Die Essays des Compendiums gliedern sich in Mikrogeschichten (narrative Detailuntersuchungen und Fallanalysen), Makrovorgänge (Praktiken und Netzwerke, Policies und Strukturen), Metanarrative (Konzepte, Deutungsmodelle, Stereotype) und Präsentationen (etwa Projektvorhaben bzw. Rezensionen).
Die enzyklopädischen Artikel liefern Kurzporträts von Personen, Institutionen, Medien, Objekten und Orten der deutsch-griechischen Verflechtungen.
In den Dossiers werden ausgewählte Essays und Artikel so zusammengebracht, dass sie eine kompakte Übersicht über bestimmte thematischen Schwerpunkte geben.
Neue Essays
Zwischen Philhellenismus und Orientalismus des letzten deutschen Kaisers: Wilhelm II. auf Korfu
Dieser Essay untersucht Aspekte des kulturellen Wirkens von Kaiser Wilhelm II. auf Korfu zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Von 1908 bis 1914 reist Kaiser Wilhelm II. fast jedes Jahr nach Korfu. Während seines Aufenthalts auf den Ionischen Insel entfaltet er eine intensive kulturelle Tätigkeit auf den Gebieten der Kunst und der Archäologie. Zum einen gibt er eine kolossale neoklassizistische Statue von Achilles in Auftrag, die er 1910 im Garten des Achilleion aufstellen lässt, zum anderen fördert er eine archäologische Ausgrabung, bei der der archaische Gorgonengiebel des Artemistempels ausgegraben wird. Im Mittelpunkt der Studie steht das Verhältnis des deutschen Kaisers zur griechischen Antike und zum modernen Griechenland. Anhand der Erinnerungen an Korfu (Berlin/Leipzig, 1924), die der abgesetzte Monarch während seines selbstgewählten Exils in den Niederlanden verfasste und veröffentlichte, wird in diesem Essay der Versuch unternommen, die Wahrnehmung des antiken und des modernen Griechenland durch Wilhelm II. sowie deren Wechselwirkung nachzuzeichnen. Hauptaussage dieser Studie ist, dass der Philhellenismus des letzten deutschen Kaisers am Beispiel von Korfu mit einem eigentümlichen Orientalismus verwoben ist – eine Verflechtung, die in dessen hochgradig hegemonialer Erzählung manchmal offen und manchmal implizit in Erscheinung tritt.
Übersetzung aus dem Griechischen: Athanassios Tsingas
Die Chemie in Griechenland und das deutsche Vorbild (1860–1904)
Das 19. Jahrhundert war der Zeitraum, in dem die Chemie ihre Autonomie als wissenschaftliches Fach errang sowie die Mehrzahl ihrer fundamentalen Werkzeuge und Begriffe. In dieser Zeit wurden die chemischen Entdeckungen zu Instrumenten des Nationalstolzes. Französische, deutsche und englische Chemiker drohten mit den Fortschritten in den Nachbarstaaten als Schreckgespenst, um die Finanzierung nationaler chemischer Forschung zu erlangen, aber auch um die Bedeutung der Chemie ganz allgemein zu betonen. Trotz grundlegender Entdeckungen britischer, schwedischer und russischer Wissenschaftler taten sich Deutschland und Frankreich ab 1780 als die „Großmächte“ der Chemie hervor. Im griechischsprachigen Raum tritt die Chemie schon vor der Gründung des griechischen Staates durch die Bewegung der Neugriechischen Aufklärung hervor. Nach ihrer Gründung umfasst die Universität Athen auch die Lehre der Chemie, was auch für das Polytechnikum und die Militärakademien gilt. Die 1860er Jahre markieren einen Einschnitt bei der Institutionalisierung der Chemie im Lande. Eine neue Generation von Chemikern, mit Anastassios Christomanos als Hauptvertreter, modernisiert die Chemie in Griechenland. Bei diesem Vorhaben spielt das deutsche Vorbild eine bedeutende Rolle. Die griechischen Chemiker hatten in ihrer überwältigenden Mehrheit in Deutschland studiert, benutzten deutsche Literatur und Terminologie und bezogen sich in ihren öffentlichen Reden auf deutsche Beispiele. Die vorliegende Arbeit geht dem Einfluss nach, den die deutsche chemische und wissenschaftliche Praxis bei der Institutionalisierung der Chemie in Griechenland ab 1860 ausgeübt hat, bis etwa zur Autonomisierung der Physikalisch-Mathematischen Fakultät der Athener Universität im Jahre 1904. Zu diesem Zweck werden zunächst die Studien und das Werkverzeichnis der griechischen Chemiker erörtert, die an der Universität Athen, am Polytechnikum und an den Militärakademien lehrten. Spezialisierte Wissenschaftler wie zum Beispiel Anastassios Christomanos (1841–1906), Othon Roussopoulos (1855–1922) und Anastassios Damverjis (1857–1920) verfolgten unterschiedliche, aber parallele Wege. Anschließend wird die Produktion von Lehrbüchern und Fachartikeln im griechischen Raum geprüft. Schließlich werden öffentliche Wortmeldungen der griechischen Chemiker jener Zeit und die exemplarische Rolle der deutschen Chemie und Wissenschaft untersucht.
Übersetzung aus dem Griechischen: Ulf-Dieter Klemm
«Η μνησικακία είναι μια δύσκολη τέχνη»: μια επανεπίσκεψη του παρελθόντος των ελληνογερμανικών διασταυρώσεων στη μυθοπλαστική Αθήνα του 2015
«Γιατί θέλετε να έρχεστε μονίμως σε τούτον τον τόπο, εσείς οι Τοβίας και Τόμας και Τόνι», ρωτά ξανά και ξανά ο «δάσκαλος» στη νουβέλα του Δημήτρη Ελευθεράκη (Η δύσκολη τέχνη, 2015), καθισμένος σε ένα παγκάκι «στο βρωμισμένο δρομάκι ανάμεσα στο Μουσείο και την Πολυτεχνική Σχολή», στην Αθήνα του 2015 με «τις κλασικές εξευγενισμένες προσόψεις των Θεοφίλων Χάνσεν, των Λουδοβίκων Λάνγκε και των Ερνέστων Τσίλλερ, ναι τον Λεόντων φον Κλέντσε». Αφετηρία, άλλωστε, για το αφηγηματικό ξετύλιγμα μιας κρίσης μνήμης και γενεαλογίας είναι η διαταραγμένη εικόνα μιας τέτοιας νεοκλασικής πρόσοψης: ένα γκράφιτι τον Μάρτιο του 2015 στον τοίχο του Πολυτεχνείου, ενός τόπου πολλαπλών μνημονικών εγγραφών για τη νεοελληνική ιστορία. Επιχειρώντας έναν απολογισμό (ίσως και απολογία) για την «Ελλάδα ως δύσκολη τέχνη» (ή και δύσκολη κληρονομιά), ο δάσκαλος προσφέρει, με το «βλέμμα στον καθρέφτη», αντιφατικές απαντήσεις, δοκιμάζοντας να υπερβεί τη σύγχυση που του προκαλούν αυτά τα «εξελληνισμένα ονόματα» στις πινακίδες των δρόμων. Μεταξύ άλλων θα μιλήσει και με τη φωνή του Αλέξανδρου Σούτσου κατά της Βαυαροκρατίας. Το δοκίμιο επιχειρεί να ανιχνεύσει και να ερμηνεύσει αυτήν την ανάκληση, μέσα από μνημειακά τοπόσημα και κειμενικά μνημεία, ενός ορισμένου πολιτισμικού αρχείου ελληνογερμανικών διασταυρώσεων.
Neue Artikel
Jeorjios S. Konstantopoulos
Promotion Jeorjios S. Konstantopoulos (1919-;) war von 1938 bis 1943 als Promotionsstudent an der Universität Hamburg eingeschrieben. Fakultät: Staats- und Rechtswissenschaftliche FakultätJeorjios S. Konstantopoulos
Promotion Jeorjios S. Konstantopoulos (1919-;) war von 1938 bis 1943 als Promotionsstudent an der Universität Hamburg eingeschrieben. Fakultät: Staats- und Rechtswissenschaftliche FakultätNeue Dossiers
Die deutsch-griechischen Verflechtungen zur Zeit König Ottos
In keiner Phase der jüngeren und jüngsten Geschichte Griechenlands hat die Einführung staatlicher Institutionen zu einer vergleichbaren gesellschaftlichen und kulturellen Transformation beigetragen wie in den drei Jahrzehnten unter der Herrschaft von König Otto.
Die deutschen Philhellenismen
Das Dossier umfasst verschiedene Felder der deutsch-griechischen Verflechtungen, die bislang für gewöhnlich unter dem einheitlichen Begriff des deutschen Philhellenismus (bzw. des Mishellenismus) subsummiert wurden. Den ersten Angelpunkt der Konferenz bildet die Neubewertung der Rezeptionen von 1821 in den deutschsprachigen Ländern und die Mobilisierung, die sie in Verbindung mit den politischen Bewegungen nördlich der Alpen hervorriefen. In diesen Bewegungen waren freilich von vornherein eine politische und eine kulturelle Komponente miteinander verflochten, die politische Bewegung des Philhellenismus und die aus der einschlägigen Literatur bekannte „Tyrannei Griechenlands über Deutschland“. Selbstverständlich darf die Rolle der griechischen Gemeinden des deutschsprachigen Raumes in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden. Den zweiten Angelpunkt bildet die Untersuchung der Transformationen, die diese politisch-kulturelle Verflechtung in den 200 Jahren nach dem Ausbruch der Griechischen Revolution erfuhr.
Deutsch-griechische Verflechtungen vom Deutschen Kaiserreich bis zum Einmarsch der Wehrmacht in Griechenland
Die Sehnsucht der gebildeten Deutschen nach dem, was sie als die Wiege ihrer persönlichen und gesellschaftlichen Identität ansahen, blieb auch in diesen Jahren unvermindert, während sich die Griechen, die auf dem Wege der Bildung zu gesellschaftlicher Reputation gelangen wollten, hauptsächlich (wenn auch nicht ausschließlich) durch die Augen der Deutschen sahen.
