanonen uns in Sammt u. Seide hüllen. (B, 584)

Amalie zeichnet das Bild eines Königs als Rebell, der die freien Berge erklimmt, um seine Opposition gegen eine ungerechte internationale Legitimität zu proklamieren und um seine Rückkehr neu zu verhandeln – oder bei der Verteidigung der Mauern seines Königreichs wie der letzte byzantinische Kaiser zu fallen. In Amalies Fantasie vereinte der erste griechische König den Mut und die Frömmigkeit des deutschen Mittelalters mit der byzantinischen Erhabenheit und der Tradition des Ungehorsams der unbeugsamen Kleften, den durch das nationale Erwachen von 1821 im Freiheitskampf gegen die Osmanen geläuterten Rebellen. Solche Momente schufen eine besondere Seelenverwandtschaft zwischen dem Königspaar und seinen Untertanen, ein Gefühl der „Entbrüderung“ gegenüber dem feindlich gesinnten Westen, das sie temporär zusammenschweißte.12 Amalie selbst fühlte sich gegenüber den Griechen europäisch und gegenüber den Ausländern griechisch. „Oft kommt es mir vor, die Leute kommen uns anzusehen wie wilde Thiere.“ (A, 388). „Ich bin durch u. durch Griechin wie es keine andere im Lande ist“ schreibt sie und sie könne sich nicht in eine Europäerin zurückverwandeln (A, 826). Ihr romantischer Nationalismus fußte auf ihrem tiefen Glauben an die Einzigartigkeit ihres auserwählten Volkes und gipfelte in ihrer Vision von der Verwirklichung der Großen Idee. „Otto liebt Griechenland, ich bin darin verliebt. Es ist der Traum meiner Jugend u. wird so Gott will, in meinem Alter seine völlige Realisierung finden.“ (A, 705). Gleichzeitig verbanden sie Konfession und Herkunft weiterhin mit ihren europäischen Wurzeln und gaben ihr das Gefühl, eine verlassene Botschafterin Europas im Osten zu sein. „Von Europa erwarte ich nichts, aber wenn wir uns auch seiner schämen müssen, unserer soll u. wird es sich nie schämen!“ (Β, 359).

Die ausgleichende Kraft der Krone und die Selbstsucht der Politik

Für die Königin waren die moderne Politik der diplomatischen Manöver auf internationaler Ebene und die Fraktionierung der Parteien im Inland Synonyme für Unehrlichkeit und Ungerechtigkeit. Der Monarch dürfe weder Politik einsetzen, um die angestammten Rechte anderer Monarchen zu schädigen, noch dürfe er unüberlegte Forderungen der Bevölkerung erfüllen, um seine Popularität vorübergehend zu steigern. Seine Handlungen sollten von der christlichen Pflicht und Tradition diktiert werden, und die Regierungen müssten aus Bediensteten zusammengestellt sein, die ihm dienen. Würde man das alles beachtet, gäbe es keinen Raum für Politik und die Menschen könnten die Sicherheit und Gerechtigkeit genießen, die ihnen der Thron bietet. Wenn Politik für die Herrscher unangemessen ist, so ist sie für das einfache Volk, das durch den Erwerb repräsentativer Institutionen lediglich hemmungslosen Zwischenmännern zum Opfer fällt, die ihm seine Wahlstimme abluchsen, während die Verfassung dem König untersagt, sie in ihre Schranken zu weisen, noch viel unangemessener. Amalie schreibt: „[…] soviele Deputirte soviele kleine Tyrannen, u. nicht allein hier sondern überall.“ (A, 732, 751). Insbesondere gelte das für Griechenland, „[…] hier ohne Besitz, ohne Bildung, die Erziehung des Kampfes, das Recht des Stärkeren“ (A, 608), einem Land im Zentrum so vieler ausländischer Intrigen. Amalie empfand die Verfassung als eine List in den Händen der Eliten. „Da setzen sie freyl. in die Constitution, daß es keine Aristokratie giebt u. factisch ist niemand stolzer u. aristocratischer als die hiesigen Großen, u. zwar noch so ganz nach den mittelalterlichen Begriffen, wie es natürl. die frühere Militairwirtschaft, die Capitanate mit sich bringt.“ (Α, 608). Wie de Maistre glaubte Amalie an die ausgleichende Macht der Königshäuser: Der Titel des Untertans unterwirft die Fürsten und das einfache Volk dem Herrscher gleichermaßen (Maistre, 1999, 91). Das gottgegebene Recht des Königs abzuschaffen ist demnach so als ob man ihm die Hände binden und ihn zwingen würde, mit jeder Art ungeeigneter Menschen zu arbeiten, die von der ahnungslosen Mehrheit hervorgebracht werden. Umso mehr „in einem Lande wo kein Grundbesitz, kein Vermögen, wo jeder um einer Stelle die er od. sein Verwandter erhält od. nicht erhält für od. gegen ist.“ (Α, 811. Vgl. auch Α, 719). Wahlen brachten Amalie mehr als alles andere auf.

Wenn man sich denkt, daß dieses Wahlfieber alle 3 Jahre wiederkehren wird stehen einem die Haare zu Berge. … Die armen Leuten haben fast nichts zu thun wie zu wählen: Demarchen, Deputirte, Eparchierähte, Geschworene, […] ich fürchte fast sie werden es nächstens satt bekommen. Wenn das Volk nur wirkl. representirt würde dann wollte ich gar nichts sagen, aber das arme Volk wird durch ein Paar Intriguanten an der Nase herum geführt, […] ich begreife nicht wenn man die Leute besticht u. thut was man will, was das für ein Glück ist, da ist eine väterl. Regierung gewiß viel einfacher, moralischer u. wohlfeiler. (Α, 606)

Sie war überzeugt, dass der Konstitutionalismus nur mit der englischen Mentalität vereinbar sei. Nur in England gäbe es dafür einen historischen Hintergrund und vernünftige Grundlagen – Aristokratie, Landbesitz und Erfahrung (B, 37).

Gefährdung durch Philosophie. Der Pragmatismus des Monarchen als Gegengewicht zur Unnachgiebigkeit der ideologischen Politik

Es war nicht nur die Selbstsucht der Politik, die Amalie störte. Sie war gleichermaßen empört über die verschiedenen Erscheinungsformen der ideologischen Politik, die die konservativen Kräfte der Aufklärung und der Restauration „philosophisch-revolutionäre Rage“ nannten13; empört auch über das Streben nach der weltlichen Utopie, ausgedrückt durch das Flickwerk vager Vorstellungen der Moderne, bei deren Klärung die Menschheit wertvolle Kräfte aufbrauche (Lekkas, 2012, 18). „Es ist wirkl. höchst langweilig diese Völkerbeglückenden Constitutionen, das einzige Resultat scheint mir, daß mehr Leute an der Lungensucht sterben müßen, à force zu sprechen u. zu schreyen.“ (B, 28). Ihre ironische Haltung gegenüber der Forderung des Volkes nach Glück beruhte nicht auf einem zynischen Temperament, sondern auf der Tatsache, dass sie eine Anhängerin des ausgleichenden politischen Empirismus war, der sogenannten Politik der Skepsis (Lekkas, 2012, 59. Kedourie, 1999, 47-48). Sie war wie die meisten Konservativen der Ansicht, dass Perfektion kein Merkmal der diesseitigen, sondern der jenseitigen Welt sei und zu den mentalen Übungen der Philosophen gehöre. Für die traditionelle Macht, die Amalie repräsentierte, ist ihre Ausführung von Natur aus eine unvollkommene Angelegenheit, die der menschlichen Schwäche unterliegt und sich nur dem göttlichen Urteil gegenüber zu verantworten hat. Es wird von einer begrenzten Gruppe von Staatsdienern im Namen der Tradition ausgeübt. Herrscher und Untertanen teilen sich in dieser Welt eine kollektive Erfahrung, die durch das religiöse Erlebnis Sinn und Substanz bekommt.

Die plötzliche Dominanz bestimmter Abstraktionen, die weltliche Erklärungen der Welt und einen aktiven Plan zu ihrer Veränderung liefern (Lekkas, 2012, 9), ist arrogant, fehl am Platz und gefährlich. Amalie betrachtete die Verbreitung dieser Abstraktionen als eine Art kollektiven Wahnsinn oder als Epidemie. (Interessanterweise verglich auch Eric Hobsbawm den revolutionären Geist, der die Menschheit nach 1815 erfasste, mit einer Epidemie (Hobsbawm, 1992, 161).) Die Königin verglich die Fragmentierung der kollektiven Erfahrung und die Unnachgiebigkeit der Ideologien, die die Moderne mit sich brachte, mit dem Turm zu Babel. Sie sagte sogar die Ankunft eines Zeitalters des Prosaismus, der geistigen Leere und des Materialismus voraus, das Europa eine Lektion erteilen würde, bevor die göttliche Ordnung wiederhergestellt werde (Β, 490). Wie de Maistre es ausdrückte, „ist die gegenwärtige Generation Zeuge des Kampfes des Christentums gegen die Philosophie auf Leben und Tod.“ Aber Philosophie ist eine „im Wesentlichen desorganisierende Kraft“, die die Lücke, die der Aberglaube auf der Ebene des sozialen Zusammenhalts hinterlässt, nicht schließen kann. Institutionen „basieren auf einer religiösen Idee oder gehen unter.“ (Maistre, 1999, 244-245, 253). Die Entstehung des Individualismus, der „Individuen in ihren Meinungen und Interessen isoliert“, wurde vom Anti-Aufklärungsgedanken als völlige Ablehnung der sozialen Verantwortung angeprangert. Die Monarchen waren die ersten Opfer dieser neuen Mentalität, die sie als Bevollmächtigte des freien Willens der Individuen betrachtete (McMahon, 2002, 28-29, 168-169). Amalie stimmte der Meinung zu, dass derselbe ungezügelte Individualismus für die Entwicklung der Industrie und der Marktwirtschaft verantwortlich sei, die nur einen Ausweg aus all den menschlichen Sünden kannten: Selbstsucht, Gier, Eitelkeit (B, 448). Sie hegte die Hoffnung, dass, wenn sie den giftigen Einfluss von „Ausländern“ und an westlichen Universitäten Studierten verringern könnte, ihr Königreich in der Lage wäre, an diesem abgelegenen Winkel der Erde unter den Bedingungen mittelalterlicher Einfachheit zu leben, die den zeitgenössischen deutschen Königreichen verloren gegangen sei. Bei ihren Untertanen konnte sie die Spuren des Mittelalters ausmachen: Heldentum, Ritterlichkeit, heilige Ehrfurcht vor dem König (A, 187, 327). Die Reminiszenz an das Mittelalter war unter den französischen Monarchisten des frühen 19. Jahrhunderts häufig anzutreffen; sie meinten, in dieser fernen Zeit habe es die absolute Harmonie von Thron und Kirche gegeben und glaubten, ein Modell für Korporativismus und soziale Harmonie zu erkennen, das auf der Nichtexistenz von Individualismus und Materialismus beruhte (McMahon, 190-191).

Liberale Institutionen untergraben den korporatistischen Geist der Gesellschaft

Amalie erschien sogar das Erbe des bayerischen Regentschaftsrats zu liberal.14 „Eine absolute Monarchie mit geschworenengerichten, Preßfreyheit, förml. demokratischem Gemeindewesen, verantwortl. Ministern, genug entsetzl. liberale Institutionen ohne Gegengewicht, denen nur die Kammern fehlten damit die Constitution fertig.“ (A, 638). Das Gegenteil also von dem, was der König und Ioannis Kolettis nach der konstitutionellen Revolution umzusetzen versuchten – also eine Autokratie mit konstitutionellem Anschein. Die Königin hielt Kritik an der Arbeit der vom König ernannten Regierung für unpatriotisch. Aktionen also, die nur für korrupte Handlanger ausländischer Interessen angemessen wären und die niemals die öffentliche Meinung widerspiegelten, sondern diese nur in die Irre führten. „Ich nenne hier die sog. allg. Meynung mit unter die allg. Tollheit“ (A, 644), offenbarte sie ihrem Vater. Über die abscheuliche Kaste der Zeitungsredakteure, der „Schreiber“ (A, 372), wie sie diese verächtlich nannte, meint sie „die Furcht der Herrn ist nicht gehörig in ihnen.“ (A, 411). Sie wären Abenteurer, jederzeit bereit, das Land in Abenteuer zu stürzen, um ihre Theorien zu testen, ermutigt durch Mangel an Eigentum, was sie von jeglichem Verantwortungsgefühl und jeder Umsicht befreie. Die Königin drückte ihre Zufriedenheit immer dann aus, wenn Journalisten verhaftet wurden und natürlich, wenn das Strafmaß der Ahndung verschärft wurde (Β, 636). Als ein Abgeordneter einmal verprügelt wurde, wunderte sie sich, warum Zeitungsschreibern so etwas selten passiere.“ (B, 54).

Wie Richard Stites erklärt, war die Pressefreiheit den absoluten Monarchen sehr verhasst, nicht nur, weil sie Kritik förderte, Ungerechtigkeiten aufdeckte und politische Spaltung verbreitete, sondern auch, weil der Begriff „Freiheit“ gegen den Grundsatz des Respekts gegenüber der Fahrlässigkeit des Königs verstieß, die Immunität gegenüber jeder entgegengesetzten Meinung.“ (Stites, 2014, 10). Wir dürfen auch nicht vergessen, dass in der ersten Hälfte des Jahres 1789 250 neue Zeitungen erschienen waren (Yalom, 2009, 70). Laut Amalie sollte eine öffentliche Meinung nicht einmal existieren, die Untertanen sollten ungestört arbeiten, ihren König lieben und keine Meinung zu den komplexen Fragen der Politik haben, die auf den Schultern des Königs lasteten (A, 87, 372, 411). Dennoch bildete sich die öffentliche Meinung durch dunkle Propagandamechanismen unter Beteiligung ausländischer Kräfte und treuloser Einheimischer. Würde ein Monarch diese unerbittliche Realität ignorieren, würde das seine Position, die aufgrund der Säkularisierung und Entmystifizierung der Welt ohnehin entweiht worden war, nur verschärfen. Es gibt Zeiten, riet sie ihrem Vater, in denen ein moderner Monarch gezwungenermaßen in eine Kampagne der Aufklärung der öffentlichen Meinung eingebunden sein müsste, um den Inkonsistenzen der Zeitungsschreiber entgegenzuwirken. Das Publikum, an das er sich richte, umfasse jedoch nicht diejenigen, die die bürgerliche Gesellschaft als Säulen des demokratischen Dialogs wahrnähmen, d.h. die Parteien und die Zeitungen, sondern „[…] die öffentl. Meynung, ich meine die ächte, gute“, also das gewöhnliche, nichtparteiische Volk (B, 131). Wie Darrin M. McMahon bemerkt, war die frühe Rechte, obwohl sie die „kulturelle Demokratie“ hasste, die die absolute Monarchie untergrub, gezwungen, energisch an die Öffentlichkeit zu treten und eine „moderne“, ihrer Gegner ebenbürtige redaktionelle Flut auszulösen (McMahon, 2002, 178-82, 192- 194). Das griechische Königspaar gab sich jedoch keinen Propagandakampagnen hin. Stattdessen ließ es eine Reihe verleumderischer Veröffentlichungen in der europäischen Presse über sich ergehen, sogar über Ottos geistigen und körperlichen Zustand (Petropoulos, 266, 357). In Momenten der Empörung wünschte sich Amalie, sie könne die Nachrichten aus dem britischen Polizeibulletin zu Vorfällen von Polizeigewalt auf den von Britannien besetzten Ionischen Inseln und über den Machtmissbrauch österreichischer Grenzschutzbeamter usw. aufgreifen und gegen ihre Feinde deren eigene Waffe, die rücksichtslose Propaganda, richten (A, 822).

Die konstitutionelle Revolution: ein Akt der Undankbarkeit oder eine Impfung?

Der 3. September 1843 war für den königlichen Stolz von Amalie der Tiefschlag; ein Teil der Armee meuterte, umstellte den Palast und forderte eine Verfassung. Richard Stites schreibt über die Monarchen der Restauration: „Reformen bedeuteten Verfassung, die Verfassung führte zur Republik und die Republik zu Terror und Guillotine.“ (Stites, 2014, 9). Für einen Monarchisten wurden die Rechte der Völker schließlich nie von lauten Nationalversammlungen geschrieben, sie „existieren, weil sie existieren“, inspiriert von der Vorsehung und geheiligt durch die Tradition. Wenn ein charismatischer Führer beschließe, die Rechte zu kodifizieren, spräche er im Namen der Göttlichkeit und nicht der Demokratie (Maistre, 1999, 261-270). Es war für das griechische Königspaar die erste ernsthafte Glaubensprüfung an seine göttliche Mission und an den Wert der christlichen Vergebung. Amalie hatte für die Revolution eine sehr einfache Interpretation. Ihre Protagonisten waren Meineidige. Für die Monarchisten basiert das soziale Gefüge auf der Einhaltung eines heiligen Eides, den der rechtmäßige König vor Gott leistet und der dann auf die weiteren Stufen der Pyramide übertragen wird, vom Premierminister bis zum einfachen Soldaten.

Wie erschütternd ist es so zu bedenken, wie alle diese Menschen, Mein-eidige sind, das ist furchtbar, […] aber dann denke ich sie wissen nicht was sie thaten, die armen Leute haben keinen Religionsunterricht bekommen, sie wissen kaum was ein Eid ist, d. i. schreckl., aber der Gedanke beruhigt mich doch insofern, daß Gott es ihnen eher verzeihen werde u. bitte ihn deshalb. (A, 433)

Der König gab seinen Erpressern nach, um seine Untertanen nicht der Willkür derer zu überlassen, die den Wechsel der Staatsform wollten; unschuldige Menschen sollten in einem Bürgerkrieg nicht ihr Leben oder Eigentum verlieren. „[U]nd wenn es auch arme, irregeleitete, fehlende u. das Opfer nicht Anerkennende Menschen sind, was hat unser Herr nicht ganz anderes für die abgefallene sündige Menschheit gethan.“ (A, 473). Amalie scheint hier das, was Weber die „Verantwortungsethik“ nennt, der „Gesinnungsethik“, vorzuziehen, in deren Namen die kompromisslosen Revolutionäre der Moderne die Menschheit ins Abenteuer stürzen (Weber, 2019, 88-89). Ein umsichtiger traditioneller Herrscher sei nicht an abstrakte ideologische Forderungen gebunden, sondern an eine konsequentialistische Konzeption des Tuns. Er kümmere sich hauptsächlich um Leben und Eigentum seiner Untertanen (Lekkas, 2012, 18). Amalie akzeptierte nie die Tatsache, dass sie eine konstitutionelle Monarchin war. Für sie war die Verfassung eine Demütigung für den König und eine Schande für sein Volk. Trotz der Schmach, die Otto und Amalie empfanden, ist es offensichtlich, dass sie in dieser Phase ihrer Regentschaft nie den Respekt ihrer Untertanen verloren hatten, nicht zuletzt, weil ihre Anwesenheit als Bollwerk gegen die Gefahr eines Bürgerkriegs angesehen wurde (Petropoulos, 1997, 587). Man muss nur die Memoiren von Madame Germaine de Staël lesen und die Verfassungsrevolution in Griechenland mit den demütigenden Momenten vergleichen, die der König und die Königin von Frankreich bei ihren letzten öffentlichen Auftritten erlebt hatten, um den riesigen Unterschied zu erkennen.15

In ihren Briefen erwähnt Amalie die Septemberereignisse oft als dieses Dingsda und ihre Protagonisten mit Phrasen wie einer von denen (A, 442, B, 499). Ihre optimistische Natur und ihre Vorstellung von Gottesgnadentum ermöglichten es ihr jedoch bald, den göttlichen Plan hinter diesem Dingsda zu entdecken. Gott wolle Griechenland gegen die demokratische Pandemie impfen. Er arrangiere also, dass die Menschen einen milden Eindruck von den konstitutionellen Institutionen bekamen („Schutzblatter für die Epidemie“) und diese entmystifizieren konnten, um sich dann mehr als je zuvor um den Thron zu scharen (B, 407, 726). Mit anderen Worten hat die Vorsehung ein Dilemma gelöst, mit dem Monarchen überall auf der Welt zur gleichen Zeit konfrontiert waren: die Ausbreitung des Liberalismus. Richard Stites beschreibt diesen Zustand mit Hilfe einer anschaulichen Metapher: „Den Reformprozess langsam und schrittweise füttern und eine Eskalation riskieren, da der Appetit beim Essen kommt? Oder den Deckel auf den Topf halten und eine Explosion riskieren?“ (Stites, 2014, 14). Schließlich akzeptierte Amalie den Wechsel der Staatsform als notwendiges Übel und nahm ihren ganzen Mut zusammen, um sich den neuen Herausforderungen zu stellen. Ihre erste Aufgabe bestand darin, sich Geld von ihrem Vater zu leihen, um die Pariser Kleider zu bezahlen, in denen sie ihr Debüt als konstitutionelle Königin geben würde.

denn ich bin abgerissen, u. hier ist Alles geschlossen. […] Vergieb mein engels Papa, aber ich muß doch anständig erscheinen, u. da fragt man nicht ob ich das Geld habe od. nicht. Diese Nationalvers. wird der Diners so viele herbeyführen, dann die vielen fremden Schiffe, daß ich doch meinem Otto Ehre machen muß. (A, 460)

Die Opfer, die Otto bringen musste, endeten nicht mit der Annahme der Verfassung. Das Schlimmste war, dass er gezwungen wurde, dieses Jubiläum zu feiern und die Protagonisten mit Orden zu bedenken. „Nicht, daß ich den Leuten nachtrage, aber daß wir ihn noch feyern müssen, das ist so verletzend“, beklagte sich Amalie bei ihrem Vater, „U. dabey schämt sich dessen alle Welt.“ (B, 307). Das Hofprotokoll musste entsprechend geändert werden. Der meineidige Kallergis wurde Adjutant, um „in seiner Person dem 3. September im Allgemeinen zu amnestieren“, während der großen Anzahl der „Generäle“ der Revolution von 1821 zum ersten Mal seit Ottos Ankunft erneut der Generalstitel verliehen wurde, allerdings ohne das entsprechende Salär. Ziel war es, die symbolische Kontinuität von Revolution und Krone wiederherzustellen, die am 3. September unterbrochen worden war (Α, 543). Im Gegenzug organisierten die Offiziere zu Ehren des Königs Fackelzüge, um sein angeschlagenes Prestige wiederherzustellen. Amalie beobachtete besorgt die Bemühungen der „Septembristen“, eine neue Etikette zu etablieren. In ihren Briefen kommentiert sie ironisch diverse „skandalöse diners“, bei denen die Teilnehmer rote Leibbinden trugen, oder über Kallergis´ Carte de Visite mit dem Ehrentitel „grand citoyen grec“, der auf das ihm von der Nationalversammlung eingeräumte Recht hinwies, überall im Land gewählt werden zu können. Und so notierte Amalie, sie wundere sich, dass in die Verfassung nicht auch noch eingetragen wurde „Die Septembristen sind priviligirte dumme u. schlechte Streichemacher können deshalb nicht gestraft werden.“ (Α, 834).

Parlamentarismus ist unvereinbar mit der Meritokratie: Bemühungen zur Egalisierung der Verfassung

Die auf der Konstituierenden Nationalversammlung aufgeworfenen Fragen stellten die Geduld der Königin auf die Probe:

– Unsinnige Decrete wie z. B. einer vorschlug die Frauen dürften nicht eher seidne Kleider tragen als bis die Stoffe hier gemacht würden etc. etc.
– Gestern wollten sie auch die Todesstrafe abschaffen, u. den Grund den einer anführte war: weil Griechenland so arm an Mensch[en] sey! (Α, 508, 542)

Am 3. September wurde der Sieg gegen die „Fremdherrschaft“ besiegelt. Die Verbannung der Bayern und die Dämonisierung der Kamarilla hinterließen beim königlichen Paar den Eindruck, unter Arrest zu stehen und bei den Höflingen den Eindruck verfolgt zu werden (A, 580). Einige Ehrendamen waren nun für die Königin die letzte Verbindung zu ihrer Heimat, aber selbst bei ihnen drohte die öffentliche Stimmung zu kippen, so dass sie zur seelischen Entfremdung zwischen Palast und Untertanen beizutragen drohten. Amalie hätte den Premierminister fast um Erlaubnis gebeten, bevor sie eine „neue“ Deutsche als Gesellschafterin kommen ließ (A, 711). Trotzdem trat sie nach dem 3. September 1843 mit einem stärkeren Sinn für ihre Mission in eine Phase beharrlicherer Beteiligung am politischen Leben des Landes ein (Tsokopoulos, 1905, 115). Die Verfassung institutionalisierte durch Wahlen die allgemein instabile und einfältige öffentliche Meinung. Sie institutionalisierte auch die Opposition, die für die Anhänger der absoluten Monarchie gleichbedeutend mit Zwietracht und Untergrabung der Regierung des Königs war. Gleichzeitig sicherten sich die einheimischen Eliten durch die parlamentarischen Posten die „aristokratische“ Rolle, die sie schon vor der Revolution innegehabt hatten. Der König musste lernen, diese Hindernisse zu überwinden. Von nun an übernahm Amalie die mühsame Rolle, die Legislative unter Druck zu setzen, oder – gemäß Amalie selbst – sie zu „erziehen“ (B, 564). Im Verfassungssystem, erklärte sie ihrem Vater, noch bevor die konstitutionelle Epidemie sein eigenes Herzogtum erreichte, ist der König gezwungen, „jemand zu haben, der, ich möchte sagen, in einem ewigen bearbeiten sich drehen muß um nicht zu sagen intriguiren, um alle Köpfe unter einen Hut zu bringen.“ (B, 159). Theodoros Kolokotronis der Jüngere, bekannt unter dem Pseudonym Falez, beschreibt in seinen Memoiren einen solchen Versuch der Königin, ihn zu „erziehen“, nachdem sie erkannt hatte, dass der damals neugewählte Kolokotronis beabsichtigte, gegen die Regierung zu opponieren. Er riet ihr, die Oppositionellen der Regierung nicht mehr als Opposition des Königs zu behandeln, worauf die Königin ihn verrückt und vorlaut nannte (Kolokotronis, 1881, 22).

Da der König den Parlamentarismus für unvereinbar mit der Meritokratie hielt, glaubte er, es wäre besser, wenn die Inkompetenten und Korrupten auf der Regierungsbank säßen, und nicht bei der Opposition (Α, 729, 771 und B, 37). Der Ausdruck „pour l ‘user“, was „um sie zu benutzen“ bedeutet, weist auf eine Taktik hin, die der Palast gegenüber unerwünschten politischen Akteuren anwendete; sie wurden nacheinander zu Ministern ernannt, um ihr Image zu untergraben: „Der Finanz Minist. der mit Respect zu vermelden ein Esel, u. nur ernannt ward pour l´user, auch leider oft eine parlamentarische Nothwendigkeit.“ (B, 37). Für die Unvermeidlichkeit dieser unwürdigen Taktik plädierte auch der Historiker und Gelehrte Dimitrios Bernardakis in seiner Rede zur Rechtfertigung der Monarchie. Die Essenz der Verfassung sei, betont er, „dass niemals eine Regierung Fuß fasse, sondern dass alle kleinen und großen Nichtsnutze der griechischen Politik zu jeder neuen Mondphase abwechselnd an die Macht kommen sollten.“ (Vernardakis, 1970, 111). Amalie war nicht besonders beeindruckt von dem Skandal, als sich ein Abgeordneter einige Fische auf dem Markt schnappte und sie in seinem Regenschirm versteckte (B, 115). Es war für sie völlig normal, da jeder Abgeordneter werden konnte, einzige Voraussetzung war nur, dass er geboren worden war und das erlaubte Alter erreicht hatte, um wählbar zu sein. Jedem, der sich über die politische Niedertracht beschwerte, die nach der Umsetzung der Verfassung herrschte, sagte sie, daran sei nur die Schwächung des Königs schuld. „[Otto] antwortet ruhig: Ihr machtet einen Aufstand nahmt mir meine Rechte zwangt mich Gesetz u. Constitution zu beschwören, jetzt kann ich die nicht willkührl. umgehen, wenn es zweckmäßig scheint u. vielleicht auch ist.“ (A, 753).

1848: Eine europäische revolutionäre Pandemie

Obwohl sie ihr Königreich dank des 3. Septembers als „geimpft“ betrachtete, hatte Amalie Angst vor den Revolutionsbewegungen, die 1848 in Europa ausbrachen. Sie schrieb: „Ein natürl. Element die rohe Gewalt muß einmal schütteln u. rütteln am Menschengeschlecht u. es einer positiven Wahrheit gegenüber stellen dann hat es schnell ein Ende mit den Theorien, u. teuren Hirngespinsten.“ (Β, 379). Sie war zwar nicht in der Lage, den Zeithorizont dieser Entwicklung vorherzusagen, hatte aber volles Vertrauen in die Vorsehung, für die einige Jahrzehnte keine Rolle spielten (B, 398. Vgl. auch Maistre, 1999, 169- 197). Verführt von der allgemeinen Aura, die Amerika umgab, das Land, auf das jeder Träumer seine Hoffnungen setzte, erwartete sie, dass von dort aus eines Tages die globale Regeneration ihren Anfang nehmen würde (B, 475). Bis dahin würde Otto weiterhin mit dem zukünftigen Präsidenten der Französischen Republik korrespondieren, ihn „mon grand et bon ami“ nennen und selbst mit „sincère ami“ unterzeichnen (B, 506).16
Amalie störte es sehr, wenn die europäischen Herrscher unter dem Druck der öffentlichen Meinung ihrer Länder das revolutionäre Vokabular übernahmen und gottgegebene Rechte und jahrhundertelange Tradition aufgaben.

Fühlt denn kein Fürst mehr was er ist, will denn jeder Fürst eingestehn, daß er bis dahin ein Tyrann war, gegen seine Pflichten gegen sein Gewissen gehandelt hat, indem die Fürsten jetzt mit Triumphgschrey unter dem Jauchzen des Pöbels der in dem Augenblick Europa beherrscht die Fahne der Revolution ergreifen. (B, 393)

Ein Herrscher, der seiner Pflicht und der Tradition treu bleibt, könne niemals irren. Aber diejenigen Herrscher, die moralische Verfehlungen begingen, seien doppelt unverzeihlich, zum einen, weil sich diese Vergehen äußerst negativ auf die öffentliche Moral auswirken, und zum anderen, weil die Untertanen daraus den Schluss zögen: Auch Gekrönte könnten dem Volk gegenüber rechenschaftspflichtig sein. Ihr Schwiegervater hatte einen Fehler begangen, als er seiner Geliebten einen Adelstitel verlieh.17 „Mein SchwV. hat den dschn Völkern gelehrt wie man verlangt durch Aufläufe.“ (B, 400. Vgl. auch Β, 312, 377). Neben dem Rücktritt Ludwigs und der beunruhigenden Entscheidung des Münchner Parlaments, die Zuwendungen an den König von Griechenland zu überdenken, brachte 1848 weitere unangenehme Überraschungen. Die Zukunft ganz Deutschlands erschien düster. Die Frankfurter Nationalversammlung, das angeblich gebildetste Parlament der Welt, beeindruckte Amalie überhaupt nicht. Sie fand: „Es ist ein gräßlicher Gedanke daß das ganze deutsche Parlament aus Professoren, möchte ich sagen, besteht, die unpractischste nur in Theorien lebende Menschenclasse die es giebt. Wie soll daraus etwas werden wo kein Staatsmann, kein Adliger, seinen Platz findet.“ (B, 423). Die schlimmste Nachricht, die Amalie erhielt, war, dass auch ihr geliebter Vater der Undankbarkeit seiner Untertanen ausgesetzt war. Die bürgerliche Revolution von Oldenburg ließ sie die Ereignisse vom 3. September 1843 milder beurteilen. Die damals gewährte Verfassung erschien ihr, wie auch die Demütigung des griechischen Königs, im Vergleich viel moderater.

Strafe die Oldbgr durch Deine Abwesenheit, damit sie lernen was Du ihnen bist, beschäme sie. Ich bin empört über die Oldbgr. Da waren die Griechen doch anders. Alle königl. Prärogative, die Civilliste Alles ward einstimmig. […] Hätte Otto damals mehr verlangt es wäre ihm gegeben, […] ich habe immer gesagt eine Revolution draußen wird ganz anders seyn. […] Denn hier sind die Köpfe noch nicht verdreht die Ideen noch nicht verdorben. (Β, 501)

Nationalismus als Gegengewicht zum Radikalismus

Mit Ausnahme einiger Raubüberfälle mit revolutionärem Anstrich an den Staatsgrenzen, einiger Abendessen zu Ehren der italienischen Verfassung in der Hauptstadt und eines gescheiterten Versuchs, den Kapellmeister zu bestechen, um die „Marseillaise“ zu spielen, wurde das Königreich von Unruhen verschont (Louvi, 2020, 115), wie es Amalie vorhergesagt hatte. Ihrer Meinung nach hing die Untätigkeit des griechischen Volkes in erster Linie mit der inhärenten Niedertracht der Verfassung zusammen, wie das Volk, weise wie es war, in den fünf Jahren seit der Umsetzung feststellen konnte. Sie notierte, dass in den Köpfen der Griechen Demokratie und Pöbelherrschaft identisch wären (B, 396, 407). Was die Griechen hauptsächlich begeisterte, war der nationale und nicht der soziale Inhalt der europäischen Bewegungen. Sie schienen begeistert davon zu sein, wie sich die Italiener um Viktor Emanuel II. scharten und sich nicht von Pasquale Mancinis radikalen Tendenzen mitreißen ließen. Griechische nationalistische Kreise kamen mit italienischen Revolutionären in Kontakt und suchten Unterstützung bei ihren irredentistischen Bestrebungen. Amalies Missfallen hielt sich in Grenzen. Die Erweiterung der griechischen Grenzen war eine Vision, für die auch sie brannte. Irgendwann spielte selbst Otto mit dem Gedanken, die Möglichkeit eines griechisch-italienischen Bündnisses auszuhandeln, weil er befürchtete, dass einige Hitzköpfe versuchen könnten, ihn zu umgehen (Liakos, 1985, 185-91). Amalie schreibt über diese Ängste, dass man auch Geld in Aussicht stelle und verspräche, dass das, was am 3. September nicht erreicht wurde, jetzt klappen sollte. An den Treffen und Diskussionen des griechischen Bundes, der sich Megali Adelfotita (Große Bruderschaft) nannte, würden auch Mittler des „Neuen Italiens“ teilnehmen (A, 564). Wie sie richtig erkannte, könnte der Aufstieg des Nationalismus ein Gegengewicht zur Verbreitung radikaler sozialer Theorien sein. Zu den von Britannien besetzten Ionischen Inseln schrieb sie: „Die Idee der Nationalität ist uns sehr günstig, sie ergreift die Völker u. siehe da auf den ionischen Inseln feyern sie den 25t März.“ (Β, 412).

In der Tat, wenn diese Ära der Revolutionen eine spontane philhellenische Bewegung provozieren könnte, hätte Amalie keine Einwände gehabt, den Geist der Pöbelherrschaft, der Europa erfasste erfasst hatte, gut zu finden. „Die Pforte soll nicht vergessen, daß ein Krieg zwischen ihr u. uns, 1000 von jungen Köpfen in Europa entflammen wird, u. was die Regierungen nicht thun werden, das werden die Völker thun, u. die Völker nehmen jetzt die Regierungen an´s Schlepptau.“ (B, 244). Es ist offensichtlich, dass sie nicht kalt ließ, die Königin eines aus einer Revolution geborenen Staates zu sein. Wenn es um die Große Idee ging, sah Amalie sogar Nutzen in den Revolutionsbewegungen, der Jugend und sogar der Universität, der gegenüber sie eigentlich sehr misstrauisch war. „Bald werden die Zelte der Osmanen abgebrochen werden, sie das eroberte Land, daß sie nie ganz unterjochten verlassen müssen.“ „Die Universität v. Athen verbreitet Licht u. Kenntnisse“, schrieb sie 1853 ihrem Vater voller Hoffnung (Β, 826). Ihre Bemerkung in Bezug auf die Rolle der Jugend als politisches Subjekt in der Moderne war ironischerweise prophetisch für die Zukunft ihres Herrschergeschlechts. Begeisterte Schüler und Studenten, die sogenannte Goldene Jugend, würden einige Jahre später als Anführer die Mobilisierung übernehmen, die zur Entthronung von Otto führte (Fotiadis, 1988, 417). Ab Mitte des 19. Jahrhunderts nahmen die Kundgebungen einer politisierten und dem Thron feindlich gesinnten Jugend immer mehr zu. Die Skiadika-Unruhen [Anm. d. Üb: benannt nach den Strohhüten der Insel Sifnos], Studenten- und Schülerdemonstrationen in Athen, testeten die Standhaftigkeit der königlichen Regierung. Es folgte die Ausgabe zweier Jugendzeitungen, die Mellon tis Patridos (Zukunft des Vaterlandes) und die I Nea Jenea (Die Neue Generation). Ein hitziger junger Mann, Aristidis Dossios, versuchte Amalie zu töten, als sie zu Pferd durch die Innenstadt ritt (ebd., 505-512). Diese politische Hervorhebung der Jugend beruhte auf einer linearen Wahrnehmung der Geschichte, die die jeweilige „neue Generation“ als Vertreterin des historischen Fortschritts betrachtete. „Anführer und Fahnenträger war von jeher bei allen Nationen die neue Generation“, erklärten die Herausgeber der Zeitung I Nea Jenea mit kategorischem Selbstbewusstsein. „Während des letzten Jahrhunderts hat sie [die neue Generation] die europäischen Gesellschaften reformiert, indem sie das alte Gebäude der Herrschaft und des Feudalismus bezwungen und die großen Maximen Gleichheit, Freiheit und Volkssouveränität eingeführt hat.“ (I Nea Jenea, Athen, 20.01.1862).

Das Echo der Revolutionen von 1848 erreichte Griechenland durch die politischen Flüchtlinge, die auf seinem Territorium Zuflucht suchten. Amalie war überrascht, dass einige von ihnen ihre positive Einstellung gegenüber dem königlichen Paar auf verschiedene Weise zum Ausdruck brachten. „Neul. gab ein Flüchtling ein Feuerwerk u. schrieb auf den Zettel, auf dem Platze vor der Residenz des Kgs unseres Herrn. Was das für Wiedersprüche sind, Rebellen u. Republikaner, die einen fremden König ihren Herrn nennen.“ (B, 540, 543). Amalie hielt ihre Anwesenheit für gefährlich, war jedoch gezwungen, der öffentlichen Meinung nachzugeben, die ihre Aufnahme und Pflege aus humanitären Gründen verlangte, auch als Gegenleistung für die Gastfreundschaft gegenüber griechischen Flüchtlingen nach Ausbruch der Revolution in Hellas. Offensichtlich war die Tatsache besonders wichtig, dass in Griechenland der nationale Charakter dieser Revolutionen übermäßig betont wurde, sei es in Polen oder in Italien. Amalie versuchte ihren Ministern zu erklären, dass die Revolutionäre nicht nur eindeutig und ausschließlich Kämpfer für die nationale Selbstbestimmung waren, sondern auch Mittler gefährlicher sozialer Ideologien (B, 546). In ganz Europa herrschte ungewöhnliche Motilität. Selbst in den ruhigeren Ecken Griechenland und Oldenburg tauschten Vater und Tochter Informationen über Expatriates beider Seiten aus. Amalie erwähnte, dass Schiffe durch griechische Hoheitsgewässer fuhren, die italienische Revolutionäre beförderten, Mitglieder des „Neuen Italien“, aber auch den ungarischen Patrioten Lajos Kossuth. Der Großherzog schrieb dann über die Ankunft des letzten Palatins Ungarns, der viele Hinrichtungen von Revolutionären zu verantworten hatte. Gegenüber Letzterem drückte Amalie unmissverständlich ihr Mitgefühl aus.

Der Ärmste! […] Wenn er sich doch verantworten könnte, nicht zu schweigen brauchte. In seiner Stelle würde ich verlangen vernommen zu werden wie jeder Andere, d.h. darauf bestehn. Es muß für ihn erschreckl. peinl. seyn, der Ärmste! Dann diese vielen Hinrichtungen von Leuten die ihm wohl mehr od. weniger bekannt sind müssen ihn einen schreckl. Eindruck machen. Schade daß eine größere Milde wohl nicht mögl. war, sonst hätte man sie doch gewiß eintreten lassen. (Β, 557)

Die Königin betrachtete die Monarchie in der Mitte des 19. Jahrhunderts als einen David, der gegen den Goliath der Pöbelherrschaft antrat. Jedes Aufblitzen der Wiederherstellung des alten Systems bewegte sie zutiefst, ebenso wie die Loyalitätsbekundungen gegenüber absoluten Herrschern (B, 457). Sie war empört über jeden Angriff auf Herrscherimmunität und Erbprivilegien. Sie empörte sich sogar über die Einschränkung der Zuständigkeit des Papstes außerhalb des Vatikans. Diese Empörung einer protestantischen Frau beeindruckte die Schriftstellerin und Initiatorin der schwedischen Frauenbewegung Fredrika Bremer sehr, die auf einer ihrer Reisen in den Osten die Gelegenheit hatte, sich mit Königin Amalie zu unterhalten (Bremer, 2002, Bd. 1, 251). Sie bedauerte natürlich nicht alle europäischen Herrscher. Einige von ihnen hatten die heiligen monarchischen Herrscherrechte anderer an sich gerissen, weshalb Amalie in ihrem Untergang das Wirken der göttlichen Gerechtigkeit sah. Insbesondere hat sie sich über die Entthronung „des elenden Sardenkönigs“ gefreut, „Er der nach den Kronen der Andern trachtet.“ (B, 517). Der Fall des Franzosen Louis-Philippe I.18 beunruhigte sie eher. Zwar war er nicht gänzlich von Gottes Gnaden auf den Thron gekommen, was für Amalie bedeutete, dass er ohne jegliche Selbstachtung lebte (Α, 473; Β, 173), andererseits aber erwies sich seine Einstellung zum griechischen Thron als freundlich, eine Tatsache, die ihre Abneigung abschwächte. „[…] u. selbst Louis Philipp konnte ich in meinem legitimistischen Herzen zwar nicht achten“, erklärte sie ihrem Vater, „aber dennoch war ich ihm dankbar, denn er wollte Griechenlands Wohl u. Otto´s.“ Trotzdem hat ihn die göttliche Vorsehung bestraft, was für Amalie letztendlich völlig folgerichtig war.

Welch΄ unbegreifl. Ereigniß ein Fürst der sich auf die Bourgeoisie stützte, so viel für sie that u. nun nach 17 Jahren Arbeit u. Mühe so zu Grunde gehn. Freyl. hat er seinen Thron gestohlen […], u. seine Söhne mit der Jugend erzogen, […] eben so treulos vergaß Frankreich was es ihm schulde. Die Jugend vergaß ihre königl. Mitschüler, die Armee ihre jungen, tafern, königl. Führer. (B, 387-389)

Die Völker waren also nur Marionetten der Vorsehung. Ihr eigener Wille war nicht dazu berechtigt die Herrscher von Gottes Gnaden zu stürzen. Das erledigt die Vorsehung, die durch sie handelt. Sogar über den Untergang des Stamms der Bourbonen, die Amalie für „sündig“, „morsch u. faul“ (B, 818) hielt, fragte sie sich: „Aber soll denn in der Welt die Ungerechtigkeit der Meineid siegen, wenn auch von der ganzen Nation absolvirt u. gebilligt?“ (B, 811).

Keine Fortsetzung des Herrschergeschlechts

Der Sturz ihres eigenen Mannes, fünfzehn Jahre später, war auf seine Kinderlosigkeit und die ungeduldigen irredentistischen Bestrebungen der Griechen zurückzuführen. Seine Brüder zögerten, sich selbst oder ihre Kinder nach griechisch-orthodoxem Ritus zu taufen oder es zuzulassen, dass eines von ihnen im fernen Griechenland großgezogen wurde, um die verfassungsmäßige Bedingung des Thronfolgers zu erfüllen. Für Amalie stand ihre Weigerung, ihre Schuldigkeit gegenüber der von ihr so geliebten Nation zu tun, im Widerspruch zur Selbstverleugnung ihres Mannes, der in noch schwierigeren und unsichereren Zeiten klaglos die Rolle des „Schutzherrschers“ angenommen hatte. Für sie war das Leben der Monarchen immer eine Welt der heiligen Pflichten und ewigen Gelübde, was dem berechnenden Verhalten der beiden Thronfolgerkandidaten eindeutig abging. Die Gleichgültigkeit ihres Schwiegervaters in dieser Angelegenheit machte sie ebenso wütend wie die Absprachen zwischen den Thronfolgerkandidaten, die offensichtlich gegen die Bestimmungen der griechischen Verfassung verstießen und Otto in eine peinliche Lage brachten. Verbittert von einer dermaßen unromantischen Version der Monarchie, die diese beiden Kandidaten vertraten, verteidigte Amalie zum ersten und letzten Mal die Verfassung: „Solche Familientractacte haben in const. Ländern wo die Thronfolge ein Thl. der Verfassung ausmacht keine Kraft ohne Zuziehung derer die die Verf. mit dem Könige machten.“ (B, 811).

Zu diesen Klagen kam noch die allgemeine Haltung des Münchner Hofes hinzu (A, 395, 503, 545, 549). Ludwigs philhellenische Begeisterung schien deutlich abgekühlt zu sein. Es schien, als würde er an der finanziellen Belastung nunmehr Anstoß nehmen, die ihm der griechische Thron verursachte. Er unternahm nichts, um die Zuwendungen an Otto zu sichern, die die bayerische Nationalversammlung gekürzt hatte, und war nicht willig, zu den außerordentlichen Ausgaben des griechischen Hofes beizutragen. „Sehr dankbar wird man Dein der Universität gemachtes Geschenk aufnehmen“, schrieb sie ihrem Vater. „Mein Schw V. gab —- nichts, zur Verwunderung aller weil er schon zum Bau eines Spitals zur Loskaufung von Sclaven etc. etc. meint genug gethan zu haben.“ (A, 185). Der bayerische König schien von der griechischen Realität abgeschnitten zu sein, unwissend, aber auch gleichgültig gegenüber den Schwierigkeiten seines Sohnes und der Unsicherheit seiner Position. „Ich glaube gar wir kommen un beau jour in München an u. sie [meine Schwiegermutter] ahnt nichts davon, u. wundert sich noch darüber.“ (A, 395). Der Rücktritt ihres Schwiegervaters vom bayerischen Thron im Jahr 1848 verschärfte die Entfremdung. Verbittert stellt Amalie ihren Ehemann als eine moderne Iphigenie hin, die alles geopfert hat, um den väterlichen Wunsch zu erfüllen.

Einen Thron will man. Das Haus Wittelsbach soll glänzen, aber zur Stütze dieses Thrones wollen sie nichts thun. Verhungern wir, so lassen sie uns verhungern. Schutz u. Stütze, das erwarten wir schon lange nicht mehr, aber doch wenigstens nicht immer neues Aufthürmen neuer Schwierigkeiten. (Β, 137)

Beim Referendum nach seinem Sturz erhielt Otto nur eine Stimme. Das bedeutete jedoch nicht, dass das Königreich als Institution seinen Nimbus verloren hatte, die Untertanen wollten einfach einen Personenwechsel haben. K. Stamatopoulos betont, dass die Monarchie im Einklang mit der griechischen Mentalität stand, weil sie den Staat für ein Volk personifizierte, das es gewohnt war, Einzelpersonen den Vorrang vor Institutionen einzuräumen. Aber aus dem gleichen Grund war sie auch zum Scheitern verurteilt: Weil die Forderung nach einem persönlichen Verhältnis zur Macht und die parallel dazu laufende Gleichgültigkeit gegenüber dem unpersönlichen Gesetz unweigerlich zu Dementis und Brüchen führten (Stamatopoulos, 2015, 38-45, 113).

Schlussfolgerungen

Zu Amalies Zeit war die Monarchie die übliche und zu erwartende Staatsform in Europa und auf der ganzen Welt (Louvi, 2020, 42). Ebenso verbreitet waren jedoch auch die subversiven Ideen, die „philosophisch-revolutionäre Rage“, die die Monarchie von Gottes Gnaden und alle Pfeiler, die sie stützten, bedrohte. Das erste Königspaar Griechenlands hatte die gleichen Probleme wie alle anderen Monarchen: die weit verbreitete Forderung nach einer Verfassung und nach liberalen Institutionen, die Entstehung von Parteien und die leidige Kritik der Presse, das Aufkommen einer vorlauten Jugend, die sich selbst als politisches Subjekt sah und die Universität als Ort geistiger und politischer Emanzipation betrachtete. In all diesen Angelegenheiten haben Amalies Worte eine zu erwartende Ähnlichkeit mit denen jedes anderen Vertreters des Konservatismus, der Gegenaufklärung und des Monarchismus jener Zeit. Auf der anderen Seite erkannten Otto und Amalie bald, dass Griechenland kein Königreich wie jedes andere war. Sein Ursprung war ein anderer. Die griechische Monarchie entstand durch eine Revolution und diese Revolution musste angenommen und Teil ihrer eigenen Herkunft werden. Gleiches galt für die ferne byzantinische Vergangenheit, die mit all ihren antiwestlichen Konnotationen das erste Königspaar bewegte, weil sie seine Krone wie eine denaturierte Fortsetzung der „ewigen Vergangenheit“ erscheinen ließ, auf die jede traditionelle Macht ihren Schwur leistete. Otto und Amalie waren sich bewusst, dass ihr Thron anfällig und zerbrechlich war, da ihm alle Elemente fehlten, die ihn hätten stärken können: die Tradition der Legitimität, die religiösen Bindungen zwischen Herrschern und Untertanen, der rechtmäßige Thronfolger. Sie versuchten verbindlich all diese Schwierigkeiten zu kompensieren, ein neues Hofprotokoll zu etablieren und die Institutionalisierung aller Aspekte des sozialen und politischen Lebens sicherzustellen. Drei Jahrzehnte lang bildete der Hof den Kern der neuen Gesellschaft.

Amalie erkannte die Bedeutung der Orthodoxie für die zukünftige Festigung des Herrschergeschlechts und verband sie sehr zweckmäßig mit dem byzantinisch-kaiserlichen Ideal, das sie faszinierte. Auf dieser Grundlage traf der Glaube an die Große Idee des Königspaars auf den Glauben an die Große Idee ihrer Untertanen, was der damaligen Gesellschaft eine konservative Ausrichtung gab, die Amalie tröstete, als sie bemerkte, wie die subversiven sozialen Ideen angesichts des nationalistischen Aufschwungs zurückgingen. Die Schwierigkeiten, auf die das erste Königspaar Griechenlands aufgrund der unerträglichen ausländischen diplomatischen Interventionen stieß, die die verhasste „Politik der Händler“ umsetzten, verursachte bei ihm das Syndrom der „entbrüderten“ Herrscher. Das verstärkte seine seelische Identifikation mit seinen Untertanen, die Europa oft als kulturell und politisch andersartig betrachteten. Die Vorliebe der Königin für die Einheimischen und die Freiheitskämpfer, ihr Misstrauen gegenüber den westlichen Materialisten, ihre Vorliebe für Byzanz und die Tatsache, dass sie in ihrer sehr privaten Korrespondenz begeistert über die griechisch-orthodoxe Taufe des Thronfolgers sprach, der Konstantinopel befreien würde, all das zeigt, dass sie an vielen Stellen mit ihren ärgsten konservativ-religiösen Untertanen im Anti-Westismus wetteiferte. Sie war, nach ihren eigenen Worten, eine zukünftige „Kaiserin des Ostens“, in einem „Reich, das sich aus sich selbst heraus bilde“. Die Briefe zeigen, wie König und Königin im Laufe der Zeit sich immer mehr in die Politik einmischten und die Rolle des konstitutionellen Königspaares an die eines „Schutzherrscher“ anpassten. Ihr Glaube an die Notwendigkeit, die konstitutionelle Staatsform zu verfälschen, beruhte nicht nur auf dem monarchischen Ideal, sondern auch auf den Besonderheiten der griechischen Realität.

Zusammenfassung

Die protestantische Königin Amalie kam im Alter von 18 Jahren nach Griechenland, um gemeinsam mit dem bayerisch-katholischen König Otto ein Land zu regieren, das sich nach zwölf Jahren blutigen Freiheitskampfes und Bürgerkriegs des osmanischen Jochs entledigt hatte. Die Gründung des Hauses Wittelsbach war das Ergebnis europäischen diplomatischen Handelns im breiteren Kontext der heiklen sogenannten Orientalischen Frage. Amalie unterhielt zu ihrem Vater, dem Großherzog von Oldenburg, von 1836 bis zu seinem Tod 1853 eine regelmäßige Korrespondenz.

Ihre Briefe sind tief durchdrungen von der Vorstellung einer Geschichte der Vorsehung und geben in verdichteter Form die Grundzüge des konservativen Denkens der damaligen Zeit wider. Die Umstände ihrer Zeit boten ihr viele Gelegenheiten, ihre Besorgnis über die Revolutionsbewegungen zu äußern, die Europa damals erschütterten, über Liberalismus und Konstitutionalismus und über den verhängnisvollen Einfluss von Philosophien auf den sozialen Frieden. Zur gleichen Zeit horchte die Königin auf das Echo von Säkularisierung und „ideologischer Politik“ in der griechischen Gesellschaft und zog die Vertreter traditioneller Gesinnung (Einheimische, Freiheitskämpfer) den Vertretern des westlichen Geistes (Nichteinheimische, Phanarioten, Gelehrte) vor.

Das Streben nach der Großen Idee der europäischen „Diplomatie der Händler“ zum Trotz und die Umgehung der Verfassung im Interesse der unmittelbaren Bevormundung des „unreifen Volkes“ waren die beiden Hauptpfeiler des politischen Denkens und Handelns der romantischen Königin, die davon träumte, das Byzantinische Reich wieder auferstehen zu lassen, und zu diesem Zweck freudig bereit war, ihre Kinder nach griechisch-orthodoxem Ritus zu taufen. Die griechische Krone integrierte die griechische Revolution von 1821 in ihr Stammbuch und suchte die Kontinuität zur byzantinischen Tradition. In Amalies Fantasiewelt war Otto ein „bruderloser“ europäischer Herrscher, der in sich den Mut und die Frömmigkeit des deutschen Mittelalters, die byzantinische Erhabenheit und die Widerstandstradition der Freiheitskämpfer von 1821 vereinte.

In ihrer Korrespondenz beschreibt sie die Versuche des Königspaares, ein Hofprotokoll zu gestalten, das nicht ausschließlich auf der europäischen Etikette und auf den, dem griechischen Volk fremden feudalen Traditionen basierte, sondern den Besonderheiten des Landes angepasst war. Der Königshof stand im Mittelpunkt der im Werden befindlichen neuen Gesellschaft und spielte eine institutionalisierende und homogenisierende Rolle, während er das fragile Gleichgewicht zwischen sozialen Gruppen, staatlichen Institutionen und ausländischen Akteuren aufrechterhielt.

Einzelnachweise

  1. Busse, 2011*, Bd. 1, 868 und Bd. 2, 143, 368, 584. (* Im Folgenden ist, wenn nicht anders vermerkt, diese Arbeit gemeint – die Orthographie folgt stets dem Original.)
  2. Alle Zitate folgen den Originalen mitsamt ihren Auslassungen, Streichungen, Fehlern etc.
  3. Die 2. Resolution über Nichteinheimische, die für viele wichtiger war als die Verfassung selbst, schloss diejenigen, die außerhalb der Grenzen des griechischen Staates geboren waren, vom öffentlichen Dienst aus.
  4. Zu den Militäreliten vgl. Papageorgiou, 2000, Kapitel 4.
  5. Politis, 2008, 74-6. Zu Ludwig siehe auch die Kapitel: „Das Land der Griechen mit der Seele suchend: Ludwig I. von Bayern und der Philhellenismus“ und „Griechenland in Bayern: Die Bauten König Ludwigs I.“ in: Seidl, 1984.
  6. Die Phanarioten waren griechisch-orthodoxe Würdenträger des Osmanischen Reiches. Ab dem 18. Jahrhundert wurden sie auch zu Gospodaren der Walachei und der Moldau ernannt. Nach dem Ausbruch der griechischen Revolution wurden viele Phanarioten hingerichtet. Einige, die entkommen konnten, nahmen am Befreiungskampf teil, während andere nach der Befreiung des Landes nach Griechenland kamen und – dank Bildung, Ausbildung, Verbindungen und politischer Erfahrung – Staatsposten einnahmen, was die Einheimischen aufbrachte. Zum Groll gegenüber den Phanarioten während Ottos Regentschaft vgl. Tsakanika, 2019, 175-215.
  7. Die griechische Große Idee (griechisch: Megáli Idéa) war die Vision der territorialen Expansion und Befreiung der „nicht erlösten“ Griechen außerhalb des damaligen Territoriums; sie beherrschte die Gedanken und Sehnsüchte der Griechen für ein ganzes Jahrhundert nach der Gründung des neugriechischen Staates (S. Skopetea, 1988, 249-309 und Karafoulidou, 2018, 229-249.)
  8. Α, 813. Vgl. auch: Α, 202, 381, 437, 441, 445, 465, 571, 823 und Β, 57, 68, 146, 483, 786.
  9. Vgl. das Kapitel „Otto König der Hellenen: Die Regierung Ottos bis zur Verfassung 1844“ / „Das Problem der Orthodoxie“ in Seidl, 1984, 173.
  10. Α, 200. Agathangelos ist ein Buch mit Prophezeiungen, man weiß nicht einmal von ihm, in welchem ​​Jahrhundert es verfasst wurde; mehrere Neuveröffentlichungen beinhalten spätere Ergänzungen. Das Werk war der Trost der griechischen Nation nach dem Untergang des Byzantinischen Reiches; es sagte mit russischer Hilfe das Ende der osmanischen Herrschaft voraus und warnte vor den Gefahren des ketzerischen Westens (Hering, 2004, 221). Bekannt geworden war es noch vor der griechischen Revolution; während der Orlow-Revolte [Anm. d. Üb.: einem Vorboten der Griechischen Revolution] auf dem Peloponnes im 18. Jahrhundert beriefen sich Mönche und Geistliche darauf und setzten ihre Hoffnungen auf Befreiung auf die „blonde Rasse”, die russischen Glaubensbrüder (Rotzokos, 2007, 255-6). Königin Amalie war sich der Prophezeiung bewusst, wonach 1840 die Verwirklichung der Großen Idee eintreten würde. Wegen dieser Prophezeiung gab es zwischen 1837 und 1838 vier Neuauflagen des Agathangelos (Matalas, 2003, 54).
  11. Α, 741,792, 816, 827-29, 840, 864 und Β, 96, 125, 258 , 267, 269, 275, 295, 297, 301, 309, 316,343, 352.
  12. Zum Gefühl der „Bruderlosigkeit” und zur Feindseligkeit des Westens gegenüber den zeitgenössischen Griechen vgl. Skopetea, 1999.
  13. „rage philosophico-revolutionnaire” (McMahon, 2002, 95-106).
  14. Otto war minderjährig, als er in Griechenland ankam, begleitet von einem fünfköpfigen Regentschaftsrat. In dieser Zeit wurden harte Maßnahmen ergriffen, wie die Auflösung der während der Revolution glorreichen und verehrten Freischärlerverbände, die Auflösung vieler Klöster (die unter anderem als Zentren pro-russischer Propaganda galten), der Feldzug in Mani, die Einführung der Guillotine usw. (vgl. z.B. Evangelidis 2003, 45, 57, 78-84).
  15. Mme de Stӓel, Considérations sur la Révolution française, Hrg. Jacques Godechot, Paris, Tallandier, 1983, 275-76, zitiert nach Yalom, 2009, 223-224.
  16. Die Rede ist von Napoleon III., dem Neffen von Napoleon Bonaparte; bis zur Revolution von 1848 lebte er fernab von Frankreich im Exil, schickte sich dann aber an, der revolutionären Regierung seine Dienste anzubieten, und erreichte, zum Präsidenten der Republik gewählt zu wurden – die er später abschaffte, um sich selbst zum Kaiser zu erklären.
  17. Die Rede ist hier von Lola Montez. Dieser Fall löste heftige Reaktionen bei den Regierungsmitgliedern, Geistlichen, Professoren und Studenten aus. Um die Wut der Bevölkerung zu besänftigen, dankte Ludwig I. von Bayern ab (vgl. Fotiadis, 1988, 141-145).
  18. Louis-Philippe wurde nach der Julirevolution von 1830, die Karl X. stürzte, zum König ernannt. Zugänglich für seine Untertanen wurde er als Bürgerkönig (roi-citoyen) bekannt und vom Mittelstand getragen.

Erwähnte Literatur

Τα πολιτικά Κόμματα στην Ελλάδα 1821-1936
Gunnar Hering (Autor*in), Θόδωρος Παρασκευόπουλος (Übersetzer*in)
2004
Βαυαροί στην Ελλάδα: Η γένεση του νεοελληνικού κράτους και το καθεστώς του Όθωνα
Wolf Seidl (Autor*in), Δημήτριος Ηλιόπουλος (Übersetzer*in)
1984
Enemies of the Enlightenment: The French Counter-Enlightenment and the Making of Modernity
Darrin M. McMahon (Autor*in)
2002
O Εθνικισμός
Elie Kedourie (Autor*in), Σπύρος Μαρκέτος (Übersetzer*in), Παντελής Λέκκας (Herausgeber*in)
1999
The Four Horsemen Riding to Liberty in Post-Napoleonic Europe
Richard Stites (Autor*in)
2014
«…της μεγάλης ταύτης ιδέας…». Όψεις της εθνικής ιδεολογίας 1770–1854
Βίκυ Καραφουλίδου (Autor*in)
2018
Έθνος και Ορθοδοξία: οι περιπέτειες μιας σχέσης. Από το «ελλαδικό» στο βουλγαρικό σχίσμα
Παρασκευάς Ματάλας (Autor*in)
2002
Όθων και η ρωμαντική δυναστεία
Ζαχαρίας Παπαντωνίου (Autor*in)
1997
Όθωνας. Η έξωση
Δημήτρης Φωτιάδης (Autor*in)
1988
Αγωνιστές του ’21 μετά την Επανάσταση
Ελισσάβετ Τσακανίκα (Autor*in)
2019
Αι τελευταίαι ημέραι της βασιλείας του Όθωνος
Θεόδωρος Γενναίου Κολοκοτρώνης (Autor*in)
1881
Αφαίρεση και εμπειρία. Μια φορμαλιστική θεώρηση του ιδεολογικού φαινομένου
Παντελής Λέκκας (Autor*in)
2012
Εθναφύπνιση και εθνογένεση. Ορλωφικά και ελληνική ιστοριογραφία
Νίκος Ροτζώκος (Autor*in)
2007
Η Ελλάδα και οι Έλληνες την εποχή του Όθωνα. Μια χειμερινή παραμονή και μια καλοκαιρινή περιπλάνηση το 1859
Fredrica Bremer (Autor*in), Μαρία Κυριακίδου (Übersetzer*in), Θεοδόσης Πυλαρινός (Herausgeber*in)
2002
Η Ελλάδα του Όθωνος: η σύγχρονη Ελλάδα 1854
Edmond About (Autor*in), Απόστολος Σπήλιος (Übersetzer*in)
1970
Η Εποχή των Επαναστάσεων
Eric J. Hobsbawm (Autor*in), Μαριέτα Οικονομοπούλου (Übersetzer*in), Αγλαΐα Κάσδαγλη (Übersetzer*in)
1992 [1962]
Η Ευρώπη των Ελλήνων. Πρότυπο, απειλή, προστάτις 1833-1857
Λίνα Λούβη (Autor*in)
2020
Η Πολιτειακή Μεταβολή του 1843 και το Ζήτημα των Αυτοχθόνων και Ετεροχθόνων
Ιωάννης Δημάκης (Autor*in)
1991
Η ιταλική ενοποίηση και η Μεγάλη Ιδέα
Αντώνης Λιάκος (Autor*in)
1985
Η πολιτική ως κάλεσμα και επάγγελμα
Max Weber (Autor*in), Κώστας Κουτσουρέλης (Übersetzer*in), Θάνος Σαμαρτζής (Herausgeber*in)
2019
Θέματα Νεότερης Ελληνικής Ιστορίας
Στέφανος Παπαγεωργίου (Autor*in)
2000
Ιστορία του Όθωνος βασιλέως της Ελλάδος 1832 - 1862. Κατά τας νεωτέρας πηγάς ξένων τε και ημετέρων ιστορικών
Τρύφων Ευαγγελίδης (Autor*in)
2003
Καποδίστριας και Όθων
Δημήτριος Ν. Βερναρδάκης (Autor*in)
1970
Κατά της Γαλλικής Επαναστάσεως
Joseph de Maistre (Autor*in), Τάκης Αθανασόπουλος (Übersetzer*in)
1999
Νεότερη Ελλάδα. Από τον πόλεμο της ανεξαρτησίας μέχρι τις μέρες μας
Thomas W. Gallant (Autor*in)
2017
Ο καιρός των καταιγίδων. Η Γαλλική Επανάσταση στη μνήμη των γυναικών: αριστοκράτισσες, αστές και χωρικές αφηγούνται
Marilyn Yalom (Autor*in), Εύη Κλαδούχου (Übersetzer*in)
2009
Παλαιαί Αθήναι- Βασίλισσα Αμαλία
Γ. Β. Τσοκόπουλος (Autor*in)
1905
Παραδοσιακή επανάσταση και Εικοσιένα
Νίκος Κοταρίδης (Autor*in)
1993
Παραστάσεις του Ηγεμόνα- Κηδεμόνα
Νίκος Ροτζώκος (Autor*in)
1995
Περί της βασιλείας στη νεότερη Ελλάδα
Κώστας Σταματόπουλος (Autor*in)
2015
Πολιτική και συγκρότηση κράτους στο ελληνικό βασίλειο
John A. Petropulos (Autor*in), Νικηφόρος Διαμαντούρος (Herausgeber*in)
1997
Ρομαντικά Χρόνια
Αλέξης Πολίτης (Autor*in)
2008
Το «πρότυπο βασίλειο» και η Μεγάλη Ιδέα. Όψεις του εθνικού προβλήματος στην Ελλάδα (1830-1880)
Έλλη Σκοπετέα (Autor*in)
1988
Φαλμεράϋερ. Τεχνάσματα του αντιπάλου δέους
Έλλη Σκοπετέα (Autor*in)
1997
Ανέκδοτες επιστολές της βασίλισσας Αμαλίας στον πατέρα της, 1836-1853
Βασίλισσα Αμαλία (Autor*in), Βάνα Μπούσε (Herausgeber*in, Übersetzer*in), Μίχαελ Μπούσε (Herausgeber*in, Übersetzer*in)
2011
Οι ιστοριογραφικές οφειλές των Σπ. Ζαμπέλιου και Κ. Παπαρρηγόπουλου. Η συμβολή Ελλήνων και ξένων λογίων στη διαμόρφωση του τρισήμου σχήματος του ελληνικού ιστορισμού (1782-1846)
Γιάννης Κουμπορλής (Autor*in)
2012

Galerie

Zitierweise

Elissavet Tsakanika, »Die Briefe der Königin Amalie von Griechenland an ihren Vater in Oldenburg: monarchisches Ideal und griechische Realität«, in: Alexandros-Andreas Kyrtsis und Miltos Pechlivanos (Hg.), Compendium der deutsch-griechischen Verflechtungen, 09.05.2022, URI: https://comdeg.eu/compendium/essay/110657/.

Metadaten

Essaytyp Mikrogeschichte
Lizenz CC BY-NC-ND 4.0
Sprache Deutsch, übersetzt aus dem Griechischen von Athanassios Tsingas

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