Compendium

Die Essays des Compendiums gliedern sich in Mikrogeschichten (narrative Detailuntersuchungen und Fallanalysen), Makrovorgänge (Praktiken und Netzwerke, Policies und Strukturen), Metanarrative (Konzepte, Deutungsmodelle, Stereotype) und Präsentationen (etwa Projektvorhaben bzw. Rezensionen).
Die enzyklopädischen Artikel liefern Kurzporträts von Personen, Institutionen, Medien, Objekten und Orten der deutsch-griechischen Verflechtungen.
In den Dossiers werden ausgewählte Essays und Artikel so zusammengebracht, dass sie eine kompakte Übersicht über bestimmte thematischen Schwerpunkte geben.

Neue Essays

Der versteinerte Kaiser. Kulturtransfers zwischen deutscher und griechischer Nationalromantik

Die mittelalterliche Sage des schlafenden letzten Kaisers war eine gemeinsame, gelehrte wie volkstümliche Überlieferung des östlichen wie des westlichen christlichen Mittelalters. Etwas Entsprechendes kann auch für die neueren Umformungen und Instrumentalisierungen der Sage im Rahmen der deutschen und griechischen Nationalromantik behauptet werden. Zu den bedeutendsten Stationen auf diesem Wege kann man im ersten Fall die Aufzeichnung der Sage als Deutsche Sage durch die Brüder Grimm (1816), das gleichzeitige (1817) emblematische Gedicht Barbarossa von Friedrich Rückert, die Übernahme des Motivs durch Kaiser Wilhelm I., der unter dem Beinamen Barbablanca als Verkörperung und Erfüllung der Sage erschien, und schließlich den Bau und die Einweihung des entsprechenden Denkmals bei der Kyffhäuser-Burg (1896) zählen. Bedeutende Stationen auf dem Weg, den der „Versteinerte Kaiser“ in Griechenland zurücklegte, war die Veröffentlichung der gleichnamigen, kommentierten „Volksüberlieferung“ durch Nikolaos Politis (1904) sowie auch, früher, das Gedicht von Jeorjios Vizyinos mit dem Titel „Der letzte Palaiologos“ (1883) wie auch allgemein die Ausstattung des griechischen Thronfolgers Konstantinos, auch mittels der Sage, mit dem Titel Konstantinos XII. In beiden Fällen wurde der moderne Weg des Symbols durch dessen Verweltlichung und die stillschweigende Entledigung von seinen ursprünglichen eschatologischen Konnotationen charakterisiert. In dem Essay werden die parallelen Verwendungen des Motivs, aber auch die bestehenden Verflechtungen und kulturellen Transfers zwischen dem deutschen und dem griechischen Fall skizziert sowie die komplexe Beziehung zwischen vormodernen Überlieferungen und modernen Verwendungen. Gleichzeitig wird die Interpretation nicht nur der Analogien, sondern auch der Unterschiede unternommen: Wenn der Mythos für Deutschland nach 1871 eine abgeschlossene politische Realität legitimierte, symbolisierte und verdichtete sie für die griechische Ideologie der Megali Idea das Gewünschte.

Übersetzung aus dem Griechischen: Ulf-Dieter Klemm

Der Einmarsch der Wehrmacht in Griechenland (April-Mai 1941)

Der Einmarsch der Wehrmacht in Griechenland während des Zweiten Weltkriegs – und die anschließende Besatzungszeit – stellt in der neueren Geschichte den größten Bruch in den traditionell guten Beziehungen zwischen Griechenland und Deutschland dar. Das Metaxas-Regime hatte bis zum Vorabend des Krieges versucht, diese freundschaftlichen Beziehungen (vor allem die wirtschaftlichen und kulturellen) aufrechtzuerhalten, um eine militärische Konfrontation mit dem Dritten Reich zu vermeiden, ohne jedoch das außenpolitische Bündnis mit Großbritannien in Frage zu stellen. Hitlers Eingreifen mit den Unternehmen Marita und Merkur, zu einer Zeit, als es in erster Linie um den Angriff gegen die Sowjetunion ging, sollte nicht nur die Ehre der Achsenmächte in Griechenland nach der Niederlage der Italiener retten, sondern auch die Briten aufhalten, die versuchten, die Kontrolle über Kreta zu behalten. Die strategischen Pläne Nazideutschlands erforderten die Sicherung der weiteren Region vor Beginn des Unternehmens Barbarossa. Der Einsatz zahlreicher eigentlich für die Ostfront vorgesehener Eliteeinheiten auf dem Balkan und insbesondere im Griechenlandfeldzug und der unerwartet starke griechische Widerstand, auf den die deutschen Truppen stießen, sowie die Verluste in der „Schlacht der Festungen“ und der „Schlacht um Kreta“, erzwangen nicht nur den späten Start der deutschen Offensive gegen die Sowjetunion, sondern brachten auch die strategische Planung der NS-Führung durcheinander. Diese Dokumentation stützt sich bei der Beantwortung dieser Fragen auf offizielle deutsche Militärakten, Kopien, die das Forschungszentrum für Neuere Griechische Geschichte (Κέντρο Ερεύνης της Ιστορίας του Νεωτέρου Ελληνισμού – KEINE) der Akademie von Athen besitzt; sie befinden sich in der dortigen Sammlung unter dem Sammelbegriff German Seized Records (G.S.R.). Zudem wurden die einschlägigen publizierten Quellen des Generalstabs des griechischen Heeres/Direktion Heeresgeschichte (Γενικό Επιτελείο Στρατού/Διεύθυνση Ιστορίας Στρατού – GES/DIS), Online-Primärquellen sowie die umfassende Bibliographie dieses Zeitraums berücksichtigt.

Übersetzung aus dem Griechischen: Athanassios Tsingas

Ο Βασιλέας Όθων της Ελλάδος και τα Πρακτικά του Συμβουλίου της Αντιβασιλείας (1833–1835)

Τα πρακτικά της Αντιβασιλείας του Όθωνα, βασιλιά της Ελλάδας (1815–1867, βασ. 1832–1862) αποτελούν αντικείμενο μιας εκτεταμένης ερευνητικής και εκδοτικής προσπάθειας της Επιτροπής για τη Βαυαρική Ιστορία που υπάγεται στη Βαυαρική Ακαδημία των Επιστημών στο Μόναχο. Το υλικό, το οποίο παραδόθηκε στο Βαυαρικό Κεντρικό Κρατικό Αρχείο ως ψηφιακό αντίγραφο του ευρισκόμενου στην Αθήνα πρωτοτύπου, μας εξοικειώνει σε κάποιον βαθμό με την κυβερνητική και διοικητική δράση της πρώιμης «Βαυαροκρατίας» στο νεοϊδρυθέν Βασίλειο της Ελλάδας. Το υλικό προσφέρει δυνατότητες για μια εμβάθυνση στους ιστορικούς μηχανισμούς της κυβερνητική πρακτικής (Governance), της εξουσίας των ειδικών και της συγκρότησης του κράτους (State Building) στον χώρο της Μεσογείου του 19ου αιώνα. Εκτός απ’ όλα αυτά, το έργο εννοεί εαυτό ως μια θεμελιώδη συμβολή στην ιστορία των ελληνογερμανικών σχέσεων της νεότερης εποχής.

Μετάφραση από τα Γερμανικά: Αντώνης Οικονόμου

Neue Artikel

Christian Müller Christian Müller (1790–1851) war ein deutscher Jurist, Privatgelehrter, Schriftsteller und Übersetzer, der in den 1820er Jahren als griechisch-deutscher Vermittler auftrat. Im Sommer 1821 u
Joachim UhlmannJoachim Uhlmann (1925–2020) war ein deutscher Maler und Dichter aus dem Kreis der Berliner „Malerpoeten“, der auch als Literaturübersetzer aus dem Englischen bekannt ist (W. Blake, D. Barnes, S
Jeorjios S. KonstantopoulosPromotion Jeorjios S. Konstantopoulos (1919-;) war von 1938 bis 1943 als Promotionsstudent an der Universität Hamburg eingeschrieben. Fakultät: Staats- und Rechtswissenschaftliche Fakultät

Neue Dossiers

Die deutsch-griechischen Verflechtungen zur Zeit König Ottos

In keiner Phase der jüngeren und jüngsten Geschichte Griechenlands hat die Einführung staatlicher Institutionen zu einer vergleichbaren gesellschaftlichen und kulturellen Transformation beigetragen wie in den drei Jahrzehnten unter der Herrschaft von König Otto.

Die deutschen Philhellenismen

Das Dossier umfasst verschiedene Felder der deutsch-griechischen Verflechtungen, die bislang für gewöhnlich unter dem einheitlichen Begriff des deutschen Philhellenismus (bzw. des Mishellenismus) subsummiert wurden. Den ersten Angelpunkt der Konferenz bildet die Neubewertung der Rezeptionen von 1821 in den deutschsprachigen Ländern und die Mobilisierung, die sie in Verbindung mit den politischen Bewegungen nördlich der Alpen hervorriefen. In diesen Bewegungen waren freilich von vornherein eine politische und eine kulturelle Komponente miteinander verflochten, die politische Bewegung des Philhellenismus und die aus der einschlägigen Literatur bekannte „Tyrannei Griechenlands über Deutschland“. Selbstverständlich darf die Rolle der griechischen Gemeinden des deutschsprachigen Raumes in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden. Den zweiten Angelpunkt bildet die Untersuchung der Transformationen, die diese politisch-kulturelle Verflechtung in den 200 Jahren nach dem Ausbruch der Griechischen Revolution erfuhr.

Deutsch-griechische Verflechtungen vom Deutschen Kaiserreich bis zum Einmarsch der Wehrmacht in Griechenland

Die Sehnsucht der gebildeten Deutschen nach dem, was sie als die Wiege ihrer persönlichen und gesellschaftlichen Identität ansahen, blieb auch in diesen Jahren unvermindert, während sich die Griechen, die auf dem Wege der Bildung zu gesellschaftlicher Reputation gelangen wollten, hauptsächlich (wenn auch nicht ausschließlich) durch die Augen der Deutschen sahen.