Die Essays des Compendiums gliedern sich in Mikrogeschichten (narrative Detailuntersuchungen und Fallanalysen), Makrovorgänge (Praktiken und Netzwerke, Policies und Strukturen), Metanarrative (Konzepte, Deutungsmodelle, Stereotype) und Präsentationen (etwa Projektvorhaben bzw. Rezensionen).
Die enzyklopädischen Artikel liefern Kurzporträts von Personen, Institutionen, Medien, Objekten und Orten der deutsch-griechischen Verflechtungen.
In den Dossiers werden ausgewählte Essays und Artikel so zusammengebracht, dass sie eine kompakte Übersicht über bestimmte thematischen Schwerpunkte geben.
Neue Essays
Philhellenismus im Zeichen der Finanzkrise 2008
Der Philhellenismus stricto sensu, als Bewegung zur Unterstützung des griechischen Befreiungskampfes gegen die Osmanen, ist nur als eine Variante eines transepochalen Phänomens zu betrachten, das von der Antike bis zur Gegenwart reicht, und dessen wesentliches Merkmal die Idealisierung Griechenlands (hauptsächlich, doch nicht unbedingt, des antiken) ist. Insofern können auch Grass’ Gedicht Europas Schande oder Grünbeins Gedicht Auf der Akropolis als philhellenisch gelten, so wie der bewunderungsvolle Blick der italienischen alternativen Linken auf SYRIZA, in der sie die anderswo verlorengegangene Authentizität des politischen Engagements gesehen hat. Allen diesen Texten bzw. Positionierungen ist die Unfähigkeit oder gar das Desinteresse gemein, sich mit dem realen Griechenland auseinanderzusetzen, das in einer mehr oder weniger expliziten Weise als Produkt des Verfalls eines antiken oder klassischen, auf jeden Fall mythologisierten Perfektionsideals verurteilt wird – wie es selbst bei einer so realistisch versierten Autorin wie Wolf in ihrem literarischen Kassandra-Projekt überraschenderweise der Fall ist.
Υπότροφοι καλλιτέχνες του Πανελλήνιου Ιερού Ιδρύματος Ευαγγελιστρίας Τήνου στο Μόναχο (δεύτερο μισό του 19ου και πρώτο μισό του 20ού αιώνα)
Στο τρέχον δοκίμιο αναπτύσσεται το φαινόμενο του καλλιτεχνικού δικτύου που δημιουργήθηκε κατά το δεύτερο μισό του 19ου αιώνα και στις αρχές του 20ού μεταξύ Αθήνας και Μονάχου, από τους υποτρόφους καλλιτέχνες του Πανελλήνιου Ιερού Ιδρύματος Ευαγγελιστρίας Τήνου. Μέσα από την αλληλογραφία των υποτρόφων με το Ίδρυμα, αποκαλύπτονται οι συνθήκες διαβίωσης, οι σχέσεις των καλλιτεχνών μεταξύ τους, η σύνδεση με την ελληνική κοινότητα του Μονάχου, αλλά και η σχέση μεταξύ των υποτρόφων και του Ιδρύματος. Η μετατόπιση του καλλιτεχνικού κέντρου από τη Ρώμη στο Μόναχο διαφαίνεται ήδη με τα πρώτα εγγυητικά συμφωνητικά που υπογράφονται έπειτα από το Βασιλικό Διάταγμα του 1862 με το οποίο το Πανελλήνιο Ιερό Ίδρυμα Ευαγγελιστρίας Τήνου χορηγεί καλλιτεχνικές υποτροφίες τόσο εσωτερικού αλλά κυρίως εξωτερικού. Ανάμεσα στους πρώτους υποτρόφους που προσανατολίστηκαν στη βαυαρική πρωτεύουσα ήταν ο Νικόλαος Γύζης (1842–1901), ο Γιαννούλης Χαλεπάς (1851–1938), ο Γεώργιος Βιτάλης (1838–1901), ο Δημήτριος Γεωργαντάς (1851–1933). Το σύνολο της αλληλογραφίας αποκαλύπτει τις προσδοκίες του Ιδρύματος στο να έχει ενεργή συμμετοχή σε καλλιτεχνικά ζητήματα, αλλά και τις πολιτικές προεκτάσεις που υπήρχαν πίσω από την επιλογή του εκάστοτε υποτρόφου. Από την παρέμβαση του Νικόλαου Νάζου για την κατοχύρωση της υποτροφίας του Νικόλαου Γύζη μέχρι το περιστατικό της μη πληρωμής των τριμηνιών του Νικόλαου Λύτρα, διαφαίνεται το πολιτικό καθεστώς του Ιδρύματος και το μέγεθος της σημασίας των υποτροφιών. Καθώς το Ίδρυμα βρισκόταν σε άμεση σχέση με την εκάστοτε κεντρική κυβέρνηση, διαφαίνεται η παρεμβατική του δράση.
Narrative deutsch-griechischer Verflechtungen auf der documenta 14
Der Essay bietet eine mikrohistorisch dimensionierte Annäherung an die Ausstellung zeitgenössischer Kunst documenta 14 in Athen und Kassel. Als Ausgangspunkt wählt der Text dafür in der Ausstellung etablierte Narrative deutsch-griechischer Verflechtungen und analysiert die kuratorischen und diskursiven Maßnahmen, mit denen sich die Wahl Athens als ein dem traditionellen Ausstellungssitz Kassel ebenbürtiger Veranstaltungsort begründen ließ. Den Begriff der Gastfreundschaft, den die Ausstellung angesichts des unerwarteten Zusammengehens der beiden Städte ausgearbeitet hatte, wird hier als Modell kultureller Verflechtungen interpretiert. Aus diesem Blickwinkel heraus wird die Präsentation der Sammlung des Nationalmuseums für Zeitgenössische Kunst Athen im Fridericianum Kassel, aber auch die Installation The Welcoming Gate (2017) von Zafos Xagoraris untersucht, der die sehr eigentümliche Konstellation von Kriegsgefangenschaft und Gastfreundschaft zugleich in den Vordergrund rückte, die etwa 7.000 griechische Soldaten während des Ersten Weltkriegs in Görlitz erlebten.
Im zweiten Teil des Essays wird die Art und Weise untersucht, mit der die Ausstellung an die Geschichte der deutsch-griechischen Beziehungen herangegangen ist. Das Narrativ, das die documenta 14 entwickelte, zeigte die kolonialistisch eingefärbte Prägung auf, mit der seit Mitte des 18. Jahrhunderts Deutschland (und Westeuropa generell) in Verbindung mit dem antiken und auch modernen Griechenland trat. Dabei räumte die Ausstellung der deutschen bzw. westeuropäischen Perspektive den Vorrang ein und behielt damit a priori die Asymmetrien und hierarchischen Setzungen einer einseitigen Annäherung bei. Gleichzeitig wurde die Darstellung der deutsch-griechischen Verflechtungen bewusst der Achse Kassel–Athen angepasst und damit eine lokale, subnationale und regionale kulturgeschichtliche Sicht in Vorschlag gebracht, welche die üblicherweise auf die Zentren München und Berlin gelegte Emphase umakzentuierte. Indemeine Sektion der Ausstellung in der Neuen Galerie genauerer Betrachtung unterzogen wurde, wurden schließlich die spezifischen Modalitäten analysiert, mit denen die geschichtlichen Gegebenheiten kuratorisch aufgearbeitet worden sind. Die Erschaffung sich räumlich konkretisierender Narrative, mit denen Bilder, Textausschnitte und Archivmaterial zueinander in Bezug gesetzt wurden, vollzog sich auf der Basis von Konnektionen, die sich nicht zu kausalen und zeitlich-historischen Zusammenhängen fügten, sondern sich assoziativ zwischen den Exponaten ergaben und mehrere Zeithorizonte zugleich eröffneten. Diese Mechanik setzte eine Verflechtungsgeschichte in Szene, die sich am Wandel der Maßstäbe orientierte, auf freier narrativer Verknüpfung aufbaute und sich auf eine Vielzahl zeitlicher Bezugnahmen stützte.
Übersetzung aus dem Griechischen: Joachim Winkler
Neue Artikel
Jorgos Busianis
Jorgos Busianis (1883–1959) war ein moderner Maler, der hauptsächlich in Griechenland und Deutschland wirkte. Er lebte und arbeitete in Athen, Berlin, München und Paris und prägte die griechischeInez Diller-Sellschopp
Inez Diller-Sellschopp (1897–1981) war eine deutsche Philologin und Übersetzerin neugriechischer Literatur. Geboren in San Francisco als Tochter des Briefmarkenhändlers Wilhelm Sellschopp, kehrRudolf Fahrner
Rudolf Fahrner (1903–1988) war ein deutscher Germanist, der zwischen 1941 und 1944 die Leitung des Deutschen Wissenschaftlichen Instituts (DWI) in Athen innehatte. Nach dem Abitur in Linz stuNeue Dossiers
Die deutsch-griechischen Verflechtungen zur Zeit König Ottos
In keiner Phase der jüngeren und jüngsten Geschichte Griechenlands hat die Einführung staatlicher Institutionen zu einer vergleichbaren gesellschaftlichen und kulturellen Transformation beigetragen wie in den drei Jahrzehnten unter der Herrschaft von König Otto.
Die deutschen Philhellenismen
Das Dossier umfasst verschiedene Felder der deutsch-griechischen Verflechtungen, die bislang für gewöhnlich unter dem einheitlichen Begriff des deutschen Philhellenismus (bzw. des Mishellenismus) subsummiert wurden. Den ersten Angelpunkt der Konferenz bildet die Neubewertung der Rezeptionen von 1821 in den deutschsprachigen Ländern und die Mobilisierung, die sie in Verbindung mit den politischen Bewegungen nördlich der Alpen hervorriefen. In diesen Bewegungen waren freilich von vornherein eine politische und eine kulturelle Komponente miteinander verflochten, die politische Bewegung des Philhellenismus und die aus der einschlägigen Literatur bekannte „Tyrannei Griechenlands über Deutschland“. Selbstverständlich darf die Rolle der griechischen Gemeinden des deutschsprachigen Raumes in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden. Den zweiten Angelpunkt bildet die Untersuchung der Transformationen, die diese politisch-kulturelle Verflechtung in den 200 Jahren nach dem Ausbruch der Griechischen Revolution erfuhr.
Deutsch-griechische Verflechtungen vom Deutschen Kaiserreich bis zum Einmarsch der Wehrmacht in Griechenland
Die Sehnsucht der gebildeten Deutschen nach dem, was sie als die Wiege ihrer persönlichen und gesellschaftlichen Identität ansahen, blieb auch in diesen Jahren unvermindert, während sich die Griechen, die auf dem Wege der Bildung zu gesellschaftlicher Reputation gelangen wollten, hauptsächlich (wenn auch nicht ausschließlich) durch die Augen der Deutschen sahen.
