Compendium

Die Essays des Compendiums gliedern sich in Mikrogeschichten (narrative Detailuntersuchungen und Fallanalysen), Makrovorgänge (Praktiken und Netzwerke, Policies und Strukturen), Metanarrative (Konzepte, Deutungsmodelle, Stereotype) und Präsentationen (etwa Projektvorhaben bzw. Rezensionen).
Die enzyklopädischen Artikel liefern Kurzporträts von Personen, Institutionen, Medien, Objekten und Orten der deutsch-griechischen Verflechtungen.
In den Dossiers werden ausgewählte Essays und Artikel so zusammengebracht, dass sie eine kompakte Übersicht über bestimmte thematischen Schwerpunkte geben.

Neue Essays

Deutsche Lieder in Sammlungen von Alexandros Rangavis, Alexandros Katakouzinos und Anastassios Maltos um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert

Zur Zeit des griechischen Unabhängigkeitskrieges von 1821 fungierten zahlreiche flammende Gedichttexte aus der Feder gebildeter Griechen, die sie bekannten westlichen Melodien unterlegt hatten, als wichtiger nationalrevolutionärer Mechanismus, der großen Widerhall in der breiteren griechischsprachigen Öffentlichkeit fand. Einen beträchtlichen Anteil daran hatten Lieder deutscher Herkunft. Noch bis Ende des 19. Jahrhunderts zirkulierten sie ununterbrochen in Anthologien, Zeitungen, Unterrichtshandbüchern und Blattausgaben. Im Lauf der Zeit wurde ihre prononciert nationale Thematik um romantisch-lyrische Dichtung erweitert, die in gewohnter Weise überwiegend deutschen Volksmelodien und Liedern berühmter deutscher Komponisten angepasst war. Der Beitrag der im Druck erschienenen Anthologien der drei Intellektuellen und Gelehrten Alexandros Rangavis, Alexandros Katakouzinos und Anastassios Maltos an der Verbreitung deutscher Musik vornehmlich der Romantik in Griechenland ist sowohl im Bildungs- wie im Unterhaltungsbereich von entscheidender Bedeutung gewesen. Stets dabei den historischen Rahmen der damaligen Zeit im Auge, untersucht der vorliegende Essay anhand charakteristischer Beispiele zum einen den Inhalt dieser Anthologien und zum anderen deren Beitrag zur musikalischen Kultivierung Griechenlands durch fördernde Verbreitung deutscher Musik der Romantik.

Übersetzung aus dem Griechischen: Joachim Winkler

Die Dynastie der Wittelsbacher und die griechische Geschichte: Erinnerungspolitik und Legitimationsstrategien

Sowohl in Bayern als auch in Griechenland betrieben die Dynastie der Wittelsbacher und vor allem Ludwig I. eine der Legitimation der Monarchie dienende Erinnerungspolitik. In München wurde die Geschichte des modernen Griechenland in der Residenz und in den Propyläen als Teil der Geschichte der Dynastie dargestellt, während Otto als König in Athen daran ging, sich durch eine Reihe symbolischer Akte selbst zu einem Teil der griechischen Nationalgeschichte zu machen. So führte Otto die Fustanella als offizielles Gewand der Dynastie ein, nahm an Gedenkfeiern für die Helden der Revolution teil und ließ einen Palast erbauen, der mit Bildwerken ausgeschmückt wurde, welche Ereignisse aus der Geschichte des griechischen Unabhängigkeitskampfes zeigten, um sich so als rechtmäßiger Erbe von 1821 zu inszenieren. Seine Gestalt wurde mit der griechischen Antike und ihren materiellen Überresten, als deren Verwalter und Beschützer Otto auftrat, in Verbindung gebracht, aber auch mit der Erinnerung an den Thron von Konstantinopel, den er im Sinne der Megali Idea besteigen sollte. Dennoch führten die politischen Auseinandersetzungen, die Aufstände und die akute Opposition gegen Otto zu Schwankungen seiner politischen Legitimation und schließlich dazu, dass die historische Erinnerung an ihn durch markante Topoi und Ereignisse geprägt wurde, die letztlich nur deutlich machten, wie sehr er in Zweifel gestellt wurde.

Übersetzung aus dem Griechischen: Dennis Püllmann

Die Dynastie der Wittelsbacher und die griechische Geschichte: Erinnerungspolitik und Legitimationsstrategien

Sowohl in Bayern als auch in Griechenland betrieben die Dynastie der Wittelsbacher und vor allem Ludwig I. eine der Legitimation der Monarchie dienende Erinnerungspolitik. In München wurde die Geschichte des modernen Griechenland in der Residenz und in den Propyläen als Teil der Geschichte der Dynastie dargestellt, während Otto als König in Athen daran ging, sich durch eine Reihe symbolischer Akte selbst zu einem Teil der griechischen Nationalgeschichte zu machen. So führte Otto die Fustanella als offizielles Gewand der Dynastie ein, nahm an Gedenkfeiern für die Helden der Revolution teil und ließ einen Palast erbauen, der mit Bildwerken ausgeschmückt wurde, welche Ereignisse aus der Geschichte des griechischen Unabhängigkeitskampfes zeigten, um sich so als rechtmäßiger Erbe von 1821 zu inszenieren. Seine Gestalt wurde mit der griechischen Antike und ihren materiellen Überresten, als deren Verwalter und Beschützer Otto auftrat, in Verbindung gebracht, aber auch mit der Erinnerung an den Thron von Konstantinopel, den er im Sinne der Megali Idea besteigen sollte. Dennoch führten die politischen Auseinandersetzungen, die Aufstände und die akute Opposition gegen Otto zu Schwankungen seiner politischen Legitimation und schließlich dazu, dass die historische Erinnerung an ihn durch markante Topoi und Ereignisse geprägt wurde, die letztlich nur deutlich machten, wie sehr er in Zweifel gestellt wurde.

Übersetzung aus dem Griechischen: Dennis Püllmann

Neue Artikel

Armin KerkerArmin Kerker (1943–1992) war ein deutscher Journalist, Schriftsteller und Übersetzer neugriechischer Literatur. Nach dem Studium der Germanistik, Philosophie, Theaterwissenschaften, Byzantinisti
Ερνστ Μάγερ O Ερνστ Μάγερ (1898-1975) ήταν Γερμανός ιστορικός, o οποίος τη δεκαετία του 1920 μετέφρασε τον πρώτο από τους τέσσεριÏ
Άντολφ Έντλερ

Neue Dossiers

Die deutsch-griechischen Verflechtungen zur Zeit König Ottos

In keiner Phase der jüngeren und jüngsten Geschichte Griechenlands hat die Einführung staatlicher Institutionen zu einer vergleichbaren gesellschaftlichen und kulturellen Transformation beigetragen wie in den drei Jahrzehnten unter der Herrschaft von König Otto.

Die deutschen Philhellenismen

Das Dossier umfasst verschiedene Felder der deutsch-griechischen Verflechtungen, die bislang für gewöhnlich unter dem einheitlichen Begriff des deutschen Philhellenismus (bzw. des Mishellenismus) subsummiert wurden. Den ersten Angelpunkt der Konferenz bildet die Neubewertung der Rezeptionen von 1821 in den deutschsprachigen Ländern und die Mobilisierung, die sie in Verbindung mit den politischen Bewegungen nördlich der Alpen hervorriefen. In diesen Bewegungen waren freilich von vornherein eine politische und eine kulturelle Komponente miteinander verflochten, die politische Bewegung des Philhellenismus und die aus der einschlägigen Literatur bekannte „Tyrannei Griechenlands über Deutschland“. Selbstverständlich darf die Rolle der griechischen Gemeinden des deutschsprachigen Raumes in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden. Den zweiten Angelpunkt bildet die Untersuchung der Transformationen, die diese politisch-kulturelle Verflechtung in den 200 Jahren nach dem Ausbruch der Griechischen Revolution erfuhr.

Deutsch-griechische Verflechtungen vom Deutschen Kaiserreich bis zum Einmarsch der Wehrmacht in Griechenland

Die Sehnsucht der gebildeten Deutschen nach dem, was sie als die Wiege ihrer persönlichen und gesellschaftlichen Identität ansahen, blieb auch in diesen Jahren unvermindert, während sich die Griechen, die auf dem Wege der Bildung zu gesellschaftlicher Reputation gelangen wollten, hauptsächlich (wenn auch nicht ausschließlich) durch die Augen der Deutschen sahen.