
Online-Compendium
der deutsch-griechischen Verflechtungen
Das Online-Compendium (ComDeG)
ist ein frei zugängliches, multiperspektivisches Referenzwerk für die deutsch-griechische Geschichte seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert. Diese bilaterale Geschichte soll als schon immer verflochten in europäischen transnationalen Interaktionen, Interpretationen und Übersetzungen erkennbar werden.
Das ComDeG umfasst zum einen die Essays, Artikel und Dossiers des Compendiums der deutsch-griechischen Verflechtungen, das vom Centrum Modernes Griechenland (CeMoG) mit dem Institut für Griechisch-Deutsche Beziehungen (EMES) der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen in Kooperation erarbeitet wird. Zum anderen beinhaltet das Informationsangebot die Wissensbasis des CeMoG mit Daten zu Personen, Institutionen, Objekten, Ereignissen, Wirkungsorten, Kontaktzonen und Vermittlungspraktiken sowie die damit vernetzten Sammlungen bibliographischer Einträge.
So erhalten Forscher*innen, Student*innen und allgemein Interessierte ein Werkzeug, das den Facettenreichtum der deutsch-griechischen Beziehungen dokumentiert und die Erforschung ihrer Geschichte(n) unterstützt. Weiterlesen
Suche im Online-Compendium
Essays im Fokus
Die Thronbesteigung als literarisches Ereignis: Nepomuk von Poißls dramatisches Gedicht Vergangenheit und Zukunft und die Reaktion Ludwig Börnes
Die Thronbesteigung Ottos wird im Spiegel zweier Zeittexte besprochen, dem verklärenden allegorischen Festspiel Nepomuk von Poißls Vergangenheit und Zukunft und der sarkastischen Reaktion Ludwig Börnes in seinen Briefen aus Paris. Bei Poißl wird die Thronbesteigung als Höhepunkt der philhellenischen Bestrebungen des Bayrischen Königs dargestellt, als Hilfestellung an ein Volk, das, dank seiner glorreichen Vergangenheit sowie der Beständigkeit seines christlichen Glaubens, sich dessen würdig erwiesen hat. Otto wird als Retter stilisiert und die Wiederherstellung von Volk und Landschaft inszeniert. Börne kommentiert mit beißendem Sarkasmus die lyrischen Ergüsse Poißls und prophezeit in einer grotesken Vision das Ende des „bayrisch-russisch-englisch-französisch-hellenischen Reiches“. Die Einbindung der Börneschen Kritik in den breiteren Kontext seines Schreibens beleuchtet die ideologische Position und die durchaus ernst gemeinten Kritikpunkte hinter den sarkastischen Kommentaren. Hierbei wird deutlich, dass Börne bei dieser Gelegenheit nicht nur seine Skepsis gegenüber dem Hellas-Enthusiasmus des bayrischen Königs zum Ausdruck bringt, sondern auch die Enttäuschung des liberalen Intellektuellen über die Einrichtung eines Bayrischen Königtums in Griechenland, die er als die Durchsetzung der Interessen der europäischen Großmächte und deren restaurative Agenda betrachtet.
„Shenzi Ulaya“ – Deutsch-griechische Verflechtungen von der Bagdadbahn zum kolonialen Deutsch-Ostafrika
Deutsch-griechische Verflechtungen zwischen 1871 und 1941 bestehen auch abseits der nationalen Geschichtsschreibungen der Staaten Griechenland und Deutschland. Zwischen den Jahren 1900 und 1914 lassen sich diese vor allem anhand imperialer Infrastrukturprojekte des Deutschen Reiches im Osmanischen Reich – Bau der Bagdadbahn – und der Kolonie Deutsch-Ostafrika (DOA) – Bau der Zentralbahn –nachzeichnen. Bei beiden Infrastrukturprojekten waren Griechen als Subunternehmer unverzichtbar für die deutschen Baufirmen. Als größte europäische Minderheit in der kolonialen Gesellschaft DOAs nahmen Griechen als „weiße Subalterne“ zudem eine konflikthafte Zwischenstellung im Spannungsfeld zwischen colonizer und colonized vor allem im Kontext von Arbeit ein, was ein weiteres Schlaglicht auf deutsch-griechische Verflechtungen wirft.
Artikel im Fokus
Georg Walther Heyer
Georg Walther Heyer (1924–1991) war ein deutscher Schriftsteller und Rundfunkredakteur, der sich als Übersetzer an der 1973 von Danae Coulmas herausgegebenen Anthologie Die Exekution des Mythos betMarianne Klaar
Marianne Klaar (1905–1994) war eine deutsche Sammlerin und Übersetzerin griechischer Volksliteratur. Nach dem Abschluss des Lyzeums absolvierte die in Berlin geborene Tochter des bekannten östeDossiers im Fokus
Die deutsch-griechischen Verflechtungen zur Zeit König Ottos
In keiner Phase der jüngeren und jüngsten Geschichte Griechenlands hat die Einführung staatlicher Institutionen zu einer vergleichbaren gesellschaftlichen und kulturellen Transformation beigetragen wie in den drei Jahrzehnten unter der Herrschaft von König Otto.
Die deutschen Philhellenismen
Das Dossier umfasst verschiedene Felder der deutsch-griechischen Verflechtungen, die bislang für gewöhnlich unter dem einheitlichen Begriff des deutschen Philhellenismus (bzw. des Mishellenismus) subsummiert wurden. Den ersten Angelpunkt der Konferenz bildet die Neubewertung der Rezeptionen von 1821 in den deutschsprachigen Ländern und die Mobilisierung, die sie in Verbindung mit den politischen Bewegungen nördlich der Alpen hervorriefen. In diesen Bewegungen waren freilich von vornherein eine politische und eine kulturelle Komponente miteinander verflochten, die politische Bewegung des Philhellenismus und die aus der einschlägigen Literatur bekannte „Tyrannei Griechenlands über Deutschland“. Selbstverständlich darf die Rolle der griechischen Gemeinden des deutschsprachigen Raumes in diesem Zusammenhang nicht vergessen werden. Den zweiten Angelpunkt bildet die Untersuchung der Transformationen, die diese politisch-kulturelle Verflechtung in den 200 Jahren nach dem Ausbruch der Griechischen Revolution erfuhr.
