Die Essays des Compendiums gliedern sich in Mikrogeschichten (narrative Detailuntersuchungen und Fallanalysen), Makrovorgänge (Praktiken und Netzwerke, Policies und Strukturen), Metanarrative (Konzepte, Deutungsmodelle, Stereotype) und Präsentationen (etwa Projektvorhaben bzw. Rezensionen).
Die enzyklopädischen Artikel liefern Kurzporträts von Personen, Institutionen, Medien, Objekten und Orten der deutsch-griechischen Verflechtungen.
In den Dossiers werden ausgewählte Essays und Artikel so zusammengebracht, dass sie eine kompakte Übersicht über bestimmte thematischen Schwerpunkte geben.
Neue Essays
Neuvermittelte Zugänge zur Hegelschen Philosophie über die Rezeption des Werks von John McDowell in Griechenland
Von der kritischen Aneignung von Elementen der Frankfurter Schule bis zu den Lesarten der Phänomenologie des Geistes, die auf der anthropologischen Sichtweise von Alexandre Kojève aufbauen, sind die griechischen Philosophen des 20. Jahrhunderts über vielerlei Zugangswege mit der Tradition des deutschen Idealismus vertraut. In der vorliegenden Arbeit wird das Wiederaufflammen des Interesses am Übergang von den Thesen Kants zu jenen Hegels anhand der Untersuchung weitgehend analoger Positionen auf dem Boden der erkenntnistheoretischen Problematik heutiger analytischer Philosophie überprüfend nachvollzogen. Insbesondere wird der Verlauf der Rezeption des Werks Mind and World und weiterer, neuerer Arbeiten von John McDowell beschrieben, ebenso aber auch der Interpretation von Texten des deutschen Idealismus, die er unter Bezugnahme auf bis heute andauernde Diskussionen ins Gespräch bringt. Diese Diskussionen ermöglichen die Bearbeitung neuer, allgemeinerer Auseinandersetzungen mit dem philosophischen Erbe der jüngeren Vergangenheit und machen den Weg frei für eine kreative Konvergenz analytischer und kontinentaler philosophischer Methoden.
Übersetzung aus dem Griechischen: Joachim Winkler
Wilhelm Müller und die deutschen Philhellenismen
Der vorliegende Essay unternimmt den Versuch, die Vielgestaltigkeit und teilweise widersprüchlichen Ausdrucksformen des deutschen Philhellenismus zur Zeit des griechischen Unabhängigkeitskrieges anhand des Lebens- und Schaffensweges eines maßgeblichen deutschen „Philhellenen der Feder“ zu beleuchten. Der heute vor allem als Autor der Winterreise bekannte Wilhelm Müller erwarb sich seinen Beinamen als „Griechen-Müller“ sowohl durch seine flammenden Griechenlieder wie durch seine philhellenische Berichterstattung und die Übersetzung neugriechischer Volkslieder. Er partizipierte aber auch am deutschen Byronismus und versuchte sich daran, den poetischen Weltschmerz des britischen Dichters und dessen Tod in Griechenland für seine eigene Feder produktiv zu machen. Die verschiedenen Aspekte von Müllers philhellenischem Denken und Handeln wurden im Rahmen seiner klassisch-philologischen Ausbildung, seiner politischen Sozialisation während der deutschen Befreiungskriege und im Zuge der anschließenden Restaurationszeit, seiner griechisch-italienischen Reiseerfahrungen und seiner romantischen Ansichten über Griechenland, das griechische Volksleben und die griechische Volksliteratur kontextualisiert. In diesem Zusammenhang wurde zum einen Müllers Verbundenheit mit bekannten philhellenischen Denkfiguren wie der Kontinuität der Antike im neugriechischen Volksleben und der Wiedergeburt der griechischen Nation im Kampf um ihre politische Unabhängigkeit, zum anderen deren Transgression im Rahmen von Müllers Byron-Rezeption und seinem konsequenten Eintreten für den Eigenwert der lebendigen Gegenwart aufgezeigt. Am Ende dieser Untersuchung steht eine Betrachtung über Müllers Nachleben in der deutsch-griechischen Erinnerung an den Philhellenismus und dessen Protagonisten, ein bislang noch wenig bearbeiteter Themenkomplex, der der zukünftigen Forschung ein interessantes Arbeitsfeld eröffnet.
Die Rezeption von Käthe Kollwitz in Griechenland während des frühen Kalten Krieges (1950er und 1960er Jahre)
Dieser Essay untersucht Aspekte der Rezeption von Käthe Kollwitz in Griechenland während des frühen Kalten Krieges. Im Mittelpunkt steht der theoretische Diskurs über das Werk der deutschen Künstlerin, wie er von griechischen Linksintellektuellen und Kunstkritikern in den 1950er und 1960er Jahren in der Kunstzeitschrift Epitheorisi Technis und der Presse artikuliert wurde. Darüber hinaus werden die ideologischen, politischen und sonstigen Parameter dreier deutscher Ausstellungen nachgezeichnet und kommentiert, die in den 1960er Jahren in Griechenland organisiert wurden, um Kollwitz und ihr Werk zu präsentieren. Wie wir feststellen, überschnitt sich in den 1950er und 1960er Jahren die Aufnahme ihrer Werke mit dem deutsch-deutschen Narrativ über die Geschichte der deutschen Kunst und insbesondere das Kollwitz-Werk. Anders ausgedrückt wurde Griechenland in dieser Zeit zum Schauplatz der ideologischen und künstlerischen Konfrontation zwischen den beiden deutschen Staaten. Beide beanspruchten Kollwitz und damit ein bedeutendes Kapitel der deutschen Kunstgeschichte des 20.Jahrhunderts für sich.
Übersetzung aus dem Griechischen: Athanassios Tsigkas
Neue Artikel
Jorgos Busianis
Jorgos Busianis (1883–1959) war ein moderner Maler, der hauptsächlich in Griechenland und Deutschland wirkte. Er lebte und arbeitete in Athen, Berlin, München und Paris und prägte die griechischeJoachim Uhlmann
Joachim Uhlmann (1925–2020) war ein deutscher Maler und Dichter aus dem Kreis der Berliner „Malerpoeten“, der auch als Literaturübersetzer aus dem Englischen bekannt ist (W. Blake, D. Barnes, SLouise Helene La Costa
Louise Helene La Costa (Lebensdaten unbekannt) trat zwischen 1973 und 1977 als Übersetzerin mehrerer Gedichtsammlungen des seit 1967 in Hamburg lebenden Philologen und Lyrikers Thodoris VlachodimitriNeue Dossiers
Die deutsch-griechischen Verflechtungen zur Zeit König Ottos
In keiner Phase der jüngeren und jüngsten Geschichte Griechenlands hat die Einführung staatlicher Institutionen zu einer vergleichbaren gesellschaftlichen und kulturellen Transformation beigetragen wie in den drei Jahrzehnten unter der Herrschaft von König Otto.
Die deutschen Philhellenismen
Das Dossier umfasst verschiedene Felder der deutsch-griechischen Verflechtungen, die bislang für gewöhnlich unter dem einheitlichen Begriff des deutschen Philhellenismus (bzw. des Mishellenismus) subsummiert wurden. Den ersten Angelpunkt der Konferenz bildet die Neubewertung der Rezeptionen von 1821 in den deutschsprachigen Ländern und die Mobilisierung, die sie in Verbindung mit den politischen Bewegungen nördlich der Alpen hervorriefen. In diesen Bewegungen waren freilich von vornherein eine politische und eine kulturelle Komponente miteinander verflochten, die politische Bewegung des Philhellenismus und die aus der einschlägigen Literatur bekannte „Tyrannei Griechenlands über Deutschland“. Selbstverständlich darf die Rolle der griechischen Gemeinden des deutschsprachigen Raumes in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden. Den zweiten Angelpunkt bildet die Untersuchung der Transformationen, die diese politisch-kulturelle Verflechtung in den 200 Jahren nach dem Ausbruch der Griechischen Revolution erfuhr.
Deutsch-griechische Verflechtungen vom Deutschen Kaiserreich bis zum Einmarsch der Wehrmacht in Griechenland
Die Sehnsucht der gebildeten Deutschen nach dem, was sie als die Wiege ihrer persönlichen und gesellschaftlichen Identität ansahen, blieb auch in diesen Jahren unvermindert, während sich die Griechen, die auf dem Wege der Bildung zu gesellschaftlicher Reputation gelangen wollten, hauptsächlich (wenn auch nicht ausschließlich) durch die Augen der Deutschen sahen.
