Die Essays des Compendiums gliedern sich in Mikrogeschichten (narrative Detailuntersuchungen und Fallanalysen), Makrovorgänge (Praktiken und Netzwerke, Policies und Strukturen), Metanarrative (Konzepte, Deutungsmodelle, Stereotype) und Präsentationen (etwa Projektvorhaben bzw. Rezensionen).
Die enzyklopädischen Artikel liefern Kurzporträts von Personen, Institutionen, Medien, Objekten und Orten der deutsch-griechischen Verflechtungen.
In den Dossiers werden ausgewählte Essays und Artikel so zusammengebracht, dass sie eine kompakte Übersicht über bestimmte thematischen Schwerpunkte geben.
Neue Essays
Ο Κωνσταντίνος Δοξιάδης στο Βερολίνο και η μοντέρνα οπτική στην αρχαιότητα
Σε αυτήν τη μικρο-ιστορία παρουσιάζεται η διδακτορική διατριβή του Κωνσταντίνου Δοξιάδη (Βερολίνο, 1936) ως μια θεωρία η οποία έχει λιγότερο σχέση με το καθαυτό αντικείμενό της, που ήταν η αρχαία Ελλάδα και η πολεοδομία της, και περισσότερο με τη μοντέρνα μεσοπολεμική εποχή και τους τρόπους με τους οποίους αυτή αντιλαμβανόταν την αρχαιότητα. Αφού περιγράφονται συνοπτικά οι λόγοι για τους οποίους η διατριβή του Δοξιάδη δεν μπορεί να τεκμηριωθεί με βάση τα αρχαιολογικά δεδομένα της εποχής της, αναπτύσσεται ένα επιχείρημα πάνω στα κατεξοχήν νεωτερικά θεμέλια της θεωρίας αυτής. Πάνω σε αυτήν την κατεύθυνση λαμβάνονται υπόψη οι αισθητικές θεωρίες για την αρχιτεκτονική του 19ου και των αρχών του 20ού αιώνα, καθώς και τα μοντέρνα τεχνικά και αισθητικά μορφότυπα (dispositives) όπως το πανόραμα, μια αρχετυπική δομή κέντρου-κύκλου, η οποία ταυτίζεται με το θεωρητικό-γεωμετρικό πρότυπο της διατριβής του Δοξιάδη.
Elly Sougioultzoglou-Seraidari (1899-1998): Ihre fotografische Ausbildung in Dresden und die Rolle ihrer Lehrer bei der Ausbildung ihres fotografischen Blicks
Elly Sougioultzoglou-Seraidari, bekannt als Nelly’s, wurde 1899 im kleinasiatischen Aydın geboren. Nach ihrer 1920 in Smyrna abgeschlossenen Gymnasialzeit reiste sie nach Dresden, um dort Musik und Malerei zu studieren. Die in Kleinasien herrschenden unsicheren Zustände bewogen sie, sich gleichzeitig der Fotografie zuzuwenden, die ihr ein zuverlässiges Auskommen sichern würde. Anfangs nahm sie bei dem namhaften Fotografen Hugo Erfurth, einem Vertreter der klassischen Fotografie, Unterricht, später dann bei dessen jungem Schüler Franz Fiedler, aus dessen Schule sie 1923 mit der Note „Sehr gut“ abging.
Seraidari wurde in Porträtfotografie und der weitverbreiteten Bromoil/Öldruck-Technik ausgebildet, mit der man den Fotoarbeiten eine piktorialistische Anmutung verlieh. Parallel dazu verfolgte sie mit, wie ihre Lehrer Tänzerinnen bildlich verewigten, hauptsächlich Vertreterinnen der relativ neuen Bewegung des Ausdruckstanzes, und zwar in Bewegung und nicht in im Voraus festgelegten Posen. Nachdrücklich von Fiedler ermutigt, fotografierte sie selbst zwei herausragende Tänzerinnen aus der Schule Mary Wigmans, und zwar sowohl im Atelier wie in der Landschaft der damaligen Sächsischen Schweiz.
1924 ließ sich Seraidari in Athen nieder, wo sie ein Jahr später ihr erstes Fotostudio einweihte. Die Athener Gesellschaft erkannte sehr bald die besondere und für die Verhältnisse der griechischen Hauptstadt neuartige Ästhetik ihrer Aufnahmen und strömte in ihr kleines Atelier, um von sich Aufnahmen machen zu lassen. Die Anwendung der Techniken, die man Seraidari gelehrt hatte, führte dazu, dass sich ihre Porträts von den sonstigen Personenaufnahmen der Zwischenkriegszeit unterschieden und innerhalb eines von Männern dominierten Berufszweigs der Stadt Bekanntheit erlangten.
Ebenfalls deutsch beeinflusst und inspiriert sind auch die von ihr auf der Akropolis realisierten Tanzfotografien. Es handelt sich dabei um die 1925 entstandenen Aufnahmen der Primaballerina der Opéra Comique de Paris Mona Paiva, die für Furore in der damaligen konservativen Gesellschaft sorgten, desgleichen um Bilder mit der Russin Nikolska, die fünf Jahre später im Augenblick eines Sprunges vor den mächtigen Säulen des Parthenons abgebildet wurde. Ganz dem zeitgenössischen Trend entsprechend gehen die Aktstudien im Atelier wie vor dem Hintergrund klassischer Monumente auf eine Spurensuche nach dem klassischen Ideal und einer Idealisierung des menschlichen Körpers. Mochte auch die Naziideologie den theoretischen Untergrund abgeben, auf dem die schöpferische Arbeit bedeutender deutscher Fotografen basierte: die beherrschenden Koordinaten in Nellys Schaffen blieben ihre hellenozentrische Bildung und ihr romantisches Naturell.
Übersetzung aus dem Griechischen: Joachim Winkler
Bayern und „Zugereiste“: Rekrutierungen durch die „Fremdherrschaft“ und die Veteranen des Freiheitskampfes von 1821 zur Regierungszeit von König Otto in Griechenland (1833 – 1862)
Der vorherrschende Diskurs über die Freiheitskämpfer von 1821 hat die Darstellungen der Bayern in der öffentlichen Geschichte Griechenlands entscheidend beeinflusst. Dieser Diskurs hat sich in großen Teilen bereits während Ottos Regierungszeit herausgebildet. Die anfangs zu Gunsten der bayerischen Regierung vorgebrachten Argumente stützten sich auf die Forderung nach Modernisierung und die Ablehnung der überkommenen Praktiken der osmanischen Vergangenheit. Die traditionellen Waffenträger verkörperten diese Vergangenheit, gleichzeitig jedoch verkörperten sie auch den Freiheitskampf von 1821, den Gründungsakt des griechischen Staates. Daher verletzten die Auflösung der irregulären Streitkräfte des Freiheitskampfes und die allgemeine Militärpolitik der Bayern in gewissem Sinne das Griechentum selbst, das diese „Schützer der Nation“ repräsentierten, vor allem in einer Gesellschaft, die von der „Megali Idea“ durchdrungen war. Gleichzeitig verursachte der Ausschluss der Freiheitskämpfer von den öffentlichen Ämtern ein Gefühl des „nicht entgoltenen“ Kampfes, das ursächlich war für viele Aufstände. Parallel zu den Modernisierungsverfechtern, die anfangs die Militärreformen unterstützten, trugen die Streitigkeiten zwischen den Freiheitskämpfern ihrerseits dazu bei, dass sich nicht von Anfang an eine gemeinsame Front gegen die Bayern bildeten. Jeder Freiheitskämpfer oder jede Faktion versuchte, sich mit der Staatsgewalt zu verbünden, und auf diese Bemühungen folgten Aufstände und erneute Verhandlungen über die Bedingungen der Unterwerfung. Sehr bald jedoch, und ohne dass die Drängeleien untereinander jemals aufhörten, scharten sich die Freiheitskämpfer und die Autochthonen, die sich diesen Titel aneigneten, gegenüber dem zusammen, was als Fremdherrschaft aufgefasst wurde: ein Zustand, der sie hinderte, die öffentlichen Stellen einzunehmen, die sie als für ihre Dienste geschuldete Belohnung ansahen. Der Bayer bildete die Kategorie des unerwünschten Fremden, nicht notwendigerweise die verabscheuungswürdigste. Das „Ressentiment gegen die Bayern“ war einer der ausländerfeindlichen Diskurse, der mit dem Autochthonenkult und der Bewegung gegen die Fanarioten koexistierte. Als Gegenentwurf aller drei Fälle erschien der Freiheitskämpfer, der seine Wut rechtfertigte, indem er sich auf die Empörung des griechischen Volkes gegenüber einer fremden Tyrannei und deren zugereisten griechischen Helfern berief. Im Gegensatz jedoch zum Autochthonenkult und der Bewegung gegen die Fanarioten passte das Ressentiment gegen die Bayern in den nationalen Diskurs. Nach den Osmanen waren die Bayern der nächste semantische „Andere“, der es der Nation erlaubte, ihre Identität negativ zu definieren. Im Konflikt mit den Bayern haben die Freiheitskämpfer ihre nationale Überlegenheit bekräftigt. Obwohl also die Revolution vom 3. September geschah, damit „die Bayern und anschließend wir die Auslandsgriechen“ vertrieben wurden, hat sich letztlich die Version des ruhmreichen nationalen Widerstands gegen die „Bavarokratie“ durchgesetzt.
Übersetzung aus dem Griechischen: Ulf-Dieter Klemm
Neue Artikel
Stelios Lydakis
Stelios Lydakis (geb. 1933) ist ein griechischer Kunsthistoriker und Übersetzer vom Griechischen ins Deutsche und vom Deutschen ins Griechische. Sein Studium der Archäologie und KunstgeschichIlse Rochow
Die Byzantinistin Ilse Rochow (geb. 1934) beteiligte sich 1965 als Übersetzerin an der von Marika Mineemi besorgten Prosaanthologie Das Mädchen mit dem Mond in der Hand. Neugriechische Erzählungen.Theodoros Delijeorjis
Promotion Theodoros Delijeorjis (1907-;) war von 1936 bis 1940 als Promotionsstudent an der Universität Hamburg eingeschrieben. Fakultät: Staats- und Rechtswissenschaftliche Fakultät HauptNeue Dossiers
Die deutsch-griechischen Verflechtungen zur Zeit König Ottos
In keiner Phase der jüngeren und jüngsten Geschichte Griechenlands hat die Einführung staatlicher Institutionen zu einer vergleichbaren gesellschaftlichen und kulturellen Transformation beigetragen wie in den drei Jahrzehnten unter der Herrschaft von König Otto.
Die deutschen Philhellenismen
Das Dossier umfasst verschiedene Felder der deutsch-griechischen Verflechtungen, die bislang für gewöhnlich unter dem einheitlichen Begriff des deutschen Philhellenismus (bzw. des Mishellenismus) subsummiert wurden. Den ersten Angelpunkt der Konferenz bildet die Neubewertung der Rezeptionen von 1821 in den deutschsprachigen Ländern und die Mobilisierung, die sie in Verbindung mit den politischen Bewegungen nördlich der Alpen hervorriefen. In diesen Bewegungen waren freilich von vornherein eine politische und eine kulturelle Komponente miteinander verflochten, die politische Bewegung des Philhellenismus und die aus der einschlägigen Literatur bekannte „Tyrannei Griechenlands über Deutschland“. Selbstverständlich darf die Rolle der griechischen Gemeinden des deutschsprachigen Raumes in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden. Den zweiten Angelpunkt bildet die Untersuchung der Transformationen, die diese politisch-kulturelle Verflechtung in den 200 Jahren nach dem Ausbruch der Griechischen Revolution erfuhr.
Deutsch-griechische Verflechtungen vom Deutschen Kaiserreich bis zum Einmarsch der Wehrmacht in Griechenland
Die Sehnsucht der gebildeten Deutschen nach dem, was sie als die Wiege ihrer persönlichen und gesellschaftlichen Identität ansahen, blieb auch in diesen Jahren unvermindert, während sich die Griechen, die auf dem Wege der Bildung zu gesellschaftlicher Reputation gelangen wollten, hauptsächlich (wenn auch nicht ausschließlich) durch die Augen der Deutschen sahen.
